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Traum vom 17.06.2005
Über einen Flur eilend, gelange ich in meine kleine Küche der mir unbekannten Wohnung. Es wartet reichlich Hausarbeit auf mich. Moina schläft. Mein Zahnarzt kommt mit geschäftlichen Unterlagen – dabei geht es um einen Vertrag, vielleicht eine Versicherung – um diese Punkt für Punkt mit mir durchzugehen. Ich würde mich dazu gerne an den Küchentisch setzen, doch liegen darauf noch eine Menge Spaghetti herum, die Moina beim Essen daneben gingen.

Vorweg möchte ich kurz telefonieren, um mitzuteilen, dass ich wegen der Besprechung erst später kommen kann. Vermutlich habe ich versehentlich die Nummer meiner Eltern gewählt, denn ich höre unerwartet Stimmen, die sich anhören, als begänne gerade eine Geburtstagsfeier. Allerdings ist niemand direkt am Hörer. Auf mein lautes Hallo kommt auch keine Antwort. Im Hintergrund ist heiteres Stimmengewirr zu vernehmen. Das macht es unkompliziert, so kann ich ohne lange Erklärungen gleich wieder auflegen. „Ich komme gleich!“, rufe ich meinem Zahnarzt zu.

Dem Zahnarzt folgend, passieren wir die Küche – das Tageslicht dringt nur gedämpft hinein – und gelangen in einen großen Raum. Hier dürfte eine freier Tisch zu finden sein. Und hier ist es heller. Während ich an einem Tresen vorbeigehe, bemerke ich Beistelltische mit Kaffeebechern und Frühstückstellern. Das Ambiente lässt an eine skandinavisch ausgestattete Herberge denken. Anfangs halte ich diesen Raum für ein privates Esszimmer. Doch als ich drei oder vier Tische im Raum zähle, vermute ich doch eher eine Unterkunft für kleine Gruppen. Eine Gruppe ist hier untergekommen, nur nutzt sie diesen Raum momentan nicht – alles ist ruhig und friedlich.

Schließlich gelange ich in eine Kammer, die ich nun für einige Zeit nutzen darf. Ein Ferienzimmer, in dem ein altes Metallbett mit einem gusseisernen Gestänge für den Himmel – allerdings steht es ohne Himmelsstoff. Die obere Seite des Himmelsgestänges ist von vielen kleinen Lämpchen umgeben. Eine nette Idee! Mein Blick bleibt daran hängen und ich entdecke ein klitzekleines Lichtschalterchen. Hey toll, das Licht lässt sich auch tatsächlich einschalten! Einer weiblichen Person, die inzwischen an meiner Seite steht, mache ich den Vorschlag, einmal die Hauptbeleuchtung auszuschalten, um zu schauen, welche Wirkung es hat, wenn nur die kleinen Lämpchen leuchten. Gesagt getan. Die Beleuchtung ist recht angenehm, aber doch heller als ich vermutet hatte. An den kreuzartig angebrachten Querstreben hängt eine weitere Lichterkette. Diese ist etwas ganz Besonderes: es sind kleine Jadesteinchen mit kleinen Lämpchen im Innern! Der Schalter für die Jadelichter befindet sich auf der anderen Seite des Bettes. Auch diese Lichter schalte ich ein. Nach dem Löschen der übrigen Lichter dürfte es eine angenehm gedämpfte Ausleuchtung geben! Das möchte ich gerne ausprobieren! Und ich freue mich so sehr darauf, dieses Zimmer bald nutzen zu dürfen!

Die Läden dreier Fenster habe ich bereits geschlossen. Soweit das möglich ist. Denn die Fensterläden lassen das mittlere Drittel der Fenster offen. Das vierte Fenster gefällt mir ganz besonders… Es gewährt Ausblick auf das dunkle Grün alter Bäume und Büsche nahe der Hauswand. Es spendet angenehmen Schatten. Klarer Himmel, leise rauschender Wind, und in der Ferne sanft brandendes Meer. So schön!

Die Fassade des winkeligen Hauses ist aus grobkörnigem Putz. Ein sehr altes und gepflegtes Haus. Und so viel Freude in mir! Beim Schließen der Fensterläden ist deutlich das dunkelgrün lasierte, lamellenartig angebrachte Holz zu sehen. Die oberen Kanten zeigen sich geschwungen. Die Läden wurden sichtlich liebevoll gearbeitet. In mir ist Vorfreude auf den ersten Abend, die erste Nacht in dieser Kammer!

Zurück im Gemeinschaftsraum. Dieses Mal fällt mein Blick von anderer Seite auf die Frühstückstische. Mit der wiederholten Überlegung verbunden, dass es wirklich ein Gemeinschaftsraum ist. Immer noch die leise Unsicherheit, vielleicht doch in privaten Räumen gelandet zu sein.

Ein weiterer Raum. Fünf biedere, nüchterne Frauen meines Alters sitzen rund um einen Tisch. Bei ihnen die Nachlassverwalterin. Ich gehe an ihnen vorbei, um die Ecke und passiere ein Beistelltischchen mit Frühstücksgedecken. Die bunt quadratisch gemusterten Kaffeebecher fallen ins Auge.

Am Ende des Raumes steht eine Kommode aus dunklem Holz – aus Großmutterzeiten. Davor hockend, werfe ich einen Blick in die linke Seite hinein und bin erstaunt, wie tief und geräumig sich der Schrank im Innern zeigt. Oh, Franz Grillparzer nutzte diese Kommode! Die Materialien seines künstlerischen Schaffens liegen noch hier drin: einige Packen, mit postblauem Papier umwickelt, sauber gestapelt. Einen der Packen öffne ich, und ziehe ein Kärtchen heraus. Auf lichtgelbem Grund steht die Überschrift: „Farb-Tagebuch“. Das Kärtchen ist in Kästchen unterteilt, die farblich verschieden unterlegt sind. Rechts oben sehr helles Pastellgelb, nach links unten zu einem immer dunkleren Gelb verlaufend. Diese Kästchen füllte Herr Grillparzer täglich aus, wenn er seine Bilder schuf. Jeden Schritt, jede neu verwendete Farbe notierte er sorgfältig bei jedem seiner Arbeitsschritte. So lässt sich dies heute noch nachvollziehen. Selbst von darunter liegenden Farbschichten, die nicht mehr zu erkennen sind, zeugen sie. Und bleiben so dem Bewusstsein erhalten. In der Kommode liegt noch ein ganzer Stapel dieser blanko Farb-Tagebuch-Kärtchen. Da Franz Grillparzer nicht mehr lebt, könnte ich sie nun verwenden! Die Vorstellung begeistert und belebt mich geradezu. Eine wundervolle Vorstellung, anhand dieser Farb-Kärtchen den Verlauf meines täglichen Schaffens festzuhalten, macht mir Freude. Am liebsten würde ich sofort damit anfangen. Genug Basismaterial ist ja vorhanden. Eine tolle Grundlage – ich könnte ohne Umschweife anfangen!

Was wohl im rechten Bereich der Kommode liegt? Ich öffne die Tür… Theodor Fontane nutzte diese Hälfte, um seine Materialien aufzubewahren. Auch hier öffne ich einen der Stapel, die sorgfältig in Papier eingeschlagen sind. Rahmenlose Glasbilderhalter kommen zum Vorschein. Wie wunderbar! Hiermit hätte ich einen Ort gefunden, wo ich den Farb-Tagebüchern einen Platz zum Verwahren geben könnte. Die Kommode und deren Inhalt gehören zum Nachlass der beiden Dichter.

Jetzt nehme ich die biederen Frauen am Tisch auch bewusster wahr. Sie sind noch mit dem Aufteilen der Güter beschäftigt. Mit ernsten Gesichtern verteilen sie alles untereinander. Sie wirken gelassen – keine von ihnen macht einen gierigen oder habsüchtigen Eindruck. Im Stillen hoffe ich natürlich, dass es sich dabei nur um das Mobiliar handelt! Denn dann könnte ich den Inhalt der Kommode für mich behalten. Nur habe ich keinen Anspruch darauf – ich gehöre nicht zu den berechtigen Erben! Einzig der Umstand, freien Zugang und eine Aufenthaltsgenehmigung für diese Räume zu haben, gestattet mir, die Materialien ohne schlechtes Gewissen an mich nehmen zu können. Dies aber nur solange die Erbinnen keinen Anspruch darauf erheben.

Natürlich hoffe ich, dass die Frauen gar nichts vom Inneren der Kommode wissen! Das wäre eine gute Chance; und ich würde sie nicht darauf aufmerksam machen. Um nicht unnötig Aufmerksamkeit darauf zu ziehen, wende ich mich unauffällig ab. Spüre dabei sehr unangenehm die erwachte Gier in mir. Ich denke kurz darüber nach, gestatte mir die Gier in mir zu haben, aber mit dem Vorsatz verbunden, nicht aus dieser Gier heraus zu handeln. Mit einem Male fällt die Gier von mir ab, und ich kann gelassen abwarten, was letztlich übrig bleibt. Die Aufteilung neigt sich dem Ende zu. Ich verlasse den Raum vorübergehend – werde später, nachdem alles geregelt ist, hierher zurückkehren.

Traum vom 17.06.2005

Eine schmale Landzunge erstreckt sich parallel zur Küste. Es ist Abendstimmung, die Dämmerung wird im nächsten Moment eintreten… alles kommt zur Ruhe, Frieden kehrt ein. Die Menschen sind aus dem Meer gestiegen, während der Nacht sollte man dort nicht bleiben. Die dem Meer Entstiegenen stehen schweigend, mit versunkenem Blick über das Meer. Ein schlanker aufrechter Mann um die Fünfzig – intelligent und ernst wirkend, mit dunklem Anzug und hellem Oberhemd – möchte unbedingt noch ins Wasser, ehe es ganz dunkel wird. Die Zeit ist knapp, also geht er voll bekleidet hinein. Etwas später kommt er wieder heraus - wassertriefend, zufrieden und gelassen.

Während ich die Landzunge entlanggehe, bemerke ich links hinter mir seine Begleitung. Vor mir nun eine Gruppe lebhaft diskutierender Männern und Frauen. Gunther ist auch dabei. Mit einem Male sitze ich in einem kleinen Skooter. Es trudelt mich ziemlich herum in diesem Vehikel und ich gerate unter ein kreisendes Kettenkarussell. Es ist mit Kindern besetzt, und obwohl sie über mir kreisen, ist mein Körper ihren Beinen doch im Wege. Der Bereich unter dem Kettenkarussell übt eine gewisse Anziehungskraft aus, denn auch wenn mein Wägelchen ziemlich verrückt kreiselt - und ich überlasse es gelassen diesen Energien - so komme ich aus dem Bereich nicht hinaus, sondern gerate immer wieder hinein.

Es ist vorbei und ich blicke aufs Meer. Zu gerne würde ich ins Meer steigen, spüre eine solch ziehende Sehnsucht! Ein junger Mann - der umarmende Mann aus dem Traum mit der Hinterlassenschaft des Wassertrinkers - kommt von hinten wohlwollend auf mich zu und fragt mich, ob ich ins Wasser möchte. „Ja, gerne!“ antworte ich erfreut. Er sagt, er wolle mich noch schnell ins Meer bringen, bevor es dunkel wird. Schon sind wir im Wasser. Ich liege schwimmend auf seinem Rücken, wobei mein Bauch auf seinem Kopf lagert. Dabei spüre ich ihn nicht körperlich, sondern mehr als tragende Kraft. Wir gelangen schnell ins Meer hinaus.

Bald geht es rechts in eine Flussmündung. Wir schwimmen dort hinein und der junge Mann fordert mich auf, die Wasserskier anzulegen, die sich tiefer im Wasser befinden. Die tragende Kraft des Mannes lässt es zu, meine Füße unter die vorgesehen Riemen schieben, ohne dabei unterzugehen. Die Wasserskier bestehen aus durchsichtigem, orangerot getöntem, sehr biegsamem Kunststoff. Zwei schwarze Riemen sollen die Füße halten. Anfangs steige ich mit beiden Füßen in einen Riemen. Dann bemerke ich, dass es mehr Sinn macht, die Füße in Schrittstellung hintereinander in beide Riemen zu stecken, damit sich das flexible Material auf Spannung bringen kann. Und es muss auf Spannung sein, wenn es mich tragen soll.

Inzwischen sind wir immer weiter dem Flusslauf gefolgt und in einer wunderschönen, idyllischen Umgebung mit dörflichem Charakter gelandet. Hohe alte Bäume und dunkelgrüne Büsche säumen den naturbelassenen Uferrand. In der Ferne eine plätschernde alte Wassermühle. Die Sonne glänzt zwischen dem Blattwerk hindurch - es ist so schön!

Ein junger Mann liegt auf meinem Rücken - mit seinem Kopf im Bereich meiner Lendenwirbel. Er hat großen Bammel davor, in diesem Fluss Wasserski zu laufen. Das Wasser ist immer dunkler und undurchdringlicher geworden, und er befürchtet, wir könnten uns mit den Skiern in etwas verfangen. An diese Möglichkeit hatte ich noch gar nicht gedacht. Seine Überlegungen sind angebracht, aber so große Angst braucht man davor doch wirklich nicht zu haben, oder? Na, wie auch immer, es ist okay, dass er da ist. Ob es wirklich klug ist, hier Wasserski zu laufen? Da meint der tragende Mann unter mir, wir sollen doch noch abwarten - noch sei es nicht soweit!

Kurze Zeit später - nachdem wir ausgiebig betrachten konnten, durch welche Landschaft dieser Fluss geht - drehen wir um und machen uns auf den Rückweg zum Meer. Etwa hundert Meter vor der Stelle, wo der Fluss ins Meer mündet, zeigt sich der Fluss immer heller; so klar und himmelblau wie das Meer selbst. Zudem hat der Fluss hier spürbar Gefälle und es könnte nun schneller vorangehen. So ist es aber nicht! Die Spannkraft der Wasseroberfläche hält uns in vernünftiger Schwimmgeschwindigkeit.

Deutlich sichtbar der Übergang des dunklen zum hellen Wasser. Ich mache mich bereit, gleich auf die Skier zu steigen. Zwei Enten - eine Schwarzgefiederte mit weißen und eine Weißgefiederte mit schwarzen Flecken - schwimmen uns entgegen. Das passt wunderschön zum idyllischen Charakter des Flusses. Es geht nun ziemlich gefällig bergab - gleich werden wir das Meer erreichen. Die Furcht des Mannes auf meinem Rücken ist verstummt. Gleich geht’s los und ich bin gespannt, wie es sich anfühlt. Ich weiß, ich werde bis zu den Knien im Wasser eintauchen und so im Meer laufen.

Traum vom 16.06.2005

In einem halbdunklen Raum. Eine behinderte Frau – helle Haare, Sommersprossen, geschwollenes Gesicht – auf einem speziellen Rollstuhl gebettet – sie erinnert an Stephen Hawking. Mit Hilfe einer Injektionsnadel füllt sie Zitronensaft in Gelatinekapseln. Vier dieser Kapseln gibt sie in ein braunes Arzneigläschen. Dann steht sie auf, geht zu einem Tisch und eine weitere ältere Frau kommt hinzu. Beide beratschlagen sich, von welchen Perlensorte noch welche zu der Arzneimischung hinzugefügt werden sollen, die für mich bestimmt ist. Die Frau aus dem Rollstuhl nimmt dann etwas von den hellblauen Edelsteinkügelchen, und von den lindgrünen Edelsteinkügelchen, die an einer Seite ganz zarte goldene Blätter haben. Offenbar ist es gar nicht so einfach, die richtige Mischung zu finden.