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Kung Fu-tse und Traumzeit

Traum vom 4. Mai 2010

Mein Blickfeld ist von der aufgeschlagenen Zeitung erfüllt. Dahinter sitzt der Schweizer Kriminologe Kung Fu-tse und liest einen von ihm verfassten Artikel aus der Zeitung vor. In diesem geht es um einen aktuellen Fall, der nicht zu den bisherigen Theorien passt und deshalb eine Menge neuer Fragen aufwirft. Ich sehe den Artikel in der mittleren von drei Spalten. Total baff bin ich, als mein Nick in dem Artikel erwähnt wird: „Wir möchten Sie darüber informieren, dass Traumzeit sich inzwischen des Falles angenommen hat und seit einigen Nächten und Träumen in der Sache auf wissenschaftlicher Ebene recherchiert. Meine Freude ist groß. Ein toller Auftrag. Und, ein Glück, ich arbeite bereits daran. Bin gespannt, was dabei herauskommt.

Ein Indoor-Urwald mit reichlich Lianen. Eine solche umklammernd, schwinge ich weit hin und her. Macht Laune. Eine Frau kommt hinzu, würde sich am liebsten zu mir gesellen, aber zögert. „Willst Du?“ rufe ich ihr in kindlicher Unbeschwertheit zu. Ich mache etwas Platz an der Liane, als sichtbares Signal, dass es mir ernst ist. Schwupps, schon hängen wir zu zweit an der Liane. Schwingen gemeinsam. Zu zweit ist es gleich noch schöner.

Bald erreicht sie ein Anruf ihres Freundes und wir stehen wieder auf dem Boden. Sie möchte gerne, dass er hierher kommt, doch er zögert. Ja toll, ich fände es auch interessant, wenn er käme. So laufe ich immer wieder um sie herum, mache Zeichen, sie solle ihn bloß überzeugen. Flüstere ihr immer neue Argumente zu, aber so leise natürlich, dass er mich nicht hört. „Sag ihm, er ist willkommen!“ schlage ich vor und umtänzele sie weiter. Mit einem Male finde ich mich in körperlosem Beobachter-Ich wieder und bin zutiefst erschrocken, als ich mich erkenne:
Leicht gebeugt, mit einem Buckel, nur bekleidet mit zerrissenen Wolfsfellen, die mir das Aussehen eines räudigen Wolfes mit Menschenkopf verleihen, schleiche ich um die telefonierende Frau. Auch ich schaue mich erschrocken an — bemerke erst jetzt mich selbst in klar beobachtender Instanz. Gestützt auf einem knorrigen Ast, ganz bleich und glatt meine Haut, die Augen groß und vor Überraschung leer, starre ich — im Umkreisen innehaltend — mit hängendem Unterkiefer zu mir her. Ein Schreck durchfährt mich beim Anblick dieser Figur im Wolfspelz — wie ein tungusischer Schamane in Ritualkleidung –, denn mir fällt gerade ein, dass heutzutage ja stets und überall alles gefilmt wird – Webcams, Google und all die sozialen Netzwerke … Das heißt, auch der Freund am anderen Ende kann mich sehen und mein lächerliches Gehabe auch. Wie peinlich. Megapeinlich. So viel Getue, nur damit er kommt. Nichts. Gar nichts mehr werde ich unternehmen.

Mein Freund ist angekommen. Am Rande des Indoor-Urwaldes verbringen wir schöne Stunden zusammen. Voller Zärtlichkeit, Interesse und Neugier füreinander. Wir laufen hin und her, probieren alle möglichen Lagen, albern herum, lachen, scherzen, ernsteln und es ist einfach nur gut.

Dann beginnt meine Arbeit als Serviererin. Anfangs geht es mir etwas umständlich von der Hand, aber nach zwei Stunden bin ich wieder drin. Eine meiner beiden Kolleginnen überlässt mir einen Gast, der draußen sitzt. Ich bringe ihm den gewünschten Schwenker mit Cognac. Wir wechseln ein paar Worte, er zeigt sich freundlich und charmant, nutzt die Gelegenheit für einen Flirt. Na, so macht die Arbeit Spaß. Dann zurück im Personalbereich. An der Kasse will ich den Cognac registrieren, um auf diese Weise einen altmodischen Bon zu bekommen; den Gegenwert für den Cognac. Doch wie ich es auch anstelle, ich finde keine Möglichkeit, den gültigen Preis mit einer einzigen Eingabe zu registrieren. Blöd. Letztlich löst sich das Problem so, dass ich zwei Bons erhalte, deren gemeinsamer Wert gleich 4,50 Euro ist. Na, passt ja! Ja, überhaupt bin ich zufrieden mit meiner Arbeit, klappt alles besser als erwartet.

Da gesellen sich meine Kolleginnen zu mir, um endlich anzusprechen, was ihnen aufgefallen ist: „Du bist für diese Tätigkeit nicht geeignet. Dein ungehobeltes Benehmen ist den Gästen nicht zuzumuten.“ teilt mir die dürre Kollegin mit kühlen Worten mit. Und weiter: „Du bist nicht vornehm genug, zurückhaltend bist Du auch nicht. Das geht gar nicht mit Dir.“ — Erst mal regt sich Empörung bei mir: Na, also, bitte! Das kann ja wohl nicht sein!!“ Der Gast mit dem Cognac zum Beispiel, ein vornehmer Herr, wirkte zufrieden mit mir. Sonst hätte er nicht so freundlich Worte mit mir gewechselt. Dennoch, die Betroffenheit macht mich frösteln und entreißt mich jedem Gefühl der Geborgenheit und des Aufgehobenseins in meiner Welt.

Ein junges Paar mit Kinderwagen kommt des Weges – bildungsfern, übergewichtig. In diesem Augenblick nickt die arrogante Kollegin in deren Richtung und meint abfällig: „Da, solche Gäste kannst Du bedienen. Deren Meinung zählt nicht viel, hohe Ansprüche dürften sie auch nicht haben.“ — Völlig unerwartet bricht angesichts dieser Überheblichkeit die Wut in mir empor. „Ach, ja? Wo bleibt denn hier die viel gepredigte Nächstenliebe? Die Liebe überhaupt, die immer hochgehalten wird? Na, wo ist sie?!!“ stoße ich zynisch heraus. — Da taucht mit einem Male Kung Fu-tse mit der Zeitung auf. Alles wird still. Mit ruhigen Worten erinnert er mich an meine Aufgabe, an meinen Auftrag. Er liest aus der Zeitung vor: „Den Auftrag für die Ermittlungen haben wir an Traumzeit übergeben.“ Nun wissen auch die kühlen Kolleginnen davon und die Stimmung unter uns glättet sich wie zu einem ruhigen Meer.

Traumpfad: Mein eigener Anblick erinnert mich spontan an dieses Bild „Und sie sah sich um …“

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