Home » Traumtagebuch » Kondensstreifen

Kondensstreifen

Traum vom 21. Mai 2010

Nachdem der leere Raum durchschritten, erreiche ich einen abgelegenen Fastfood-Stand und bestelle nach kurzem Zögern ein Kids-Menü. Ich bestelle es wegen des darin enthaltenen Vanilleeises. In meiner Begleitung ist kein Kind. Die Mitarbeiterin fragt deswegen nicht. Aber warum auch. Ich nehme die Pappschachtel, mache mich auf den Rückweg und hole währenddessen den Eisbecher heraus, stelle alles auf einem der Tische, die im Freien stehen, ab. Außer mir ist niemand da. Später werde ich zurückkommen und das Eis essen.

Einige Stunden später komme ich zurück. Inzwischen sind alle Plätze besetzt. Ich werfe einen beiläufigen Blick zu dem Tisch hinüber, auf dem ich vorhin das Eis abstellte. Ja, es ist noch da. Soll ich es jetzt essen? Sonderbar … das Eis ist durch die durchsichtige Plastikhülle gut zu erkennen. Es liegt immer noch in Form einer lose zusammengerollten Schlange im Becher. Das lässt die Idee zu, dass das Eis noch nicht geschmolzen ist? Wirklich merkwürdig. Die Witterung ist ja nicht kühl. Kann es sein, dass es auch im geschmolzenen Zustand seine Form behält? Jedenfalls spüre ich keinen Appetit und wende mich zum Gehen. Warum sollte ich mich zwischen all die Menschen drängen, das ist ja gar nicht notwendig.

Im Bioladen – genauer im Lagerraum einer Arztpraxis – schleppt Angelique, die Bioverkäuferin-Arzthelferin, die gelieferte Ware zum Zentrum, ordnet alles ein und erzählt mir, dass sie nur drei Tage die Woche arbeitet. Und dass das Geld zum Leben gut reicht. Sie wird sicher gut verdienen, wahrscheinlich zehn Stunden an diesen Tagen arbeiten. Da passt das schon. Wäre vielleicht auch etwas für mich. Eines wundert mich dann aber: ganz egal, wann ich die Praxis aufsuche, Angelique ist dort immer anzutreffen. Merkwürdig auch, das stark eingeschränkte Warenangebot im Laden. Ich wüsste gar nichts von einem Notstand. Vielleicht geht es um eine wohl überlegte Beschränkung?

In meiner Küche lungern einige unbekannte Männer herum. Das gefällt mir nicht. Schließlich kann ich nicht die ganze Zeit hier sein und während der übrigen Zeit bereichern sie sich womöglich, ohne dass ich es bemerkte. Doch ganz egal, wen ich darauf anspreche, niemand hat Verständnis für meinen Wunsch: weniger Unruhe in diesem Haus!

Später, im Freien. Früher Abend. Drei aneinander gestellte Biertische. Rick sitzt dort, während Angelique weiter arbeitet. Ganz vergnügt und routiniert ist sie bei der Sache. Mir dämmert bis hin zur Gewissheit, dass die die beiden etwas miteinander haben. Ich stehe hinter Rick, registriere mit Blick über die linke Schulter den ausgemusterten Güterwaggon, in dem sie ihr Liebeslager aufgeschlagen haben. Die Schiebetür steht offen; innen ist nichts zu erkennen. Naja, Liebeslager … ein Begriff, der so sehr auf Wirkung zielt, dass es schon nicht mehr passt. Es erstaunt mich, weil ich mir kaum vorstellen kann, dass der keusche Rick … Ich stelle mich dicht hinter seinen Rücken, lege meine rechte Hand ganz sanft wie eine Schale um seine Armkugel und betrachte gedankenverloren den Himmel. Viele Kondensstreifen kreuzen sich im Blau, verweben sich in ihrer Auflösung und werden schließlich eins mit einander und dem Blau. Es passt alles nicht zusammen. Seine Vorliebe für ganz nüchternen, zweckdienlichen Sex und ihre gehobenen Ansprüche. Aber gut, ich schaue ja nicht hinein. Vielleicht ist es ihr gerade recht. Und so gesehen, fällt mir mit leichtem Schreck ein, ist meine Geste vielleicht zu zutraulich. Ich ziehe meine Hand zurück.

Tags: