Monatsarchiv: März 2012

Das ist jetzt Ihr Display!

Bereits vorhin signalisierte das Geschäftstelefon einen Anruf. Jedoch übernahm bereits der Anrufbeantworter das Gespräch.

Moina fährt mit dem Fahrrad voraus, auf der Straße der Kindheit, Richtung Ortskern. Sie schreibt Geschichten. Dicke Bücher voller Geschichten. Bis zum heutigen Tag – also mein Leben lang – hatte ich geglaubt, diese Strecke habe eine leichte Steigung. Um so verwunderter bin ich nun, da Moina mit Leichtigkeit davon saust. Ja, ich erkenne: die Strecke hat Gefälle! Es muss an der Perspektive gelegen haben; vielleicht schaute ich immer aus der Gegenrichtung? Erstaunlich.

Das Geschäftstelefon klingelt erneut; hier, in meiner Wohnung am Straßenrand. Ich renne los, höre bereits meine Stimme auf dem AB, wie ich etwas atemlos im letzten Satz anbiete: „Das ist jetzt Ihr Display…“
Wie blöd! Diesen letzten Satz hatte ich doch längst korrigieren wollen. Der ergibt ja keinen Sinn. Das ist jetzt Ihr Platz? Eigentlich hatte ich sagen wollen: It’s your turn now. Oder so ähnlich. Ausdrücken wollte ich: Hier bleibt Raum für Ihre Gedanken. Oder so ähnlich. Wie auch immer, der Anrufer legt – wider Erwarten! – nicht auf, sondern beginnt seinen Traum zu erzählen. Im Hintergrund lässt er eine passende, unheimliche Musik spielen. Die gesamte Ansage des Traumes ist sehr aufwendig aufgenommen … seine Stimme wird immer schauriger … ein Krimi, vielleicht. Dann geschieht offenbar etwas bei ihm … die Männerstimme bricht und … … …

~ Traum vom 2. März 2012 ~

Ein Teeblatt

Vom Traum der Nacht blieb einzig die Erinnerung an ein Bild. Ein Teeblatt: anstelle eines Teebeutels eine Bildkarte am Faden. Gut geeignet zum Eintauchen in die Traumwelt.

Teeblatt am Faden

~ Traum vom 1. März 2012 ~

Traumgespräche – Was Träume über das Seelenleben Ihres Kindes verraten

Markus Salhab u. Bianca Jäger - Traumgespräche - Was Träume über das Seelenleben Ihres Kindes verratenBuchbesprechung: Markus Salhab und Bianca Jäger – Traumgespräche: Was Träume über das Seelenleben Ihres Kindes verraten. München 2010

Das schöne Taschenbuch mit den Kinderzeichnungen auf dem Einband beginnt wohltuend ruhig und führt den Leser sofort abseits der hektischen Alltagspfade. Liest man die ersten Seiten, muss man erst mal tief durchatmen und zur Ruhe kommen. Dies ist nicht nur angenehm sympathisch, sondern auch Bedingung, um in Kontakt mit dem Seelenleben zu gelangen.

Dies gilt besonders, wenn man sich mit dem Traumleben eines Kindes beschäftigen will. Wie durch jede tiefere Beschäftigung mit Träumen gelangt man auch mit dieser Form der Traumarbeit zu einer Quelle inneren Reichtums. Das Potential möglicher positiver Effekte für Eltern und Kind ist dabei immens, wie der Autor mühelos aufzeigt. Am Ende steht ein Glücksgefühl, nicht nur für das Kind, das innerlich wächst und versteht, sondern auch für die Eltern, weil sie ihrem Kind helfen und eine tiefere Beziehung zu ihm herstellen konnten.

Das Buch besteht aus vier Hauptteilen. Im ersten Teil geht es zunächst um die Beziehung zum Kind und welche Rolle die Traumarbeit dabei spielen kann. Etliche Aspekte werden angesprochen: wie wichtig Zeit und Ruhe sind, wie glücklich die Traumarbeit machen kann, wie Kinder dabei an ihren Problemen besser wachsen können, dass Träume auch ein Kummerkasten sein können und wie man mit Traumgesprächen die Sorgen hinter sich lassen kann, und wie nützlich Träume dabei sind, versteckte Potenziale zu erkennen, inneres Neuland zu erobern und zu erkennen, was in einem steckt.

Der zweite Teil beschäftigt sich etwas tiefer mit dem Wesen der Träume. Hier erfährt man in verständlicher Form vieles Wichtige zur Traumtheorie: woher Träume kommen, welche Funktion sie haben, die Bedeutung von Außenreizen und körperlichen Aspekten, wie man das Träumen bei seinem schlafenden Kind beobachten kann, wie wichtig der ganzheitliche Aspekt, der Körper und Seele umfasst, gerade bei Kindern ist, warum man überhaupt nach der Deutung eines Traums verlangt, die psychische Bedeutung von Projektionen auf andere, sowie Interessantes zu kindlichen Albträumen, Träumen von Tieren, Hexen, Zauberern und Märchenträumen. In diesem wichtigen Teil werden viele Fragen beantwortet und Anregungen gegeben.

Der dritte Teil ist der Kernteil des Buches: der Leitfaden für Gespräche mit dem Kind. Zunächst wird die offene Atmosphäre der Gespräche beschrieben, die zwangsläufig philosophische Themen berühren werden, und Tipps gegeben, wie man die Traumerinnerung verbessern kann. Der eigentliche Leitfaden besteht aus neunzehn Gesprächstechniken, die übersichtlich gestaltet, verständlich erklärt und noch einmal auf einer Seite zusammengefasst werden. Diese nützliche Hilfe kann man sich vor den ersten Gesprächen durchlesen und danach sehen, welche Methoden und Techniken besonders hilfreich waren und welche übersehen wurden. Nun wird auch angesprochen, was man tun kann, wenn ein Kind gar nicht über seine Träume reden will, und wie Traumgespräche ‚garantiert‘ gelingen können.

In zahlreichen Fallbeispielen von echten Träumen und Traumgesprächen mit Kindern wird im vierten Teil noch einmal schön gezeigt, wie man die Techniken in kindgerechten Wendungen anbringen kann und welche Techniken zu welchen Ergebnissen führen.

Insgesamt ein schönes, nützliches und bei immer guter Verständlichkeit sehr lehrreiches Buch. Man kann nur vielen Kindern wünschen, dass ihre Eltern das Buch kennenlernen und in ihr Herz lassen.

Link: Markus Salhab und Bianca Jäger – Traumgespräche