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Traum vom 20. Oktober 2005

[...] den Kopf gedankenverloren gesenkt, die Augen fast geschlossen. Ich nehme kaum etwas in meiner Umgebung wahr. Mit einem Male sehe ich, dass sehr nah vor mir jemand vorübergeht. Ein Schatten zieht vor meinen Augenlidern vorbei. Es ist so, als würde es sich bewölken, denn wir haben Sonnenschein bei klarem Himmel. Ich öffne meine Augen etwas mehr, und sehe, dass es eine Frau ist, die vor mir vorübergeht. Mit halbem Blick bemerke ich, dass es da eigentlich etwas Bemerkenswertes zu sehen gibt. Falls ich mich nicht täusche, denn mein Blick ist ja nicht klar und gezielt. Es kostet etwas Überwindung, aber dann gelingt es mir, die Augen weit zu öffnen. Zusätzlich schaue ich durch ein Objektiv und… wow, das ist ja toll!! Die Schattenfrau vor mir zeigt sich vor einem Hintergrund von hellem Sand, eher trockenem Grün und wolkenfreiem Himmel. Ihr Körper aber ist mit sanft wogendem Meer und einem feuchten Himmel gefüllt. Beide Landschaften von wundervoller Schönheit. Ich rufe ihr ergriffen zu: “Du bist die Wolken und das Meer… das Wasser, so schön!” So etwas habe ich noch nie sehen können. Was für ein schöner Traum! Ich öffne die Augen, um noch klarer zu schauen, und dann sehe ich es ganz klar: die Konturen der Frau, mit dieser Landschaft als Inhalt. Rechts von mir ist Carla, und Angelique ist auch dort. Eigentlich würde ich ihnen gerne diesen Traum erzählen, aber mir wird nun bewusst, dass ich gar nicht träume, denn meine Augen sind weit geöffnet. Und das ist halt das Indiz dafür, dass ich nicht schlafe. Ach, das ist aber schade!

Traum vom 19. Oktober 2005

Ein sehr schlanker Mann – lässig gekleidet, Mitte 50, dunkelblondes Haar, positiver Gesichtsausdruck, frohgemut, ziemlich groß, angenehm – schemenhaft erkennbar. Ich halte mich in seinen Privaträumen auf, die gleichzeitig geschäftlich genutzt werden und willkommenen Gästen offen stehen. Der Mann sagt, dass ich die Möglichkeit habe, eine Arbeit zu bekommen, und dass gleich ein Mann käme, der sich einen ersten Eindruck von mir verschaffen wolle. Das kommt unerwartet, darauf bin ich nicht vorbereitet. Ich laufe noch halbnackt herum, sollte mich nun korrekt kleiden. Was da wohl auf mich zukommt? Ich stehe vor dem Kleiderschrank in einem weiten Schlafraum, habe die rechte Tür geöffnet und mein Blick geht suchend die Klamotten entlang. Es sind nur wenige Teile drin, ich brauche so was normalerweise nicht. Eigentlich gefällt mir nichts davon… Es ist schwarz-weiße Kleidung… der Kontrast fühlt sich unstimmig und hart an. Darin fühle ich mich nicht wohl. Aber die Zeit drängt, denn in etwa zehn Minuten ist die Stunde voll, und der angekündigte Mann wird eintreffen. Zappelig überlege ich, was ich von dem Zeug wählen soll, greife spontan irgendwas.

Da höre ich Stimmen im Eingangsbereich… oje, der Mann ist eingetroffen, früher als erwartet. Inzwischen habe ich das Oberteil angezogen und ich bin überrascht, dass es mir passt – ich dachte, es sei mir zu klein. Dazu einen Rock… aber soweit kommt es nicht. Mein Unterkörper ist noch unbekleidet, als meine frühere Arbeitskollegin und Freundin - sie ist etwas jünger als ich, freundlich und selbstsicher, entschlossen - beide Männer in diesen Raum eintreten lässt. Sie lächelt gutgelaunt, für sie ist alles okay so. Ja, aber bemerkt denn niemand, dass ich noch gar nicht angekleidet bin? In aufforderndem, leicht gereiztem Tonfall sage ich:„Darf ich mich vielleicht erst einmal anziehen?!!“ Der sehr schlanke Mann bemerkt nun, dass ich noch gar nicht so weit bin und wird etwas grummelig – offenbar hatte er von mir erwartet, dass ich es rechtzeitig schaffe. Bereits einen Moment später merke ich, dass er es nach kurzem Überlegen nun doch nicht schlimm findet. Dann - niemand hat den Raum verlassen und mir ist es nun auch egal, da ich eh so gesehen wurde – habe ich mir schnell den Rock übergestreift, aber leider habe ich noch nicht einmal Wimperntusche auflegen können. Mein Gesicht ungeschminkt, es fühlt sich nackt und offen an. Einerseits ärgerlich – ich hätte gerne einen guten Eindruck gemacht – andererseits amüsiert es mich, weil ich noch nie in der Situation war, mich in einem solchen Zustand vorstellen zu müssen. Ich habe noch nicht einmal meine Haare geordnet.

Der Mann, der mich eventuell einstellen will, reicht mir die Hand. Er ist vielleicht Mitte Sechzig, recht groß und schlank gewachsen, hat weißes weichgewelltes Haar, ist eher salopp-seriös gekleidet, und kommt mir irgendwie bekannt vor. Ich sehe ihn eher undeutlich. Er ist sehr nett und wirkt aufgeschlossen. Der sehr schlanke Mann legt sich lässig aufs Bett, um im Hintergrund das Vorstellungsgespräch abzuwarten. Der weißhaarige Mann und ich setzen uns am Fußende dazu. Sogleich erklärt er mir meine Aufgaben und wir besprechen ein paar Details.

Wir stehen auf, und der weißhaarige Mann macht mich darauf aufmerksam, dass er an etwas erkrankt sei, was phasenweise zu einem Gedächtnisausfall führe. Ich solle mich also nicht wundern, wenn er mir mal etwas mehrfach erzählt oder Aufträge wiederholt, da es daran läge. Jaja, das ist okay. Er erzählt es mir gleich noch einmal, und irgendwie mag ich es; vielleicht weil er diese Schwäche offenkundig akzeptiert hat. Ja, aber… habe ich den Job etwa bekommen?? Er hat es nicht ausdrücklich gesagt und ich habe nicht dran gedacht zu fragen.

Nun bin ich wieder mit meiner Kollegin und dem schlanken Mann allein. Ich sage, dass ich nicht auf das Vorstellungsgespräch vorbereitet gewesen war, und mich nun denkbar ungünstig gezeigt habe. Der schlanke Mann wirkt zufrieden, hält den Daumen hoch und meint: „Ist doch ganz gut gelaufen!“ Ja, irgendwie schon, zumindest blieb mir keine Zeit mich zu verstellen.

Der weißhaarige Mann kommt und führt mich in mein neues Arbeitsgebiet ein. Wir betreten eine Halle – vielleicht ähnlich einer kleinen Reithalle, die zu Übungszwecken genutzt wird. Alles liegt im Halbdunkel. Wir gehen tief in die Halle hinein. Dort steht ein Kamel, und ein grau-weiß-schwarz geschecktes Pferd. Gerade wurden letzte Teile einer Konstruktion auf dem Tierrücken aufgebaut. Ich erfahre, dass jede einzelne Holzstrebe etwa 2m lang ist. Daraus schlussfolgere ich, dass es dann doch eine ziemlich große Konstruktion sein muss, da einige dieser Streben miteinander verbunden werden. Das hätte ich nicht gedacht, da es nicht augenscheinlich ist. Mein Blick geht an diesem Holzaufbau entlang, vermutlich soll es eine Art Sänfte werden. Am Hals des Tieres sehe ich eine orientalische Tänzerin üben. Kurz sehe ich ihr Gesicht in Großaufnahme… nostalgisch wirkt es, wie in einem alten Film. Sie wirkt ernst, nachdenklich und macht ihre Übungen schweigend und gelassen. Wir schauen uns in die Augen, und mir ist so, als würde sie erzählen. Ich verstehe, ohne es konkret benennen zu können… Sie macht gerade eine Übung, schiebt mehrmals einen Fuß zwischen Tierhals und Konstruktion hindurch und nimmt ihn wieder zurück. Dabei sehe ich, dass sie Schuhe trägt, die eine bemerkenswert runde Schuhspitze haben. Vermutlich, damit sie das Tier beim Üben nicht versehentlich verletzt. Sie übt konzentriert und langsam, wirkt fast wie versunken in der Übung. Es ist unwahrscheinlich, dass sie dem Tier Schmerz zufügt.

Der weißhaarige Mann erklärt, dass dies nun zu meinem neuen Arbeitsbereich gehöre. Ich liege am Boden, und das Kamel legt sich seitlich auf den größten Teil meines Körpers, seinen Kopf in meine Halsmulde. Das Pferd legt sich auf die gleiche Weise seitlich auf das Kamel. Es ist sehr angenehm, den warmen Körper des Kamels so nah und ein bisschen schwer zu spüren… das gleichmäßige Atmen, das leise satt-zufriedene Schnauben… das Fell so weich… es riecht nach Sonnenwärme. Ich spüre, wie sich die Ruhe der Tiere auf mich überträgt und ich immer tiefer entspanne. Da wird mir mit einem Male bewusst, dass es doch recht große Tiere sind – und ich liege darunter! Angenommen, eines würde mich beißen wollen, so könnte ich mich nicht so leicht befreien und in Schutz bringen. Beunruhigt teile ich dem weißhaarigen Mann meine aufkommende Befürchtung mit. Er überlegt kurz und meint: „Das liegt im Bereich des Möglichen, dennoch halte ich es in diesem Fall für nahezu unwahrscheinlich.“ Ich entspanne mich wieder, spüre leise Freude über diese interessante Arbeit aufkommen. Der Arbeitsort ist Bremen, was mir sehr entgegenkommt, da wir wahrscheinlich noch für einige Zeit in Worpswede wohnen werden – da habe ich es nicht weit. Doch da fällt mir ein, dass ich im Bereich der Verwaltung die Schreibarbeiten übernehmen soll. Ob ich das überhaupt erledigen kann? Ich war nie in diesem Bereich tätig – hmm… Naja, im Internet werde ich sicher grundlegende Info dazu finden und wenn ich erst einmal die Struktur eines Geschäftsbriefes kenne, dann kann ich darauf aufbauen. Ja, also… irgendwie… bin ich verblüfft, mich hier wiederzufinden. Wo bin ich… träume ich? Ich wache auf.

Traum vom 12. Oktober 2005 - 4:44 Uhr

In einem weitläufigen Parkhaus – unterirdisch. Ich gehe zu unserem roten Passat Kombi, der hier unten abgestellt ist. Diese Parkebene zeigt sich zu dieser Zeit ziemlich verlassen – zumindest von hier aus ist sonst kein weiteres Fahrzeug zu sehen. Während ich zum Passat gehe, und dann die Tür öffne, gibt es diese typisch nachhallenden Geräusche – ein leise scharrendes Geräusch der Schuhsohlen, so als könne man jedes einzelne Sandkörnchen unter den Füßen hören, ein deutlich hörbares Klacken beim Aufschließen. Ich setze mich ins Auto, schließe die Tür – dabei ein satter Widerhall in der weiten Halle - stecke den Schlüssel ins Zündschloss und mache mich innerlich zum Starten bereit. Ich weiß, dieses Auto muss behutsam und mit viel Einfühlung gestartet werden, sonst springt es womöglich gar nicht an. Ich drehe den Schlüssel, horche aufmerksam hin, um das Zünden bereits den entscheidenden Moment vorher zu erspüren, und dann zum rechten Zeitpunkt ganz sachte Gas geben zu können – denn das verspricht nach bisherigen Erfahrungen am ehesten Erfolg. Nun ist es allerdings so, dass ich diesen bestimmten Klang kurz vor dem Zünden nicht gut ausmachen kann, da der Widerhall die aktuellen Geräusche leicht überlagert. Ich darf den Anlasser aber auch nicht zu lange über den Zündmoment hinaus festhalten, weil das der alten Maschine nicht gut täte und die Batterie womöglich leer würde. Und dann wäre es erst einmal für ein Weilchen mit dem Starten vorbei.

Ich horche sehr konzentriert, spüre mich geradezu hinein und komme zu dem Schluss, dass der Wagen bereits angesprungen sein könnte. Gleichzeitig sehe ich durch die Windschutzscheibe eine Frau – sie ist etwa in meinem Alter - kommen. Oje, wenn der Wagen bereits läuft, dann gibt es in den Ohren der Frau bestimmt einen Heidenlärm! Gründe genug, ich muss es jetzt riskieren… und lasse den Anlasser los. Genau im richtigen Augenblick. Mit einem vertraut weichen und runden Ruckeln kommt der Motor verhalten in Schwung. Ganz sachte trete ich auf das Gaspedal, soweit, bis der Motor einen satten energievollen Klang von sich gibt und vielversprechend gleichmäßig vibriert. Super, auf geht’s!

Vor mir liegt die Ebene 35. Eine Auffahrrampe aus Holz ist vor die Ebene geschoben, so dass ich bequem hinauffahren kann. Hier und da stehen kleine Grüppchen herum und plaudern angeregt – und, wie ich mit angenehmen Gefühl feststelle, scheinen alle friedlich und entgegenkommend. Im Schritttempo folge ich dem Weg, um diese Ebene zu durchqueren. Kurz darauf erreiche ich die Zufahrt zu Ebene 44. Und sehe, dass ich noch nicht hinauffahren kann. Die Männer, die hier fleißig arbeiten und organisieren, haben momentan die mobile Auffahrrampe beiseite gelegt. Die andere Hälfte der Rampe – die Abfahrrampe – steht noch da. Da ich von der offenen, hohen Seite hineinblicken kann, sehe ich, dass es sich um eine Holzfläche handelt, die auf einer einfachen hölzernen Konstruktion liegt. Ich versuche zu erkennen, warum die Auffahrt derzeit nicht gewährt wird. Offenbar findet auf Ebene 44 eine Veranstaltung steht. Einer der Arbeiter lässt mich dann wissen, dass dort heute die Hell Drivers agieren! Oh, die Hell Drivers – die sind mir bekannt! Wow ja, das sind wagemutige und tollkühne Fahrkünstler, die das Autofahren in Perfektion beherrschen. Und es ist eh klar, dass ich da jetzt nicht reinfahren sollte. Vor meinem Augen erscheinen die Fahrzeuge der Hell Drivers: Mittelklassewagen älteren Jahrgangs, vor allem ein sportliches Modell VW-Käfer aus den 60ern - der wie neu aussieht – fällt mir besonders ins Auge: der Lack poliert, die Chromstoßstangen glänzend. An den Türen kreisrunde Aufkleber: eine zweistellige schwarze Zahl auf weißem Grund. Der Fahrer nimmt vielleicht Anlauf, um dann die Rampe hinaufzufahren und zu einer waghalsigen Nummer anzusetzen.

Mir wird vermittelt, dass ich nicht mehr lange warten muss, bis ich auf Ebene 44 fahren kann. Rechts von mir steht ein kleines Kassenhäuschen. Dort werden die Eintrittskarten für diese Veranstaltung verkauft. Eine ältere Frau sitzt dort drinnen und fragt mich freundlich, ob ich nicht Eintrittskarten kaufen wolle. Im Eintrittspreis – der bei 1,50 oder 2,50 Euro liegt – sei auch ein Erfrischungsgetränk enthalten. Mike und Moina sind dabei. Und ich überlege, dass Moina bestimmt gerne etwas trinken würde. Da rechnet sich der Eintrittspreis schon allein wegen des Getränks. Mike wäre sowieso nicht damit einverstanden, wenn ich für so etwas Überflüssiges, wie diese Vorstellung, Geld ausgebe. Außerdem fühle ich mich auch nicht wohl bei dem Gedanken, ganz beliebig alles mitzumachen, was sich mir anbietet. Ich sollte da vielleicht lieber bewusst Entscheidungen treffen? Die Arbeiter – sie erinnern an Kfz-Mechaniker, wie an den Boxenstopps bei Autorennen – kommen und bauen die Auffahrtrampe vor mir auf. Sie geben mir ein Zeichen, dass ich gleich losfahren kann. Irgendwas lässt mich zögern… vielleicht weil ich nicht sicher bin, ob ich wirklich schon losfahren soll. Vielleicht auch, weil ich den Bereich der Ebene 44 noch nicht überblicken kann. Ich kann nicht sehen, was mich erwartet; und ich bin nicht sicher, ob die Hell Drivers ihre Vorstellung beendet haben.