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Softwareraub und Mumie mit Staubhaar

Traum vom 6. Mai 2010

„Sie ist längst tot, das verändert den Charakter.“

Das Herzstück unserer Wohnung ist ein großer Raum, der unser persönliches Rechenzentrum beherbergt. Dieser liegt halb unterirdisch ist sehr weitläufig, wirkt nüchtern und sachlich. Der Programmierer war für einige Tage zu Besuch. Ich vertraute ihm, so blieb er während unserer berufsbedingten Abwesenheit allein in der Wohnung und nutzte alles nach Belieben. Dass er sich bei der Software bediente … naja, na klar, ist doch okay.

So ging es ein paar Tage gut. Heute nutzte er unsere Abwesenheit zur plötzlichen Abreise. Doch nicht nur, dass er sich aus dem Staub machte, nein, er nahm unseren gesamten Software-Bestand mit. Alles! Man stelle es sich genau vor: Da steht ein Großrechner – wie eine überdimensionierte Waschmaschine oder eine reeler Tresor. Dieser hat einen Überbau, wo wir die Software lageren. Ein hoher Stapel gut gefüllter Künstler-Sammelmappen im A1 Format; das ist die Software. Das war die Software! Anfangs versuche ich es mir noch schönzureden, so nach dem Motto: Ach, all dieser Besitz immer … das braucht man doch gar nicht. Wozu braucht man schon diese ganze Software? Eben! Da fällt mir ein, dieses oder jenes doch noch gerne nutzen zu wollen oder dringend brauchen zu können. Als mir einfällt, dass auch das Betriebssystem nicht mehr vorhanden ist, werde ich unruhig und ärgerlich. Wir sollten den Programmierer herzitieren! Allerdings möchte ich das gar nicht gerne, da ich ein schlechtes Gewissen habe. Irgendeine Heimlichkeit, an die ich gar nicht erst denken mag. So verscheuche ich diesen Gedanken wieder. Nein, es muss eine andere Lösung geben. Ich könnte die Polizei alarmieren; sollen die sich drum kümmern. Nein, auch das gefällt mir nicht.

Mike und ich haben uns längst auf den Weg gemacht, unsere Software zurückzuholen. Wir gelangen in einen Vorraum, einen zu einem langen U geformten Bereich. Einkaufswagen, Kassiererinnen füllen den Weg. Vielleicht das Teilstück eines Supermarktes, wobei hier niemand den Eindruck macht, auch nur irgendwas verkaufen zu wollen. Wie unangenehm auch immer, wir müssen hier einfach durch, wenn es weitergehen soll. Man muss ja auch nicht jede Funktion in Anspruch nehmen, die sich einem bietet.

Endlich haben wir unser Ziel erreicht. Ein Privathaus in Schleswig-Holstein oder so. Hier wohnt der Programmierer. Er ist nicht da. Na, egal, holen wir unsere Software zurück. Die Wohnung ist… kurz gesagt: Eiche rustikal. Sichtlich von der Mutter des Programmierers geprägt. Zum Glück bleiben wir nicht lange. Nur schnell die Künstlermappen! Wie eine stille Sturmwolke weht mit einem Male die Mutter herein, wie auf Rollen. Entweder sie bemerkt uns nicht, weil sie so in ihrer eigenen Welt versunken ist, oder sie ignoriert uns absichtlich. Ihre Haare sind sind ganz stumpf und starr vor Staub, einmal um ihren Kopf geschlungen, wie ein von Spinnweben durchzogenes Vogelnest. Vielleicht ist sie etwas irre? Sie ist ja längst tot, das verändert vielleicht den Charakter? Egal, beunruhigender ist, dass sie sich einige der Software-Sammelmappen nimmt, um sie von uns in Sicherheit zu bringen. Dabei sehe ich zum ersten Mal ihr Gesicht: die Haut ist wächsern und dunkelgelb wie eine Mumie. Von ihrer Nase ist ein Stück abgebrochen. Dort ist ein Loch, und die zerbrochenen Knöchelchen sind zu sehen. Ich kann meinen Blick davon nicht lösen, erkläre zugleich entschlossen, dass es unsere Software ist und wir uns diese nicht nehmen lassen! Wenn sie uns davon nur ein Teil vorenthält, dann … — „Ein Loch … das ist ein Loch …“ summt die Alte monoton geisterhaft hauchend. — Ja genau, denke ich erbost, da entsteht eine Lücke, wenn sie uns einen Teil der Software wegnimmt! Völlig unbeteiligt schwebt sie vorüber, summt weiter „Da ist ein Loch …“ Gibt sie sich mit Absicht so, um unangreifbar zu sein? Da ist ein Loch, ja, in ihrer Nase. Und es stimmt doch etwas nicht, wenn jemand mit einem solchen Loch in der Nase und solch mumifizierter Haut herumläuft, oder irre ich mich?

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Eine Antwort zu Softwareraub und Mumie mit Staubhaar

  1. [...] Mumie mit staubigem Haar [...]