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Traum vom 1. Februar 2010

In einer abgelegenen einfachen Bude. Die Wände so dünn wie aus Pappe. Vielleicht eine ehemalige Gartenlaube. Hier sind Mudder Scho und ich mit den Vorbereitungen für den ersten Verkaufstag beschäftigt. Eigentlich hätte ich erwartet, dass Kornelius, unser Chef, inzwischen längst eingetroffen ist. Ich schaue aus dem einzigen Fenster im Raum hinaus, über eine natürliche Grünfläche hinweg zur Dorfstraße. Aber das schwarze Auto von Kornelius sehe ich nur in meiner Vorstellung ankommen und parken. So wende ich mich dem billigen Hängeschrank über der Spüle zu, öffne die rechte Tür und werfe einen Blick hinein: Das hintere Drittel steht voller Gewürzgläschen. Sie sind überwiegend mit trockenen Kräutern gefüllt. Anfangs spüre ich den starken Impuls, diese alle auszuräumen, um Platz zu schaffen. Doch dann fällt mir ein, dass wir die ja durchaus noch für den Verkauf gebrauchen können – sehe kurz den Hängeschrank wie eine Art Durchreiche zum Kunden hin. Meine Überlegungen teile ich mit Mudder Scho. Inzwischen verspüre ich das starke Bedürfnis, meine Blase zu erleichtern, halte nach einem Toilettenbecken Ausschau. Mensch, Mudder Scho, man hatte uns doch gesagt, dass zu diesem Häuschen eine Toilette gehört, stimmts. Wo ist die denn bloß? Etwas tiefer in der Bude entdecke ich einen alten Spülstein. Dieser ist mit einer aus blauem Nylon überzogenen Sperrholzplatte abgedeckt, die sich in der Mitte einmal umfalten lässt. Zur Ecke hin dann das Abflusssieb im Spülstein, nahe dem Wasserhahn. Sollte das etwa die Toilette sein? Ich schlage die Abdeckplatte beiseite… Igitt! Der Spülstein ist von grauem Schmodder überzogen; so als sei der ganze Dreck wieder hochgekommen und dann doch noch abgelaufen. Okay, diese Rückstände lassen sich beseitigen, aber dennoch… als Toilette ist es eigentlich nicht geeignet, stelle ich enttäuscht fest. Das Abflusssieb lässt große Geschäfte ja gar nicht zu.

Ich gehe daraufhin durch eine Tür, betrete das Bad einer angrenzenden Wohnung. Es ist ein winziges Bad mit kackbraunen Mosaikfliesen ausgestattet. Das olle Toilettenbecken steht seitlich so dicht an der Wand, dass man sich kaum darauf setzen könnte. Oje, wie traurig… das ist auch nicht richtig geeignet. Langsam bedrücken mich diese armseligen Zustände. Richtig erschrocken bin ich aber, als ich einen voll aufgedrehten Wasserhahn entdecke! Wer weiß, wie lange hier schon das Wasser ungenutzt in den Kanal rauscht? Da tritt der etwa vierzigjährige Wohnungseigentümer durch die zweite Tür im Bad ein. Nun fühle ich mich ein bisschen wie ein Eindringling. Doch der Mann macht eine nüchterne Bemerkung, die mir in Erinnerung ruft, dass ich diesen Raum durchaus nutzen darf. Ich darf darin nur nichts eigenmächtig verändern. Er duldet mich also. Mit einem Male spüre ich die große Erschöpfung und Müdigkeit. Ich lasse mich auf der Stelle auf einen Stuhl sinken, der etwa zwei Schritte von einem alten Küchentisch entfernt steht. Strecke die Beine etwas aus, lasse den Po vorrutschen, mein Kopf fällt leicht in den Nacken und ich schließe die Augen. Mit letzter Kraft strecke ich dann dem Mann meine rechte Hand entgegen. Ich wünschte, er nähme sie und zöge mich dann zu sich hoch und in seine Arme. Wie wohltuend es jetzt wäre, meinen Kopf einfach an seine Schulter legen zu dürfen.

Doch es geschieht nicht. Warum auch, wir kennen uns ja nicht. Ich spüre aber seinen abwartenden Blick und erkläre mit nur noch schwacher Stimme: „Ich bin so müde, ich kann es kaum in Worte fassen, wie traurig ich bin.“

Traum vom 1. Februar 2010

Reichlich Gäste waren im Haus, wurden bewirtet und sind inzwischen wieder gegangen. Nun erwarten wir erneut Gäste, richten das Geschirr und Besteck her. Ich habe zwei Hände voll sauberes Besteck in den Händen, will es in die Besteckschublade sortieren und… oje, der Besteckkasten ist voller Rotkohlsaftflecken, teils sind sogar noch Rotkohlraspeln darin. Erst mal saubermachen. So kehre ich in die Küche zurück, trete an den Spülstein vor den großen Fenstern, um einen Lappen für die Reinigung vorzubereiten. Doch direkt unter den Löchern im Körbchen des Abflusssiebs entdecke ich das Antlitz eines wohl bekannten Mannes. Er hat diesen Platz ganz gezielt eingenommen, ist aber so zu einem Bild erstarrt, kann also nicht mit mir in Kontakt treten. Im Spülstein daneben ist das Gesicht seiner Frau unter dem Abflusssieb. Die Küchenfrau Anna Lyse erklärt nüchtern, der Mann habe schwarze Zähne, was einen unschönen Anblick böte, weshalb er dort unter dem Abflusssieb gut aufgehoben wäre. Ich würde am liebsten das Sieb leicht aus Abflusskörbchen heben, um dem Gesicht etwas Freiraum zu geben. Aber nein, das will die Anna Lyse nicht. Mir widerstrebt, das Entdeckte so auf sich beruhen zu lassen. Das Gesicht des Mannes quasi wie gefangen unter dem Sieb. Er kann sich ja nicht mal wehren, wenn man Flüssigkeiten odre spitze Gegenstände hineingibt.

Traumpfad: Im Traum ist mir halbbewusst, dass der Mann mit den schwarzen Zähnen aus diesem Traum eine verwandelte Gestalt des vampiresken Gefährten aus gestrigem Traum sein dürfte.

- Pantherkäfig -

Traum vom 1. Februar 2010

In Gegenwart meiner Schwester, die bei folgendem Geschehen ohne Reaktion, ungerührt wirkend zuschaut, nehme ich die skurille Schleierhaube aus schwarz lackierten Metallstäben und stülpe mir diese über den Kopf. Oben, auf dem Scheitelpunkt der Haube befindet sich ein kurzer Stab, den man als Griff zum Geraderücken der Schleierhaube verwendet. Ich glaube, diese Schleierhaube setzte die Damen zu Beginn des 20. Jahrhunderts gerne bei Besuchen in Kaffeehäusern auf. Vor dem Gesicht hängen die Stäbchen sogar in doppelter Lage. Es gibt an der Seite einen Stab, der als Vorhangstange dient, so dass sich eine Lage Vorhangstäbchen zur Seite schieben lassen. Das tue ich und schaue dann in den Spiegel, der im Raum schwebt. Mit der Haube sehe ich total blöd aus, da ich eine Brille trage, die leicht spiegelt. Mit dem Gewirr der Vorhangstängelchen gibt das einfach nur einen unruhigen Anblick – weit entfernt von dem, was die Haube früher bezweckte, nämlich der Trägerin ein geheimnisvolles oder rätselhaftes Aussehen zu verleihen. Die Haube ist auch gar nicht so leichtgewichtig. Trotzdem albere ich etwas herum, tanze hin und her. Das aber auch nur, weil meine Schwester auf meine Albernheiten nicht eingeht. Mein Interesse an dieser ja auch durchaus unbequemen Sache erlischt.