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Vorsilben und Nachwehen

Traum vom 29. Mai 2010

Fehlende Vorsilben
An die Aufforderung, die Vorsilben zu entfernen, habe ich mich seit gestern gehalten. Da vom Traum vorgeschlagen, erhoffte ich mir davon etwas, das sich als angenehme Veränderung – Verbesserung wie, wo, warum auch immer – herausstellen würde. Stattdessen erlebe ich das als herben Verlust, der mich traurig stimmt, und kann den Vorteil eines Lebens ohne Vorsilben so nicht erkennen. Aber gut, Stralsund als Ratgeber kann man nicht so einfach in den Wind schlagen.

Unter Hochdruck
Ich fühle mich rundum beschissen – im wahren Wortsinne. Mein schwarzer Longpulli ist bis hinauf zu den Achseln mit halbflüssigem Braun besprengelt. Und ich sitze das immer noch aus! Im Matrosenhäuschenbad. Das Gröbste ist wohl raus, aber ich spüre immer noch ziemlich unangenehmen Druck, den ich loswerden will. Allerdings habe ich keine Lust, diese Schweinerei noch fortzusetzen. Aber entweder es kommt mit Hochdruck oder gar nicht. Ich will um Hilfe rufen, doch mein Mund, aufgerissen wie Munchs “Schrei”, bleibt völlig stumm. Mir fehlen die Worte. Ich weiß nicht, wie man um Hilfe ersuchen muss, damit sie einem dann auch wirklich und ohne Vorwurf zuteil wird. Ach, es kommt ja weder hier noch dort etwas raus. Stille Verzweiflung und das quälende Gefühl, von etwas blockiert zu werden.

Vorwehen der Nachgeburt
Gemeinsam mit zwei Hand voll anderen Schwangeren sitze ich im Geburtshaus. Eine freundliche Hebamme leitet die Vorbereitungsstunde. Ich sitze mit angewinkelten Beinen, die Füße auf einem Stuhl vor mir abgestellt und registriere: ich trage also eine weiße Hose. In mir ein Ziehen, ein Wehen … und wieder und wieder … Die Hebamme schaut prüfend zu mir und ich erkläre: „Ich habe die Beine extra so gestellt, damit diese ihren Blick möglichst nicht behindern und sie freien Blick auf die werdenden Mütter haben.“ Die Hebamme nickt lächelnd und deutet an: „Ja, so sehe ich das auch.“ Dann fragt sie mich wegen der Wehen. Ich erzähle, mit gequältem Gefühl, dass mein Baby doch schon geboren ist. Heute, vor ein paar Stunden. Was die Wehen wohl wollen? Wir überlegen: vielleicht sind es die Vorwehen der Nachgeburt. Die Nachgeburt, vielleicht, ja … Ich bin so traurig. Diese Traurigkeit kann ich mir gar nicht erklären. Ich habe mein Baby schon bekommen, noch vor den anderen. Vielleicht. Kann sein, ich werde das Baby nachher kriegen.

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