Category: Illustrierte Träume

Ein Teeblatt

Vom Traum der Nacht blieb einzig die Erinnerung an ein Bild. Ein Teeblatt: anstelle eines Teebeutels eine Bildkarte am Faden. Gut geeignet zum Eintauchen in die Traumwelt.

Teeblatt am Faden

~ Traum vom 1. März 2012 ~

Die Excellencien

 Excellencien

Im Freien. Immer wieder vor dieser Tafel stehend und das Bild – im Traum erkenne ich nicht, dass es einen Ausschnitt des mit Pastellkreide gemalten Traumbildes „Lichtgestalten“ zeigt. Das ist die Basis, und sei es die Basis dieses Traumes.
Aber eben, es geht vor allem darum:
Die Excellencien einzeln in ihrer Bauart betrachten – nicht nur ihre astrologischen Würden wie Pastellkreidezeichnungen, deren deren Pigmente auf dem Papier beim leisesten Abrieb so viel Vergänglichkeit zeitigen. Feine Fäden, wie von Teebeuteln hängen mit losen Enden von den lustig verhalten bunten Laschen herab: Seelenfäden, sichtlich bewegt im Hauch des Lebens. Bilder der Excellencien entstehen und vergehen.

~ Traum vom 29. Februar 2012 ~

Lichtgestalten

 

Link:
Lichtgestalten – Traum vom 30. Juli 1998

Jackenlast und Polaroidrock

Polaroidrock

Für viele Stunden während der Nacht werkelte ich an den Fisch-denk-mal Karten herum. Diese sind sämtlich in Sepia-Milchweiß gehalten; vielleicht hatte die Arbeit daran auch wegen dieser Farben etwas Unaufgeregtes.

Anschließend mit einem weiblichen Anteil, links von mir, auf dem Heimweg durch den Wald. Völlig unerwartet kreuzt eine Interviewerin – in Rosas Gestalt – unseren Weg. Sie schießt aus einem Gebäude hervor, hält uns das Mikro vor die Nase, mit der Aufforderung: „Beschreibe was du gesehen hast!“

Jetzt erkenne ich, beim Blick durch die offene Tür hinter ihrem Rücken, dass es sich um einen Ausstellungsraum handelt, wir also unsere Meinung zu den ausgestellten Bildern mitteilen sollen. Na, aber wie? Wir waren ja noch gar nicht dort?! Zu meiner großen Verblüffung antwortet mein weiblicher Anteil längst, erzählt fachmännisch, was ihr an Wichtigem zu den Bildern einfällt, zu den verwendeten Materialien, den Farben, dem Eindruck, der Wirkung, ob beabsichtigt oder auch nicht. Uff! Na, die weiß ja echt Bescheid?!

Inzwischen sehe ich klarer, vergewissere mich: tatsächlich, die Ausstellung findet in einem ausgebauten Dachboden statt. Ein Teil der isolierenden Matten am Dach bildet die Grundlage für einige Bilder. Ich finde das ja etwas sehr … verbunden mit dem Dach, eigentlich zu verbunden. Doch egal, denn eines ist total erfreulich: „Aaach … die Ausstellung ist ja auf dem Dachboden!“ Erleichtert rufe ich dem Tantchen zu: „Alles in Ordnung, dann kannst du also im Haus bleiben, sowohl Erdgeschoss und ersten Stock für dich nutzen.“ Ohne die Künstler zu stören. Tantchen tappt nackend über den Teppich und hinterlässt mit ihren Füßen violette Abdrücke auf dem wollweißen Teppich. Na klar, sie war zuvor durch Rote-Bete-Saft gelatscht. „Oh nein! Wasch dir doch vorher die Füße!“ tadele ich sie.

Nach dem Elternabend – Tagung des Gesamtelternbeirats – stellt sich heraus, dass die meisten Eltern ihre Winterjacken zurückgelassen haben. Der Mühlenbäcker ist im Begriff, diese zu den gefüllten Brotkörben in den Lieferwagen zu packen, um sie den Eltern zurückzubringen. Eine zusätzliche Last, die ich ihm gerne abnehmen möchte. „Lass mich die Jacken nehmen, ich gebe diese in den betreffenden Schulen im Sekretariat ab – man wird den Eltern Bescheid geben, dass sie ihre Jacken abholen. Doch stellt sich heraus: die Eltern kommen aus verschiedenen Schulen, die weit auseinander liegen: Schlussdorf, Schottland, Vegesack! Oje … während aus den Jacken der Geruch von frischer Landluft und alten Holzschränken in die Nase strömt, überlege ich die Verteilung und fühle mich überfordert. Wie mit dem Fahrrad nach Schlussdorf und nach Schottland kommen? Nein, ich will es doch lieber loslassen.

Szenenwechsel. Einige leicht aufgeregte Frauen im Landhaus; vielleicht beim Umziehen vor einer Aufführung. Zerknirscht erkläre ich denen, warum ich die Jacken nicht zu den Schulen brachte: „Ich habe kein Auto. Mit dem Fahrrad ein unmöglich zu bewerkstelligender Aufwand.“ Darauf zeigen sie Unverständnis, machen spitze Bemerkungen in gespielt nachsichtiger Tonlage. Ich fühle mich schlecht und überlege, womöglich wirklich zu träge zu sein.

Szenenwechsel. Auf meinem weiteren Weg begegnet mir der frühere Deutschlehrer. Auf allen Vieren krabbelt er vor dem Ehebett der Älteren herum und fegt alle Fisch-denk-mal Kärtchen – sie erinnern in dieser Vielzahl an ein Memory – unter dem Bett hervor und zusammen auf einen Punkt. Oh ja, eine gute Idee, mal alles zusammenzuführen. Ich mache mit und bemerke wiederholt, dass der Deutschlehrer wie zufällig meine Nähe sucht. Kaum zu glauben, waren wir uns doch damals nicht ganz grün! Tatsächlich hat es den Anschein, als wolle er mir bei Gelegenheit ein Küsschen geben. Das ist mir unangenehm und ich finde mich in leichter Alarmbereitschaft, die mich Distanz suchen lässt.

Ich richte mich wieder auf, die Jacken sind eine Last. Ich will sie rasch in die Abteilung nebenan bringen; in den Grundschulbereich. Zu diesem Zweck muss ich eine hohe zweibeinige Stehleiter überwinden. Mit den vielen dicken Winterjacken sind meine Arme voll beschäftigt und können mir kaum Halt geben. Mein knöchellanger Rock – er ist mit einem meiner Wortpolaroids bedruckt – behindert beim Aufsteigen. Doch ich steige hoch, obwohl die Sache ziemlich wackelig ist. Oben angekommen aber beginnt es derart zu schwanken, dass ich mich vielleicht doch nicht halten kann. „Mike! Halt doch bitte mal die Leiter fest!!“ Warum ist er nicht gleich zur Stelle? Während ich auf der klappernden Leiter schwanke, erinnere mich an den Sportunterricht in der Grundschule. Damals war ich an der Sprossenwand bis ganz nach oben geklettert, dann aber nicht mehr in der Lage gewesen, allein wieder runterzukommen. Eine fürchterliche Erfahrung, die mich zudem unbeliebt machte. Wenn der Deutschlehrer jetzt also sieht, dass ich mich heute in eine ähnliche Lage gebracht habe, obwohl ich es doch besser wissen müsste … Oje, er wird den Kopf schütteln und sich was denken. Diese blöden Jacken.

~ Traum vom 25. Februar 2012 ~

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