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Nacktgebot

Traum vom 4. Juni 2010

Durch das Dunkel der Himmelskuppel dringt das Licht. Schon wieder ist das Nacktgebot ausgerufen. Das gilt vor allem für Muslimas wie mich. Mir bleibt also nichts anderes übrig, als mich dem zu beugen. So stehe ich — schlotternd vor Nacktheit — mit einigen anderen an einem öffentlichen Haltepunkt und warte auf den Einstieg. Die meisten der anderen Wartenden halten sich in eine Hausecke gedrückt, um sich vor Blicken zu schützen. Denn auch wenn das Nacktgebot gilt, so will es die Höflichkeit, dass niemand schaut und sieht. Natürlich geschieht es, es lässt sich eben nicht vermeiden. Ein junger Muslim stellt sich an meine rechte Seite, lächelt wohlwollend und herzlich und sagt freundlich, ich solle mir ruhig etwas anziehen. Ich bemerke nun gar nicht, was ich tue, so sehr erschüttern mich all die Tränen in mir und außer mir. Von Tränen geschüttelt, mit schluchzender Brust, breite ich — mit Hilfe einer fachkundigen Frau — zwei zugeschnittene Stoffteile auf dem Boden aus. Ein in Erdfarben bedruckter Stoff für eine afrikanische Tunika. Die ersten Schritte zu Erstellung meines Kleides. Natürlich zeugt es von Dreistigkeit, sich einfach zu bedecken, aber nun – auf den Gedanken gebracht! – will ich es nicht mehr anders. Kann es mir nicht mehr anders denken. Ich will nicht mehr ungeschützt sein!

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