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Auf der Getränkekarte

Traum vom 26. April 2010

Die Couch ist blau wie die Nacht.
Bleich wie Mondenschein die nackte Haut.
Auf dem Tisch ein Likörglas aus geschliffenem Kristall.
Schillernd bricht das Licht in funkelnde Sterne.

Er füllte es mit Gewürz- und Kakaopulver.
Das Kirschwasser kocht – feuchtwarmer Dampf.
Seine Augen streicheln weiblich geformtes Marzipan.
Zum ersten Mal trinken wir Cappuccino aus einem solchen Glas. (Traumverdichtung von 2004)

In meinem fremden Räumen wird es heute eine Feier geben. Die Vorbereitungen nehmen mich voll in Anspruch. Es geht voran, süß und zäh wie Likör. Meine Haare! Ich will sie schnell waschen, damit sie bis zur Feier noch trocknen können. Nackt, mit vornüber gebeugtem Kopf, die langen Haare von feinporigem Schaum zu einem Schopf gehalten, hängen vorn über. So laufe ich hinaus zur Hauptwache. Der Platz liegt im grauen Schein der im Dämmern begriffenen Vergangenheit. Mit dem Heraustreten werfe ich den Kopf schwungvoll in den Nacken, um die Haare in die richtige Spur zu bringen. Dennoch, so mit klatschnassen Haaren kann ich unmöglich weitergehen. So trete ich in das kleine stillgelegte Bahnhofsgebäude am Rande der Hauptwache. Der wichtigste Punkt in diesem Gebäude ist sicherlich die Treppe in den Untergrund. Aber es gibt auch einen Kiosk, eine Kneipe und Toiletten. Ein Mann in hellem Trenchcoat — ich kenne ihn aus den Träumen! Sah ihn anlässlich einer Suchaktion in Stadtroda — tritt fast zeitgleich mit mir in das Gebäude, jedoch eilig, wie von einer brennenden Angelegenheit getrieben, dass er mich wohl nur am Rande bemerkt, ohne mich wiederzuerkennen. Was mir sehr recht ist, wegen meiner Nacktheit, meiner shampoonierten Haare. So ist die Gefahr, dass er mich deswegen zusammenstaucht, nur sehr gering. Ich beabsichtige, in den Toilettenräumen das Shampoo aus meinen Haaren zu spülen. So geschieht es und ich laufe mit klatschnassen Haaren wieder hinaus, in ein Haus – die Zeil ist wie ein Eingang – hinein, wo die Gäste bereits an Biergartentischen sitzen. Die Stimmung ist leicht gehoben. Mir wird ein Getränk angeboten und ich bitte darum, ein konzentriertes, kaffeehaltiges Gebräu in ein Stielglas zu geben. Zur Verwunderung aller lasse ich das mit heißem Wasser aus einer Karaffe auffüllen. Ich nippe an dem Getränk … Mmh, gut! Wirklich sehr gut! Jemand schaut dann nach; vermutlich im Internet und klärt die anderen darüber auf: “Na, was glaubt ihr, Marianne hat dieses Getränk bereits auf ihrer Getränkekarte stehen.” — Ich zucke gleichmütig mit den Schultern, zeige mich absichtlich naiv, amüsiere mich nur innerlich — düdeldü … — und denke mir im Stillen: Natürlich habe ich es auf der Karte! Wäre ja schön blöd, wenn es nicht so wäre.

Traumpfade: Traumbericht Nr. 3 und Nr. 17


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