Category: Wichtige Träume

Bewegungs-Art in der Nische

Traum vom 14. März 2011

Leuchtender Sonnenuntergang über dem Meer. Unerwartet bietet sich die Gelegenheit der Teilnahme an einer kleinen Inszenierung. Darauf habe ich Lust. Sonne und Meer im Rücken; der Schein der Sonne lässt die Fassade des kleinen Schuhgeschäfts wie von innen heraus leuchten, was noch durch die beiden großen Schaufenster, aus denen goldenes Licht auf die Straße fällt, verstärkt wird. Draußen im Eingangsbereich stehen viele Schuhe zur Auswahl. Kein Paar darunter, das mir wirklich gefallen könnte, aber darum geht es auch nicht. Kinderschuhe sind dabei. Die Größe sollte ich berücksichtigen. Meine Auswahl begleite ich mit plattdeutschem Gemurmel – für mich und die Zuschauer mal als kleine Kostprobe vorab. Fühle mich dabei total unbeholfen. Da, ein Paar Schuhe in meiner Größe! Die nehme ich und klettere über die übrigen hinweg in den Laden. Dort nimmt man mich gleich in Empfang. Schon sitze ich in einem Behandlungsstuhl und damit beginnt offiziell das kleine Schauspiel. Umringt von neugierigen Kunden und Passanten. Eine Verkäuferin wird mir gleich die Schuhe zur Anprobe anziehen. Ich hebe meine Beine – bemerke den altmodischen langen Rock und meine Füße in knöchelhohen braunen Großmutter-Filzschuhen – solche mit einem mittigen Reißverschluss. Dazu führe ich Monologe; zurückhaltend noch, aber doch hörbar: eine Aneinanderreihung plattdeutscher Floskeln, die mir gerade in den Sinn kommen – nicht so bemerkenswert… Nein, damit bin ich nicht glücklich und verstumme, ehe die Blicke der Zuschauer noch bedrückender werden. Naja, das gehört halt alles zur Inszenierung und die wiederum macht mir ja Spaß. Dennoch ist es gut, als diese Sache erfolgreich abgeschlossen ist.

Es kommt der Vorschlag, doch noch ein paar Schritte weiterzugehen – natürlich nur, wenn ich Lust dazu habe. Ah ja, ich bin ja neugierig, also… klar! Ich bin überrascht, als mir im Raum nebenan von einer Künstlerin vier Anhänger überreicht werden, die wirklich etwas Besonderes sind: eine flache Scheibe aus eigens dafür hergestellter Modelliermasse. Und ein perlmuttweißes Herz mit einem feinen Loch in seiner Mitte, zum Durchziehen eines dünnes Bandes. Und ähnliches. Wie schön… wie kostbar… Nur kurz schmälert aufkeimende Gier die Freude des schönen Anblicks. Nein, ich muss das wirklich nicht haben. Doch da sagt die Künstlerin, natürlich seien die Stücke für mich und ich dürfe sie gerne behalten. Ich staune. Ja, und wenn ich mag, so solle ich ruhig noch ein paar Schritte weiter gehen. Ja, gerne.

Ein größerer Raum mit vielen Nischen und Halbdunkelheiten. Eine Künstlerin gewährt Einblicke in ihre Arbeit. Sie schafft kleine Schaukästen, die von der grundlegenden Konstruktion her an Setzkästen erinnern. Auf der oberen Seite hatte sie braune Modelliermasse aufgetragen, die alsbald wie geschmolzenes Wachs zu fließen begonnen hatte. Es ist fantastisch, denn die Masse bildet auf der nächsten Ebene eine Reihe von Figuren, die an eine weihnachtliche Krippe denken lassen, dabei ganz und gar nicht kitschig. Bemerkenswert, dass sie einen Streifen weißer Modelliermasse aufbrachte, der beim Zerfließen die Konturen der entstandenen Figuren noch betont. Wie viel Wissen dazu gehört, eine Masse von genau der Konsistenz herzustellen, die beim Zerfließen dann noch in die gewünschte Form gelangt. Als wäre all das nicht schon Wunder genug, sehe ich nun, wie sich die gerade entstandenen Formen wieder auflösen und eine Ebene tiefer rutschten, sich dort erneut und anders formieren und sogar der weiße Streifen in neuer Strömung immer noch eine Art Unterstreichung bildet. Das ist ja wie ein Wunder! Und hey, alles löst sich wieder auf, findet weiter unten neuen Platz und eine Szene ist beeindruckender als die andere.

Man gibt mir eine weitere Gelegenheit zur Betrachtung. In einer dunklen Nische treffe ich auf den Klangmasseur und Künstler Jürgen Easter. Wohl schon länger widmet er sich so etwas wie einem Altar, aus dem sich eine Greifvogelskulptur – oder soll das was ähnliches wie ein Phönix sein? – herausschält. Jürgen Easter hat türkis gefärbte Modelliermasse an den Fingerspitzen und verstreicht diese auf der Brust des Vogels. Hm, eigentlich sieht der ganz fertig aus, aber vielleicht geht es um Feinheiten oder darum, noch etwas Struktur zu geben. Fasziniert blicke ich auf den weißen Streifen im „Gefieder“, der sich wellenartig verzogen hat, ohne seine Form verloren zu haben. Und während Jürgen wieder und wieder über die Vogelbrust streicht, erzählt er, dass dieser Phönix aus seiner buddhistischen Phase stamme. Diese liegt also hinter ihm, wie so vieles, was man im Leben hinter sich lässt. Ein feierliches Gefühl breitet sich in meiner Brust aus, während ich vorsichtig mit den Fingerspitzen über die Vogelbrust streiche und es wage, meine Frage zu stellen: „Du gehörst also auch keinem bestimmten Glauben an?“ Er nickt wortlos. Wir verstehen. Kurz möchte ich erzählen, wie mein Weg bisher aussah…. aber… nein, ich will es gar nicht zerreden. Rechts neben dem Altar mit dem Vogel ist wieder einer dieser Schaukasten, in dem alles fließt, alles entsteht und vergeht, Form annimmt und verliert. Immer wieder neue Kunstwerke entstehen. Wie beglückend, das alles zu erleben.

Dann werde ich hinaus auf eine überdachte Terrasse gebeten. Dort findet eine Diskussionsrunde statt, an der jene Frauen teilnehmen, die alle Stadien durchlaufen haben, sich also einen Eindruck verschaffen konnten und nun in der Lage sind, ihre Entscheidung zu treffen. Zu Beginn die Frage an uns alle: „Wer von Ihnen traut sich zu, die Intensivausbildung zu durchlaufen? Die Anforderungen sind sehr hoch.“ Ich schüttele sofort den Kopf – ist ja klar, dass ich nicht die nötigen Fähigkeiten mitbringe. Empfinde aber sofort Trauer damit, so vorschnell geantwortet und mir damit jede Chance geraubt zu haben. Ich hätte wenigstens versuchen sollen, diesen Ausbildungsplatz zu bekommen. Inzwischen antworteten zwei andere Frauen, dass sie die Intensivausbildung sehr gerne machen möchten. Man spürt, wie ernst und wichtig es ihnen ist. Doch beide erhalten sogleich die Einschätzung der Fachfrau: „Tut mir leid, aber Sie genügen den Anforderungen nicht.“ Heftig! Vernichtend! Die Unterlippe der einen bebt, wirkt fast schmollend, drückt aber die tiefe Enttäuschung aus, die erst langsam ins Bewusstsein zu gelangen scheint. Heftig, echt heftig! Sag ich ja: das ist unerträglich! Vielleicht ganz gut, dass ich gleich einen Rückzieher gemacht habe.

Der goldene Tiger

[...] Vier ältere Herrschaften – zwei Männer, zwei Frauen – sitzen an einem runden Tisch, der in einer Nische steht. Sie sitzen an einem Halbrund des Tisches, mit dem Rücken zu einem Sprossenfenster, das helles Tageslicht in den Raum lässt. Bis zu diesem Augenblick stand ich mit dem Rücken dorthin. Aus irgendeinem Grund drehe ich mich nun um. Die Senioren haben die Speisekarte studiert und sind bereit zum Bestellen. Na, das nehme ich doch mal in Angriff, obwohl ich hier nicht angestellt bin, denn ich spüre Lust auf Aktivitäten. Gut gelaunt wende ich mich den Gästen zu. Vergnügt äußern diese ihren Wunsch – bewegen die Münder, ohne dass ein Laut hörbar wäre. Doch das bemerkt niemand, denn ihre Bestellungen finden bildhafte Vorstellung: wie von unsichtbarer Hand werden Teller über den Tisch gehalten, die das gewünschte Gericht servieren. Aha, alle wollen Kartoffelklöße, Eisbein und Weinsauerkraut. Von den Tellern dampft und duftet es köstlich (obwohl ich kein Eisbein mag). „Okay“ bestätige ich „mal sehen, was sich machen lässt!“

Die Essensausgabe liegt nur wenige Schritte entfernt. Ein Glastresen, dahinter eine Bain-Marie, die appetitlich anzuschauende Speisen warm hält. Es dampft und riecht köstlich. Hinter dem Tresen und den Speisen steht ein äußerst sympathisch wirkender schlanker Mann von etwa 40 Jahren. Er trägt einen Liftboy-Anzug, bestehend aus schwarzer Hose, rotem Jackett und rotem Käppi. Ich gebe die Bestellung der Senioren an ihn weiter. Daraufhin gleitet er in einem Spagat zu Boden und entledigt sich gleichzeitig seiner Uniform und Wäsche, ohne daraufhin nackt zu wirken. Total elegant und hingabevoll. Mit verhaltener Stimme äußere ich meine Begeisterung über seine spontane Reaktion: „Wow… wie Sie das machen! Wow! Wow!!“ Er lächelt mir zu und ich spüre unsere Verbundenheit und tiefe Zuneigung. Wir machen uns gemeinsam auf den Weg, um das Essen für die Senioren zu besorgen.

Im Dunkel der Nacht.

Ein weiträumiges Gelände in bäuerlich anmutendem Umfeld. Einige große Fachwerkgebäude. Wenige Schritte weiter links geht der Mann mit dem Tiger. Soweit ich das im Dunkel erkennen kann, hat er den Tiger an die Leine genommen. Das hoffe ich, denn ich fürchte den Tiger wie einen großen Hund. Nach wenigen Metern erreichen wir ein hohes offenes Scheunentor, das in ein Wirtschaftsgebäude führt. Der Mann lässt den Tiger von der Leine – ich hoffe, er hat ihn weiterhin unter Kontrolle.

Im Wirtschaftsgebäude. Der Raum reicht bis unter den Dachfirst. Allein zwei Stützbalken richten den Raum ein. Nach oben hin einige Dachbalken. Gleich werde ich diesem Raum den Rücken kehren; hoffe auch, die Türe hinter mir schließen zu können, um vor einem überraschenden Angriff seitens des Tigers sicher zu sein. Ich schaue mich um. Die Türen schließen sich nicht, bleiben weit offen stehen! In diesem Moment macht der goldene Tiger – sein Fell schimmert golden – einen kraftvollen Sprung, der ihn auf einen Dachbalken in drei Metern Höhe bringt. Ganz sicher und geschmeidig steht er dort oben und blickt still auf mich herab. Welch ein wunderbares Tier… Für Furcht bleibt wenig Zeit, denn bereits im nächsten Augenblick setzt der Tiger zum Sprung an. Ich vergewissere mich noch schnell, ob mein Tiger aus Gold, eine leblose Gestalt, den ich an der Leine führe – er hat die Größe eines mittelgroßes Hundes – derart vor mir steht, dass meine Schienbeine geschützt sind. Tatsächlich landet der goldene Tiger so, dass meine Goldtigerfigur genau zwischen seiner Schnauze und meinen Beinen steht. Was wohl geschehen wäre, hätte mich mein Goldtiger nicht geschützt? Ob der goldene Tiger mich gebissen hätte?

Schnell wie der Wüstenwind!

Traum:
Auf einer Sandwolke im Nichts. Der Sand unter meinen Füßen ist griffig und angenehm. Einige Männer sind damit beschäftigt, einen großen Holzkasten zu einem Wahrsager-Bauwagen auszubauen. Das wird ganz toll. Vorn eine Tür, die sich zur Seite schieben lässt. Auf dieser ein Rahmen für Plakate. Oben drüber der Name des Bauwagens: „Kunterbunt“ – wie die Villa Kunterbunt. Die Buchstaben aus aneinander angenagelten Holzstückchen geformt. Der Bauwagen wird mit mittelblauer Farbe gestrichen. Währenddessen schießen wir ein oder mehrere weich federnde Bälle hin und her. Zugleich werden die Bälle auch dafür genutzt, Farbe auf die Holzlettern aufzutragen. Mit Farbe gesättigt, werden sie gegen das „Kunterbunt“ gekickt. Ich laufe hin und her, in diesem schönen warmen Sand, kicke auch manchmal den Ball, ohne ihn jedoch in die gewünschte Richtung zu bringen; oder mit anderen Worten: immer an den Männern vorbei. Manchmal fehlt es einfach an Sprungkraft. Naja, nicht schlimm.

Mit einem Male bekomme ich Schwung… ich nehme den Mann, der mir gerade entgegenkommt, bei den Händen, so dass wir uns wie bei einem Walzertanz halten. So tanze, laufe ich mit ihm rückwärts. Wie von einem inneren Wind angeschoben. Ein Flow! Ich schaue ihm in die Augen und spüre die Energie zwischen unseren Augen fließen; in beide Richtungen. Eine fast schon spürbare Verbindung. Ich halte ihn mit meinem Blick, laufe immer schneller rückwärts – es geht wie von allein, schneller und schneller! Freudentränen steigen auf und voller Seligkeit raune ich ihm zu: „Schnell wie der Wüstenwind! Schnell wie der Wüstenwind!“ Und wie ich es so sage, trägt uns dieser warme Wind immer weiter und weiter…

Notiz:
Welch ein Glücksgefühl…

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