Category: Wichtige Träume

Samsara de samsara

Traum:
Ganz unerwartet finde ich mich bei den Hüttendorfern wieder. Es ist viele Jahre her, dass wir uns getroffen haben. Da ist Angelina. Unsere Umarmung zur Begrüßung geht direkt in eine angeregte Unterhaltung über, die wie ein klarer Bergquell sprudelt. Dabei registriere ich wohl die ernste Grundstimmung, aber ohne dem Aufmerksamkeit zu geben. Während dieser Zeit bemerke ich Wolfram, der direkt hinter mir steht. Nun ist die Gelegenheit und ich drehe mich zu ihm um: „Na Wolfram, nun will ich auch Dich endlich begrüßen!“ Er steht so nah bei mir, dass mein Blick nur seinen schwarz-bunt melierten Pullover streift. Doch als er nun spricht, weiß ich, wer hier wirklich vor mir steht: Andrej, sein erwachsener Sohn. Dieser stellt sachlich klar: „Wolfram ist nicht mehr da. Er ist gestorben.“
Vielleicht ist es Andrejs ruhige und warme Stimme, die meine Betroffenheit noch verstärkt. Vielleicht auch die Tatsache, dass ich mich sogleich an Andrejs Schulter lehne….“Es tut mir so leid…“ spricht es mir aus tiefem Herzen. Eine ganze Weile lehne ich mich an. Es gibt mir Trost und Wärme. Für alle Anwesenden ist es offensichtlich okay, so wie es ist. Als ich mich von Andrej löse, krame ich in meinen Erinnerungen, ob ich irgendwann mal gehört hätte, dass Wolfram ernsthaft krank sei. Es wird mir nicht ganz klar, wenngleich ich mehr dahin tendiere, zu glauben, von einer Krankheit sei nie die Rede gewesen.

Ich gehe tiefer in den Raum hinein. Hin zu dem langen Tisch, an dem ich mich zu den anderen Gästen geselle. Auf dem Tisch ein guter Blechtopf mit Suppe. Ich stehe auf, beuge mich über den Topf mit der leicht gebundenen Wasser-Milch-Suppe mit Maiskörnern. Viel ist nicht mehr da. Mit der Kelle schöpfe ich vom Grund des Topfes. Unter den Blicken der Alten vom Karussell. Nachdem ich mir von der Suppe genommen habe, stehe ich auf, gehe kurz in die Küche und kehre zurück. Wieder beuge ich mich über den Suppentopf. Dieses Mal fische ich mit meiner Gabel darin herum. Dadurch verflüssigt sich die Suppe und das Milcheiweiß gerinnt unappetitlich. Uuuh, wie unangenehm… vermutlich war noch Speichel an der Gabel, der die Bindung zersetzte… Das ist peinlich, denn das ist mir ja nicht neu, dass so etwas passieren kann. Überhaupt zeugt es nicht gerade von Benimm, mit dem eigenen Eßbesteck im Suppentopf herumzurühren. Vor allem wegen der Alten ist mir das unangenehm, denn sie hat die Suppe gekocht! Damit sie nicht bemerkt, dass ich die Suppe verdorben habe, greife ich schnell die Suppenkelle und tauche sie in die Tasse (Serie „Wildrose“) mit der restlichen Suppe. Die Alte hat es bestimmt mitbekommen. Ich wage gar nicht, ihr direkt ins Gesicht zu schauen. Kurz wundere ich mich darüber, dass ich den Schöpflöffel in die Suppentasse tauche und nicht in den Topf. Wundere mich auch darüber, dass der gesamte Suppentasseninhalt von der Kelle erfasst wird.

Zu meiner linken Seite eine Bewegung… Bridgets Mann geht hinter uns vorbei. Er humpelt, braucht einen Gehstock. Was ist bloß los hier? Wolfram ist gestorben, obwohl er kaum älter als Mitte Fünfzig war. Und Bridgets Mann, der noch keine vierzig Jahre alt ist, scheint auch ernsthaft krank zu sein. Ich glaube, in der Zwischenzeit sind einige der Verwandten gestorben. Wie kann das sein? Mit einem Male wird es mir klar: Es ist die Zivilisation, die uns krank macht. Ich fühle mich höchst alarmiert! Ich muss umdenken und mein Verhalten ändern – sofort!

Ich durchquere den Raum und trete in den Hausflur. Vor einer offenen Kammer hocken Angelina und Margaux. Was genau sie tun, ist nicht zu erkennen. Doch was mir ins Auge fällt: Angelinas Handrücken zeigt ausgeprägte Adern. Sie trägt einen Goldring mit einer kleinen Perle – hübsch unauffälliges Schmuckstück. Ihre Hände sind schmal, zartgliederig. Womöglich hat sie abgenommen, wodurch ihre Hände ganz deutlich ihr fortgeschrittenes Alter verraten. Margaux hüpft unternehmungslustig hin und her. Sie trägt ein gehäkeltes weißes Käppchen auf dem Kopf und trägt eine schwarze Hose und ein royalblaues Shirt aus figurumschmeichelndem Feinjersey. Sie wirkt viel jugendlicher als früher. Ich vermute, sie hat einen Lover.

Okay, ich habe das Gefühl, noch etwas tun zu müssen. Kehre zurück an den langen Esstisch und beginne, das Geschirr abzuräumen. Sogleich springt der Liebende mit Schamanenhut hinzu und hilft mir dabei, das Geschirr einzusortieren. Einige Schritte vom Tisch entfernt befindet sich die Außenwand eines Gartenschuppens, an der einige Holzbretter auf Tragbügeln gelagert werden und somit quasi ein Regal bilden. Hier stellen wir all das gebrauchte Geschirr für den Abwasch bereit. Teilweise türmt es sich ganz schön, aber das sorgt mich nicht. Moina springt herbei und bittet um etwas, das ich aus Unkenntnis nicht benennen kann. Der Liebende zaubert umgehend eine Rolle mit Jeansstoff herbei, und entwickelt diese. Er will ein ausreichendes Stück abreißen, aber ich greife mit der Schere ein. „Es gibt ein saubereres, ordentlicheres Ergebnis, wenn ich es mit der Schere abschneide.“ Der Liebende hält es anfangs für unnötig, lässt es dann aber doch willig geschehen. Während ich schneide, sehe ich deutlich, dass bereits einige Stückchen aus dem Stoff geschnitten wurden. Damit verspüre ich ein wenig den Drang, für einen ordentlichen Abschluss sorgen zu wollen. Nur scheint mir jetzt nicht die passende Gelegenheit dafür.

Auch wenn ich es nicht benennen kann, so steht mein weiterer Weg in engem Zusammenhang mit dem Liebenden. Möglich, dass er mich geschickt hat oder dass er mir geraten hat, etwas zu tun. Wie auch immer: ich habe die Stiege erreicht, die ganz abgelegen wie in einer Vergangenheit liegt. Ganz still ist es hier, ganz ruhig, ja irgendwie sogar wie stillstehend… Der Staub ist von Sonne warm, ebenso die Leiter, die senkrecht in einen tief unten liegenden Raum führt, zu dem ich lange nicht mehr hinabstieg… Auf halbem Wege liegt eine stattliche, völlig ausgedörrte Maus auf der Sprosse. Sie lässt mich innehalten, stocken… – es ist unangenehm, mit ihr konfrontiert zu werden. Aber es hilft nichts, ich muss an ihr vorbei, wenn ich weiterkommen will. Und ich will weiterkommen. Sie erinnert mich auf unbeschreibliche Weise daran, dass es da noch etwas in Ordnung zu bringen gibt. Etwas, das ich in die Vergessenheit geschoben hatte.

Es ist ein gutes Gefühl, als ich an der vertrockneten Maus vorbei und am unteren Grund angekommen bin. Ich verlasse den Kellerraum wie durch den längst nicht mehr vorhandenen Schuppen im Garten der Älteren. Ganz hell und still ist die Nacht… Mit lautlosen Schritten, wie schwebend fast, gehe ich am Apfelbaum vorbei und bemerke die Pfützen klaren Wassers an seinem Fuße. Mit langsamen Schritten gehe ich weiter, ganz leicht irgendwie… und fast im nächsten Moment erreiche ich mein Ziel: den Kompost. Dort eine Erscheinung, wie eine Projektion: Simone, Rückenansicht. Sie trägt einen bemerkenswert kleinen braunen Lederrucksack. Eine eindringliche Stimme lässt wissen:
„Samsara de samsara“

Notiz:
Vor dem Einschlafen CD 1 von LSD meets NLP gehört. Ähm, ich meinte natürlich umgekehrt: NLP meets LSD.

Rhabarber und Blutbad

Traum:
In der Praxis meiner Frauenärztin. Nach der Untersuchung und dem anschließenden Gespräch sind Moina und ich im Begriff, uns zu verabschieden. Die Ärztin reicht mir eine Überweisung und erklärt bedauernd: „Ich kann Ihnen nur diese Überweisung geben, mehr wird von der Kasse nicht gezahlt. Alle weiteren Schritte müssen sie ganz allein unternehmen.“ Okay, das werde ich tun. Das ist mir die Klarheit wert, die ich hoffentlich erlangen werde. Die Ärztin lächelt mir ermunternd zu.
Während wir den ersten Schritt machen, drückt Moina auf eine Tube, die sie vom Schreibtisch der Ärztin nahm. Eine Klacks goldgelbes Öl spritzt hervor und landet auf einem Formular, das auf einem kleinen Servierwagen direkt vor dem Schreibtisch liegt. Schnell nehme ich das Öl mit dem Finger auf, um größeren Schaden zu vermeiden und entschuldige mich bei der Ärztin. Sie winkt ab, das sei doch nicht so schlimm – kein Problem!

Ich liege unter einer weißen Bettdecke auf einem Weg am Rande eines Stadtparks. Vermutlich war ich irgendwann in der Nacht vor lauter Erschöpfung zusammengebrochen und eingeschlafen. Es ist ein trüber, feuchter Morgen und ich mag kaum unter der Decke hervorkommen. Eine Frau joggt vorbei. Ihr einzigstes Kleidungsstück ist ein String. Warum sie wohl fast nackt joggt; es ist ja ziemlich kühl. Da rennt eine zweite Läuferin vorbei; sie ist völlig nackt. Mit einem Male ist mir klar, warum sie nackt joggen. Es ist ihnen ein Bedürfnis, sich nicht mehr bedeckt zu halten. Das Joggen hat den Vorteil, nie für lange Zeit Anschauungsobjekt für eine einzelne Person sein. Der Moment ist schnell vorüber, und sie leben gleichzeitig ihr Bedürfnis aus.

Ich stehe langsam auf, schäle mich aus der schützenden Decke und gehe (nackt?) ohne diese los. Nach wenigen Schritten bemerke ich das Fehlen meiner Handtasche. Ich gehe zurück zur Bettdecke. Einige junge Menschen sitzen auf einem gemauerten Winkel aus grauem Stein. In diesen Winkel geschmiegt liegt das Federbett. Auf der Mauer, ein wenig von der Decke verborgen, finde ich meine Handtasche, nehme sie und gehe wieder los. Sie stand dort offen. Ein leiser Schreck… jemand hätte völlig unbemerkt reingreifen können. Wo ist mein Portemonnaie? Ich krame und finde es. Dabei entdecke ich ein zweites Portemonnaie aus schwarzem, an den Ecken abgestoßenem Leder. Au wei, das ist gar nicht meines! Kurz der Impuls, nochmals umzukehren, um es zurückzubringen. Aber ich will nicht umkehren, zumal ich nicht weiß, wer der Besitzer ist. Ich werde es zur Polizei bringen; die können dann den rechtmäßigen Besitzer ermitteln.

Ich erreiche die Landzunge, vielleicht auch eine schmale Halbinsel, die sich weiter vorne wieder mit dem Festland verbindet. Hier war ich bereits öfter. Bisher wählte ich immer den rechten, den parallel zum Festland liegenden Weg. Dort gab es nur wenig Ausblick. Nun bemerke ich einige Leute auf dem linken Weg. Sie schauen interessiert über das Brückengeländer, das den Weg zur linken Seite säumt. Was es dort wohl zu sehen gibt? Ob es mir erlaubt ist, den Weg zu gehen? Oder steht dieser Weg nur einigen erlesenen Menschen offen? Es führt jedenfalls kein direkter Weg dorthin. Also mache ich einen großen Schritt über das große Rasenstück hinweg – dessen Grundriss wie ein großes Schiff geformt ist – das zwischen den beiden Wegen liegt. Nun kann auch ich nach links über das Geländer schauen… welch eine Freude dieser Ausblick ist! So weit! Das Meer und Schiffe! Ich genieße die Weite, die Freude – es ist wie ein Urlaubstag!

Dieser Weg nun führt mich durch einige Räume hindurch, die hintereinander liegen. In jedem ist ein Wochenmarktstand. In jedem Raum gibt es Rhabarber – allerdings wird immer nur gekochter Rhabarber, portioniert in zugedeckelten Feinkostschälchen, angeboten. Ich hätte aber viel lieber frischen Rhabarber, denn ich möchte ihn selbst zubereiten. Nach einigen Räumen gelange ich in eine winzige Großmutterküche. Das alte Mütterlein sitzt am Boden und kocht und kocht. Alle Schrankflächen und sogar der ganze Fußboden steht voller offener Schälchen mit Rhabarber- oder Apfelmus. Es ist so warm hier in der Küche und es duftet so süß und fruchtig! Doch dennoch möchte ich frischen Rhabarber, nichts Gekochtes und gehe weiter. Es ist nicht einfach, sich einen Weg durch die kleine Küche zu bahnen, da es kaum einen Platz gibt, wo ich den Fuß hinsetzen könnte. Im letzten Raum schließlich, der sich zur hinteren Hälfte zum Freien öffnet, sehe ich ein kleines Feld. Von einem kleinen Getreidefeld mit reifen Ähren, von Sonnen- und Herbstblumen gesäumt, entdecke ich ein kleines Karree mit Rhabarber. Die roten Stängel (ohne Grün) staken im Feld. Oh toll, frischer Rhabarber. Schnell an den Tresen! Ich will mir den Rhabarber gleich reservieren lassen, damit mir niemand zuvor kommt. Es ist ja nur noch eine Portion da.

Im Kinderzimmer meiner Kindheit. Es liegt ganz verlassen. Moina sitzt mir gegenüber. Ich halte eine längliche Blechdose in den Händen. Diese ist mintgrün und sehr plastisch geprägt. Darin liegen ein paar Selbstgedrehte. Der Tabak in dem weißen Papier ist ganz schwarz. Einige Zigaretten sind sehr dünn gedreht, andere wieder besonders dick. Moina gefällt die Dose mit den Zigaretten so sehr, dass sie unbedingt eine der Zigaretten haben möchte. Natürlich bin ich damit nicht einverstanden, aber sie quengelt derart nachdrücklich, dass ich in Versuchung gerate. Ob ich ihr doch eine Zigarette geben sollte? Ich schwanke… eine dünne oder doch lieber eine dicke Zigarette? Aber nee, das ist ja Wahnsinn! Sie würde sie rauchen. Naja, vielleicht auch kauen, aber das wäre genauso giftig. Allein die Vorstellung… brrrrhh! Dann habe ich die Lösung: Mit einem Griff nehme ich alle Zigaretten heraus und überreiche Moina die leere Dose. Sie freut sich sehr, denn von Beginn an war sie ja nur an der Dose interessiert. Sonderbar, dass ich nicht gleich darauf gekommen bin.

Ich bin lange Zeit unterwegs und erreiche dann eine alte Moorkate. Es ist wie in einer Vergangenheit. Alles aus Holz, sehr einfach, keine Elektrogeräte und so fort. Das alte Mütterlein werkelt in der Küche. Aus einem anderen Raum höre ich den Jungen rufen und klagen. Das Mütterlein ruft dem Mann im Haus zu, er solle sich doch um seinen Jungen kümmern! Der Junge kann nicht kacken; ein paar Schläge auf das Hinterteil wären da sicher förderlich! Der Mann eilt herbei. Inzwischen habe auch ich den Raum erreicht, in dem der Junge auf dem Plumpsklo sitzt. Ich höre auch schon Schläge auf nacktem Fleisch. Was ich dann aber sehe, ist einfach nur widerlich. Er betrügt das alte Mütterlein! Er lässt sie im Glauben – man hört es ja klatschen – er gäbe dem Jungen die notwendigen Klapse. In Wirklichkeit steht er aber hinter ihm an einer Vorrichtung: Eine Viehwanne aus Blech, voller Wasser und Blut. Ein hoher Rahmen aus biegsamen Holzstreben steht im Blutbad, einige Stücke Lammfleisch wurden eingespannt.. Der Mann schlägt mit voller Kraft auf das Fleisch ein; hört gar nicht mehr auf. Es darf ja ruhig mürbe werden. Vom Fleisch tropft das Blut, mit salzigem Wasser vermischt in die Wanne zurück. Der Junge auf dem Klo schreit, der Vater hilft ihm nicht!

Meine Chefin und ich erinnern uns gemeinsam des Traumes. Sie sagt: „Der Traum endete dann ja so, dass mit dem Jungen ein Baiser geteilt wurde!“ Baiser? Ich sah doch anderes?!? Es macht aber keinen Sinn, ihr das zu sagen. Wenn sie es so sah – Baiser!! – dann wird sie mir nicht glauben. Ich schweige.

Notizen:
Gestern Barbara, heute Rhabarber – das ist barbarisch!
Rhabarber gab es tatsächlich am Elternhaus. Die Viehwanne gab es bei meinen Großeltern, darin badete ich.

Zur Schlußszene fiel mir sofort „Das Schweigen der Lämmer“ ein.
Zitat aus dem Film – Agentin Starling zu Doktor Lecter:
Sie sehen eine Menge. Aber sind Sie auch stark genug um diese enorme Beobachtungsgabe bei sich selbst anzuwenden? Wie stehts damit? Wieso betrachten Sie sich nicht selbst und schreiben auf, was Sie erkennen? Vielleicht fürchten Sie sich vor sich.

Das Lammfleisch erinnert mich an den gestrigen Traum mit meiner Nachbarin, die mich real wegen der Schafe angesprochen hatte. Die Nachbarin wiederum erinnert, im Zusammenhang mit dem Traum von gestern, an meine Großmutter, die sich an einem 23. Dezember erhängte. Nach dem Traum mit den Steinen bekam ich heftige Schmerzen im gesamten Schulterbereich. Mir war und ist, als fiele mir der Kopf ab, alles verhärtet. Gestern Abend überlegte ich, ein Schmerzmittel zu nehmen, entschied mich aber dafür, noch eine Nacht zu warten. Falls mir der Traum etwas über den Schmerz erzählen möchte, wäre es vielleicht besser, den körperlichen Schmerz erst einmal nicht zu unterdrücken. Bin ich eine Barbarin? Jedenfalls fühlt sich mein Rücken inzwischen tatsächlich an, als sei versucht worden, ihn mürbe zu schlagen.

Seit den letzten Träumen fühle ich mich ziemlich durcheinander. Ich verstehe meine Welt nicht mehr.

Zum Joggen kam mir ein Gedanke, den ich hier extra notiert habe.

Verwandte Träume:
Swarovski Salbe
Intelligente Swarovski Salbe
Lange Leitungen
Türen
Blutender Sohn und sonderbare Großmutter
Vergangenheit und Wirklichkeit

Didge-Workshop und archäologisches Museum

Traum:
Wir – das sind, mit mir, zehn Teilnehmer – sitzen in dem gemütlichen Tagungsraum eines kleineren Hotels. Ein einstündiger Workshop liegt hinter uns. Mir ist noch ganz warm und ich komme langsam aus einer Art der inneren Vertiefung hoch. Ich hatte mich voll und ganz dem Üben hingegeben. Alle halten noch ihre Didgeridoos in den Händen. Jedes Didgeridoo schaut anders aus. Meines hat eine sehr geschwungene Pfeifenform, ist aus dunklem Holz und weist einige großflächige Schnitzereien – sanfte Bogenschwünge, ineinander verlaufend – auf. Ich weiß, dass es sich bei diesen Schnitzereien um Symbole handelt, die bereits seit Urzeiten von den Großvätern an ihre Enkel überliefert werden.

Die Übungsstunde selbst war, rückblickend, nur wenig zufriedenstellend für mich. Ich hatte Mühe mit der Atemtechnik, und damit, meine Lippen richtig zu bewegen. Zudem gelang es mir oft nicht, genau die richtige Luftmenge in das Instrument zu blasen. Zwar konnte ich immer wieder mal typische Didgetöne erzeugen, erlebte es aber als anstrengend und war ziemlich angespannt. Es war nichts Fließendes und deshalb spüre ich nun diese Unzufriedenheit. Wobei mir klar ist, dass es Geduld und Übung braucht – es war ja auch die erste Stunde und da darf ich nicht zu viel erwarten.

Unser Lehrer Ismael – ein sehr schlanker hochgewachsener Dunkelhäutiger – „Bohnenstange“ – mit unzähligen langen Zöpfen, an dessen Enden bunte Kugeln eingeflochten sind – beendet die Stunde mit seinem professionellen Spiel. Es ist so wunderbar, so wunderschön! Die Klänge, sie machen mich gelöst. Wieder verspüre ich unbändige Lust, ebenso zu spielen! Einige der Teilnehmer fühlen sich so inspiriert, dass sie bereits wieder mitspielen, obwohl das so nicht sein sollte! Auch ich gebe inzwischen dem Drang nach, bin sehr auf mein Didgeridoo konzentriert.

Wieder habe ich die Pfeife in Großaufnahme vor Augen, sehe den bauchigen Schwung und die Verzierungen im Holz. Die Pfeife mündet in einen Klangkörper, der von der Form her an eine viereckige, oben und unten offene, Laterne erinnert. Eine Laterne, deren Seitenteile mit geschorenem Ziegenfell bespannt sind. Mittig auf jedem Seitenteil ist ein kleines flauschiges Fellstückchen als Verzierung aufgebracht. An meinen Lippen spüre ich den trockenen hartfaserigen Ton-Halm – vermutlich getrocknetes Zitronengras – der sich am unteren Ende etwas zerfasert zeigt. Der Halm reicht bis ins Innere der Laterne. Mit den Lippen blase ich den Halm an, währenddessen darum bemüht, mit dem unteren Ende ganz sachte die gespannte Haut des Klangkörpers zu berühren. Es darf lediglich der Hauch einer Berührung sein, nur dann entsteht der ersehnte Ton! Ein Zuviel oder Zuwenig führt zu einem tonlosen Ergebnis. Ebenso ist es am Mundstück: eine leichte, fast flatternde Berührung mit genau der richtigen Luftmenge und abgestimmten Druck führen zu Erfolg. Ein paar Mal brachte ich volle Töne zustande. Momente, da ich mich regelrecht erlöst fühlte! Leider nur kurz, und dann scheint es gar nicht mehr gelingen zu wollen. Es ist frustrierend. Aber naja, der Unterricht ist ja eh schon vorbei. Und überhaupt… wie reagiert eigentlich unser Lehrer darauf, dass wir uns unaufgefordert in sein professionelles Spiel einmischen? Er spielt weiter, aber ich sehe seine Augen hell aufblitzen und er schickt uns ein ermunterndes Lächeln mit strahlend weißen Zähnen. Er wirft ein „Das ist schön!“ in unsere Runde; mit dem er sagen will, dass es schön ist, dass unsere Freude uns vergessen macht, was erlaubt und was nicht erlaubt ist. So soll es sein!

Irgendwann findet die Zusammenkunft für heute ein Ende. Als ich den Kreis verlasse, treffe ich auf die Hotelinhaberin. Ihrem Aussehen nach, ist sie eine mexikanische Indianerin – rundliche Figur, in sich ruhend, gutmütiges Wesen, natürliche Schönheit. Ihr Lächeln ist einladend, aber dennoch höflich distanziert. Sie spürt, dass ich eine Frage habe und wartet mir zugewandt ab. Ja, die Musik war so wundervoll und: „Gibt es eine CD – von diesem Künstler (Lehrer) oder von einem anderen Didgeridoo-Spiel – bei Ihnen zu kaufen?“ Sie schweigt, lächelt sanftmütig und bleibt mit mir in Blickkontakt. Einen Moment versenke ich mich in ihrem Gesicht und verstehe dann, was sie mir ohne Worte mitteilen möchte: Sie verkauft diese CDs, aber üblicherweise nicht zu dieser Stunde. Es ist Vormittag, und sie muss das Frühstück für ihre Gäste herrichten. Wenn ich es aber ausdrücklich wünsche, sofort eine CD zu erwerben, dann nähme sie sich selbstverständlich die Zeit, und sie würde das mit gleichbleibender Freundlichkeit tun. Sie vertraut dem Augenblick. Wenn jemand nachdrücklich etwas möchte, wird die andere Arbeit solange warten dürfen.

„Oh nein“, sage ich „bitte bereiten Sie das Frühstück! Die CD kann wirklich warten, bis ich wiederkomme!“ Mich berührt ihre Gelassenheit und gleichbleibend herzliche Freundlichkeit.

Ich trete hinaus in den Vorraum. Der Vorraum verbindet den Hotelbereich mit einem archäologischen Museum. Das Bemerkenswerte an dem Vorraum ist, dass er rund gestaltet wurde, was durch die entsprechende Pflasterung aus Natursteinen noch hervorgehoben wird. Dieser Verbindungsraum hat ein kuppelförmiges Dach, durch das viel Tageslicht ins Rund fällt. Die Eingangstür, vor allem der große Türgriff aus Holz, gleicht jener aus dem Kaffee Verrückt. Eine Handvoll Leute treten in das archäologische Museum ein. Ich sehe gerade noch Ismael hineingehen; er ist der letzte der heutigen Gruppe. Zu gerne würde ich ihnen folgen!! Ich weiß nämlich, dass es dort in ein unterirdisches Gewölbe geht. Die archäologischen Funde wurden direkt am Ort belassen! Mit dem Betreten des Gewölbes betritt man Heiligtümer. Während ich mich daran erinnere, spüre ich Ehrfurcht und Demut aufsteigen. Da es etwas Besonderes ist, dürfen maximal zehn Besucher hineingehen. Der Eintritt ist auch nur in Begleitung eines verständigen Führers erlaubt. Etwas Geduld nur noch. Ich bin ja schon für den Besuch angemeldet – in den nächsten Tagen – und freue mich sehr auf diesen feierlichen Moment.

Notizen:
Vor dem Einschlafen mit Mike über das Singen von Mantras gesprochen. Er äußerte Bedenken wegen der starken Wirkung und war etwas in Sorge um mich. Ich teilte seine Bedenken nicht. Im Gegenteil hatte ich es während der Phase, da ich häufig Mantras sang, als heilsam erfahren. Da ich aber die Bedenken nicht in den Wind schlagen mochte, nahm ich dieses Thema mit in den Schlaf.

Was sagt der Traum zum Chanten? Hm?

Die Schnitzereien erinnern mich an einen „Großvaterstuhl“ (Erbstück), den ich vor Jahren an einen Antiquitätenhändler verkaufte. Der in der Lehne eingeschnitzte Männerkopf trug eine Pfeife im Mund, die von der Form her an mein Didgeridoo erinnert.

Gestern gab es eine Begegnung mit einer Frau, die wie eine mexikanische Indianerin aussah. Ihr Lächeln und ihre kraftvolle und dennoch sanftmütige Stimme haben mich sehr angesprochen.

Als Bohnenstange beschrieb ich Ismael, und musste sofort an die mexikanische Springbohne von gestern denken. Was dann ja auch zu der CD passt – gestern wie heute.

Zitronengras verwendete ich in der getrockneten Variante mal zum Räuchern(?).

Der Verbindungsraum zwischen archäologischem Museum und Hotelbereich erinnert an den Eingangsbereich im Kaffee Worpswede. Die Glaskuppel erinnert an den Erdhügel-Raum, in dem der Trommelkurs stattfindet.
Die Glaskuppel lässt mich dann auch an mein eigenes Dachstübchen denken. Als ich an diesem Morgen aufwachte, da spürte ich es wieder: das warme Wirbeln am Scheitelpunkt. Vor wenigen Jahren verspürte ich dort Intensiveres; ein Strömen, eine Öffnung. Heute wurde mir bewusst, was im Moment anders ist als damals: es ist das Gefühl, als sei eine Art Jungfernhäutchen über diese Öffnung gewachsen, weshalb es nur wirbelt, aber nicht mehr strömt. Trotzdem schön.

Meine Füße, wie tief in der Erde!
Meine Flügel, wie hoch oben im Himmel!
Und welcher Schmerz
in meinem zerrissenen Herzen!

Von Juan Ramon Jiménez
Entdeckt auf Deutsche Liebeslyrik.de

Links:

Orientalische und europäische Liebeslyrik
Didgeridoo Spielanleitung

Verwandte Träume:
Endlich!
Sonderbare Besprechung
Massai
Erdnussmühle

« Vorherige SeiteNächste Seite »