Traum vom 19. Oktober 2005
Ein sehr schlanker Mann – lässig gekleidet, Mitte 50, dunkelblondes Haar, positiver Gesichtsausdruck, frohgemut, ziemlich groß, angenehm – schemenhaft erkennbar. Ich halte mich in seinen Privaträumen auf, die gleichzeitig geschäftlich genutzt werden und willkommenen Gästen offen stehen. Der Mann sagt, dass ich die Möglichkeit habe, eine Arbeit zu bekommen, und dass gleich ein Mann käme, der sich einen ersten Eindruck von mir verschaffen wolle. Das kommt unerwartet, darauf bin ich nicht vorbereitet. Ich laufe noch halbnackt herum, sollte mich nun korrekt kleiden. Was da wohl auf mich zukommt? Ich stehe vor dem Kleiderschrank in einem weiten Schlafraum, habe die rechte Tür geöffnet und mein Blick geht suchend die Klamotten entlang. Es sind nur wenige Teile drin, ich brauche so was normalerweise nicht. Eigentlich gefällt mir nichts davon… Es ist schwarz-weiße Kleidung… der Kontrast fühlt sich unstimmig und hart an. Darin fühle ich mich nicht wohl. Aber die Zeit drängt, denn in etwa zehn Minuten ist die Stunde voll, und der angekündigte Mann wird eintreffen. Zappelig überlege ich, was ich von dem Zeug wählen soll, greife spontan irgendwas.
Da höre ich Stimmen im Eingangsbereich… oje, der Mann ist eingetroffen, früher als erwartet. Inzwischen habe ich das Oberteil angezogen und ich bin überrascht, dass es mir passt – ich dachte, es sei mir zu klein. Dazu einen Rock… aber soweit kommt es nicht. Mein Unterkörper ist noch unbekleidet, als meine frühere Arbeitskollegin und Freundin - sie ist etwas jünger als ich, freundlich und selbstsicher, entschlossen - beide Männer in diesen Raum eintreten lässt. Sie lächelt gutgelaunt, für sie ist alles okay so. Ja, aber bemerkt denn niemand, dass ich noch gar nicht angekleidet bin? In aufforderndem, leicht gereiztem Tonfall sage ich:„Darf ich mich vielleicht erst einmal anziehen?!!“ Der sehr schlanke Mann bemerkt nun, dass ich noch gar nicht so weit bin und wird etwas grummelig – offenbar hatte er von mir erwartet, dass ich es rechtzeitig schaffe. Bereits einen Moment später merke ich, dass er es nach kurzem Überlegen nun doch nicht schlimm findet. Dann - niemand hat den Raum verlassen und mir ist es nun auch egal, da ich eh so gesehen wurde – habe ich mir schnell den Rock übergestreift, aber leider habe ich noch nicht einmal Wimperntusche auflegen können. Mein Gesicht ungeschminkt, es fühlt sich nackt und offen an. Einerseits ärgerlich – ich hätte gerne einen guten Eindruck gemacht – andererseits amüsiert es mich, weil ich noch nie in der Situation war, mich in einem solchen Zustand vorstellen zu müssen. Ich habe noch nicht einmal meine Haare geordnet.
Der Mann, der mich eventuell einstellen will, reicht mir die Hand. Er ist vielleicht Mitte Sechzig, recht groß und schlank gewachsen, hat weißes weichgewelltes Haar, ist eher salopp-seriös gekleidet, und kommt mir irgendwie bekannt vor. Ich sehe ihn eher undeutlich. Er ist sehr nett und wirkt aufgeschlossen. Der sehr schlanke Mann legt sich lässig aufs Bett, um im Hintergrund das Vorstellungsgespräch abzuwarten. Der weißhaarige Mann und ich setzen uns am Fußende dazu. Sogleich erklärt er mir meine Aufgaben und wir besprechen ein paar Details.
Wir stehen auf, und der weißhaarige Mann macht mich darauf aufmerksam, dass er an etwas erkrankt sei, was phasenweise zu einem Gedächtnisausfall führe. Ich solle mich also nicht wundern, wenn er mir mal etwas mehrfach erzählt oder Aufträge wiederholt, da es daran läge. Jaja, das ist okay. Er erzählt es mir gleich noch einmal, und irgendwie mag ich es; vielleicht weil er diese Schwäche offenkundig akzeptiert hat. Ja, aber… habe ich den Job etwa bekommen?? Er hat es nicht ausdrücklich gesagt und ich habe nicht dran gedacht zu fragen.
Nun bin ich wieder mit meiner Kollegin und dem schlanken Mann allein. Ich sage, dass ich nicht auf das Vorstellungsgespräch vorbereitet gewesen war, und mich nun denkbar ungünstig gezeigt habe. Der schlanke Mann wirkt zufrieden, hält den Daumen hoch und meint: „Ist doch ganz gut gelaufen!“ Ja, irgendwie schon, zumindest blieb mir keine Zeit mich zu verstellen.
Der weißhaarige Mann kommt und führt mich in mein neues Arbeitsgebiet ein. Wir betreten eine Halle – vielleicht ähnlich einer kleinen Reithalle, die zu Übungszwecken genutzt wird. Alles liegt im Halbdunkel. Wir gehen tief in die Halle hinein. Dort steht ein Kamel, und ein grau-weiß-schwarz geschecktes Pferd. Gerade wurden letzte Teile einer Konstruktion auf dem Tierrücken aufgebaut. Ich erfahre, dass jede einzelne Holzstrebe etwa 2m lang ist. Daraus schlussfolgere ich, dass es dann doch eine ziemlich große Konstruktion sein muss, da einige dieser Streben miteinander verbunden werden. Das hätte ich nicht gedacht, da es nicht augenscheinlich ist. Mein Blick geht an diesem Holzaufbau entlang, vermutlich soll es eine Art Sänfte werden. Am Hals des Tieres sehe ich eine orientalische Tänzerin üben. Kurz sehe ich ihr Gesicht in Großaufnahme… nostalgisch wirkt es, wie in einem alten Film. Sie wirkt ernst, nachdenklich und macht ihre Übungen schweigend und gelassen. Wir schauen uns in die Augen, und mir ist so, als würde sie erzählen. Ich verstehe, ohne es konkret benennen zu können… Sie macht gerade eine Übung, schiebt mehrmals einen Fuß zwischen Tierhals und Konstruktion hindurch und nimmt ihn wieder zurück. Dabei sehe ich, dass sie Schuhe trägt, die eine bemerkenswert runde Schuhspitze haben. Vermutlich, damit sie das Tier beim Üben nicht versehentlich verletzt. Sie übt konzentriert und langsam, wirkt fast wie versunken in der Übung. Es ist unwahrscheinlich, dass sie dem Tier Schmerz zufügt.
Der weißhaarige Mann erklärt, dass dies nun zu meinem neuen Arbeitsbereich gehöre. Ich liege am Boden, und das Kamel legt sich seitlich auf den größten Teil meines Körpers, seinen Kopf in meine Halsmulde. Das Pferd legt sich auf die gleiche Weise seitlich auf das Kamel. Es ist sehr angenehm, den warmen Körper des Kamels so nah und ein bisschen schwer zu spüren… das gleichmäßige Atmen, das leise satt-zufriedene Schnauben… das Fell so weich… es riecht nach Sonnenwärme. Ich spüre, wie sich die Ruhe der Tiere auf mich überträgt und ich immer tiefer entspanne. Da wird mir mit einem Male bewusst, dass es doch recht große Tiere sind – und ich liege darunter! Angenommen, eines würde mich beißen wollen, so könnte ich mich nicht so leicht befreien und in Schutz bringen. Beunruhigt teile ich dem weißhaarigen Mann meine aufkommende Befürchtung mit. Er überlegt kurz und meint: „Das liegt im Bereich des Möglichen, dennoch halte ich es in diesem Fall für nahezu unwahrscheinlich.“ Ich entspanne mich wieder, spüre leise Freude über diese interessante Arbeit aufkommen. Der Arbeitsort ist Bremen, was mir sehr entgegenkommt, da wir wahrscheinlich noch für einige Zeit in Worpswede wohnen werden – da habe ich es nicht weit. Doch da fällt mir ein, dass ich im Bereich der Verwaltung die Schreibarbeiten übernehmen soll. Ob ich das überhaupt erledigen kann? Ich war nie in diesem Bereich tätig – hmm… Naja, im Internet werde ich sicher grundlegende Info dazu finden und wenn ich erst einmal die Struktur eines Geschäftsbriefes kenne, dann kann ich darauf aufbauen. Ja, also… irgendwie… bin ich verblüfft, mich hier wiederzufinden. Wo bin ich… träume ich? Ich wache auf.