Category: Wichtige Träume

Der goldene Tiger

[...] Vier ältere Herrschaften – zwei Männer, zwei Frauen – sitzen an einem runden Tisch, der in einer Nische steht. Sie sitzen an einem Halbrund des Tisches, mit dem Rücken zu einem Sprossenfenster, das helles Tageslicht in den Raum lässt. Bis zu diesem Augenblick stand ich mit dem Rücken dorthin. Aus irgendeinem Grund drehe ich mich nun um. Die Senioren haben die Speisekarte studiert und sind bereit zum Bestellen. Na, das nehme ich doch mal in Angriff, obwohl ich hier nicht angestellt bin, denn ich spüre Lust auf Aktivitäten. Gut gelaunt wende ich mich den Gästen zu. Vergnügt äußern diese ihren Wunsch – bewegen die Münder, ohne dass ein Laut hörbar wäre. Doch das bemerkt niemand, denn ihre Bestellungen finden bildhafte Vorstellung: wie von unsichtbarer Hand werden Teller über den Tisch gehalten, die das gewünschte Gericht servieren. Aha, alle wollen Kartoffelklöße, Eisbein und Weinsauerkraut. Von den Tellern dampft und duftet es köstlich (obwohl ich kein Eisbein mag). „Okay“ bestätige ich „mal sehen, was sich machen lässt!“

Die Essensausgabe liegt nur wenige Schritte entfernt. Ein Glastresen, dahinter eine Bain-Marie, die appetitlich anzuschauende Speisen warm hält. Es dampft und riecht köstlich. Hinter dem Tresen und den Speisen steht ein äußerst sympathisch wirkender schlanker Mann von etwa 40 Jahren. Er trägt einen Liftboy-Anzug, bestehend aus schwarzer Hose, rotem Jackett und rotem Käppi. Ich gebe die Bestellung der Senioren an ihn weiter. Daraufhin gleitet er in einem Spagat zu Boden und entledigt sich gleichzeitig seiner Uniform und Wäsche, ohne daraufhin nackt zu wirken. Total elegant und hingabevoll. Mit verhaltener Stimme äußere ich meine Begeisterung über seine spontane Reaktion: „Wow… wie Sie das machen! Wow! Wow!!“ Er lächelt mir zu und ich spüre unsere Verbundenheit und tiefe Zuneigung. Wir machen uns gemeinsam auf den Weg, um das Essen für die Senioren zu besorgen.

Im Dunkel der Nacht.

Ein weiträumiges Gelände in bäuerlich anmutendem Umfeld. Einige große Fachwerkgebäude. Wenige Schritte weiter links geht der Mann mit dem Tiger. Soweit ich das im Dunkel erkennen kann, hat er den Tiger an die Leine genommen. Das hoffe ich, denn ich fürchte den Tiger wie einen großen Hund. Nach wenigen Metern erreichen wir ein hohes offenes Scheunentor, das in ein Wirtschaftsgebäude führt. Der Mann lässt den Tiger von der Leine – ich hoffe, er hat ihn weiterhin unter Kontrolle.

Im Wirtschaftsgebäude. Der Raum reicht bis unter den Dachfirst. Allein zwei Stützbalken richten den Raum ein. Nach oben hin einige Dachbalken. Gleich werde ich diesem Raum den Rücken kehren; hoffe auch, die Türe hinter mir schließen zu können, um vor einem überraschenden Angriff seitens des Tigers sicher zu sein. Ich schaue mich um. Die Türen schließen sich nicht, bleiben weit offen stehen! In diesem Moment macht der goldene Tiger – sein Fell schimmert golden – einen kraftvollen Sprung, der ihn auf einen Dachbalken in drei Metern Höhe bringt. Ganz sicher und geschmeidig steht er dort oben und blickt still auf mich herab. Welch ein wunderbares Tier… Für Furcht bleibt wenig Zeit, denn bereits im nächsten Augenblick setzt der Tiger zum Sprung an. Ich vergewissere mich noch schnell, ob mein Tiger aus Gold, eine leblose Gestalt, den ich an der Leine führe – er hat die Größe eines mittelgroßes Hundes – derart vor mir steht, dass meine Schienbeine geschützt sind. Tatsächlich landet der goldene Tiger so, dass meine Goldtigerfigur genau zwischen seiner Schnauze und meinen Beinen steht. Was wohl geschehen wäre, hätte mich mein Goldtiger nicht geschützt? Ob der goldene Tiger mich gebissen hätte?

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