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Käufliche Vietnamesinnen

Traum vom 16. Mai 2010

Am späten Abend. Ich trete irgendwo hinaus und werde mit dem Eintreffen von Familie Lindenbaum konfrontiert. Ihre erwachsene Tochter ist dabei – mir wird klar, dass diese ganze Begegnung nur initiíert wurde, um ein Wiedersehen zwischen uns ermöglichen. Tja, viele Jahre nicht gesehen. Natürlich hat sie sich verändert. Allerdings in wirklich unerwarteter Weise – ich erkenne fast keine Ähnlichkeit zwischen dieser Frau und dem damals sechsjährigen Kind. In der rechten Hand trage ich, rein zufällig, einen Blumenstrauß. Dieser kommt mir so falsch, so peinlich vor. Der Zeitpunkt der Übergabe ist ungewiss und: sollte ich ihn der Mutter oder der Tochter überreichen? Nein, mit diesen Blumen komme ich mir so linkisch und verkehrt vor, dass ich sie am liebsten fallen ließe wie ein Bündel welke Petersilie. Doch wie gut, dass ich den Blumenstrauß dabei habe! Da habe ich gleich etwas für eine freundliche Geste zur Hand.

Unsere Begrüßung verläuft distanziert, mit gequältem Lächeln und stockendem Smalltalk. Nicht viel später verabschieden wir uns für heute. Unser eigentliches Treffen wird morgen stattfinden. Ich wende mich ab, lasse die gutbürgerliche Pension im Rücken, auf deren Grundstück Familie Lindenbaum des nachts campieren wird. Ich werde im benachbarten kleinen und sehr feinen Hotel übernachten. Ich denke gar nicht weiter drüber nach, erst als Herr Lindenbaum mir folgt und mich deswegen fragt, antworte ich: „Jaja, ich wohne im teuren Hotel.“ Dann setze ich meinen Weg fort, gehe an der Längsseite des Hotels entlang. Dunkelheit und Straßenlaternenlicht. Am Ende stelle ich mich vor die Giebelseite, drücke Stirn und Nasenspitze an das große Fenster dort, bilde mit beiden Händen Scheuklappen, um jegliche Spiegelung auf der Fensterscheibe zu vermeiden, blicke hindurch und sehe: nichts, jedenfalls nicht, das ich bewusst wahrnähme. Herr Lindenbaum steht nun direkt hinter mir und meint gleichmütig: „Nicht jede Ehe hält dem stand.“ Dann stehen wir nah beisammen und schauen beide hinein. Seine Aussage … hm, ich vermute, die kam im Hinblick auf die zierlichen Vietnamesinnen, die dort ihre Liebesdienste anbieten.

Szenenwechsel. Ich bin als Servicekraft in der kleinen Bar eines gehobenen Szenelokals beschäftigt. Zu dieser frühen Vormittagsstunde sind meine Kollegen und ich mit Vorbereitungen beschäftigt: ich poliere Whiskeygläser. Gegenüber an der Wand, unter der Zimmerdecke, hängt ein Monitor. Irgendein Informationsfilm läuft dort, der Ton ist weit runter geregelt. Diesen Film kreuzt nun unerwartet Frau Lindenbaum, die Moina an der Hand führt. Ja, weil ich arbeite, habe ich Moina in die Obhut der Lehrerin Lindenbaum gegeben – ich erinnere mich wieder. Als Moina mich bemerkt, wirft sie mir einen scheuen Blick zu, macht eine Geste der Schüchternheit. Frau Lindenbaum ahmt Moina darin nach. Im ersten Moment finde ich das respektlos, dann aber erkenne ich, was sie damit eigentlich ausdrücken möchte: Moinas Schüchternheit ist okay, ich akzeptiere das.

Dann sind sie vorüber und der Blick geht wieder zum Monitor. Gerade werden diese grünen Preisschilder, wie sie an Gemüsekisten hängen, in Großaufnahme gezeigt. Das Wiedererkennen löst in mir eine so große Freude aus, die mich zu einem spontanen Geständnis hinreißt: „Ihr glaubt gar nicht, wie gerne ich immer dieser grünen Täfelchen beschrieben habe!!“ — Seitens meiner Kollegen kommt keine nennenswerte Reaktion. Glauben sie mir nicht? „Ja, ehrlich! Diese grünen Täfelchen habe ich immer total gerne beschrieben!“ Die auch jetzt wieder fehlende Reaktion der Kollegen nimmt mir einen Teil meiner Begeisterung. Die Erinnerung, die Freude … sie verpuffen geradezu.

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Eine Antwort zu Käufliche Vietnamesinnen

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