Home » Traumtagebuch » Wandgemälde im Keller

Wandgemälde im Keller

Traum vom 19. Mai 2010

Ich besuche das Haus zum ersten Mal, wenngleich ich hier seit einiger Zeit lebe. Nach nur wenigen Minuten betreten die drei Nornen das Haus: drei hagere, groß gewachsene Frauen mit eckigen Körperformen. Sie sind gekommen, um wegen einer Sache nachzufragen, die ich nicht konkret erinnern kann. Eigentlich hatten sie Mike fragen wollen. Der liegt vor dem erkalteten Kamin auf der Couch und schläft. Da er leicht sediert wirkt, wird es kein Erholungsschlaf sein. Das sehen auch die drei Nornen ein. Nach einem kurzen Blick auf ihn, geben sie die Sache an dieser Stelle auf, und machen sich erneut auf den Weg. Ganz still ist es im Haus. Ich setze mich auf den Rand der Couch. Mike spürt meine Berührung, setzt sich ruckartig auf und erklärt: „Ich bin müde.“ Ich grinse ihn an und antworte: „Na, ich würde sagen, das ist ein Rausch.“ — „Es war nur ein kleines Sektchen.“mindert er. — „Aha“ sage ich grinsend, streichele kurz seinen Arm und verlasse das Haus.

In einem Keller — vielleicht ursprünglich ein Luftschutzkeller. Im hinteren Kellerraum arbeiten zwei Männer an einem Projekt. Beide tragen die feldgraue Uniform der Wehrmacht. Einer der beiden ist Restaurator und Künstler, der andere, so lässt sein unerbittlicher Befehlston vermuten, der Führer der Wehrmacht. An der Wand ein großflächiges Bild in kräftigen Grundfarben. Die Farbpigmente wurden großzügig aufgetragen. Später, wenn die Kameraden zum Fest kommen, sollen alle ihren Namen auf dem Wandgemälde eintragen. Dazu liegt Kreide bereit. Während der Künstler das Wandgemälde vervollständigt, bleibt mir Zeit für eine kurze Betrachtung. Sofort bemerke ich den Fehler, der das Wandgemälde verschandelt, noch ehe es fertig ist. Ein Mann namens Stephan hat seinen Namen in das Gemälde hinein — im unteren rechten Bildviertel — geschrieben und dann noch zwei Mal unter das Bild: schwarze Kreide auf weißem Grund. Einen der beiden ‘Stephan’ hat er durchgestrichen, wohl weil er da den Fehler bemerkte. Jetzt hat auch der Führer die Verhunzung bemerkt und wirft grimmig Worte des Tadels zum Bild hin. Der uniformierte Künstler ist schon bei der Beseitigung: teils mit dem Handrücken, teils mit dem Uniformärmel, wischt er so oft über den Namen, bis sich weiße und schwarze Pigmente zu einheitlichem Grau vermischen. Eine Notlösung – nicht schön, aber immerhin.

Inzwischen sind auch die Älteren hinzugekommen und der Ältere sagt entschieden: „Ich werde dort gleich ‘Wilma’ und ‘Jens’ hinschreiben. — Nein, das kann er doch nicht tun, denke ich erschrocken. Wir gehören ja gar nicht zur Truppe! Doch der Ältere meint, auch wir haben das gute Recht, unsere Sippschaft zu ehren. Schließlich stellt das Wandgemälde ja so etwas wie ein Gästebuch dar. Und da wir hier zu Gast sind… Die Ältere versucht es ihm auszureden. Ich hoffe, wir können ihn davon abhalten, denn das wäre ja wirklich übertrieben.

Später in einem Festsaal. Ich stehe als Servierkraft hinter einer Reihe von Tapeziertischen, die mit einer weißen Papiertischdecke verschönert sind. Darauf stehen Kuchenplatten und -teller. Warmes Licht leuchtet das ganze Angebot aus. Im gegenüber liegenden Bereich des Saales, im Halbdunkel, sitzen einige Gäste zusammengedrängt an zwei Tischen. Noch hat die eigentliche Feier nicht begonnen. Ein Mann tritt zu mir an den Tresen und möchte ein Stück Apfeltorte. Zuvor möchte er aber den Preis wissen. Ich glaube, es kostet zwei Euro fünfzig; bin aber nicht sicher und halte nach dem Preisschildchen Ausschau. Nanu, wo ist es denn? „Einen Moment, bitte!“ Der Mann läuft hinüber zu den Gästen am Tisch. Vielleicht können diese den Preis für den Apfelkuchen nennen. Ich gehe am Tapeziertisch entlang, alle Kuchenplatten mit den Augen scannend. Fast am anderen Ende angekommen, entdecke ich zwei verbliebene Stückchen Apfeltorte: sehr schmale Stücke, ausgesprochen lecker! Die gedünsteten Apfelstückchen wirken vom Licht halb durchleuchtet außerordentlich köstlich. Der Kuchen ist dick mit Puderzucker bestäubt, der auch einen Teil der Preisschilder verdeckt. Zum Glück habe ich die trotzdem entdeckt. Drei Euro fünfundsiebizig! Oha, ein stolzer Preis für so ein schmales Stückchen. Die Gäste rätseln immer noch, was der Kuchen kosten könnte. Ich gebe Zeichen, hebe die Arme, winke hin und her, um zu zeigen: ich habe den Preis! Einen solch hohen Preis wage ich nicht quer über den Saal zu rufen. Das sage ich dem Herrn lieber unter vier Augen. Aber er kommt nicht, weil mich keiner von denen dort verstanden hat. Noch einmal signalisiere ich mit den Armen, den Preis nun zu kennen. Rufe, inzwischen leicht verzweifelt: „Ich kenne den Preis!“ Ich kann ihn nicht laut nennen. Womöglich gäbe es sonst eine Meuterei auf dem Saal.

Traumpfade, bei gestrigen Recherchen gestreift:

Tags:

Eine Antwort zu Wandgemälde im Keller

  1. [...] Wandgemälde im Keller [...]