Home » Traumtagebuch » Drei goldblonde Haare

Drei goldblonde Haare

Traum vom 3. Juni 2010

Ich nehme das quadratisch anmutende Fellknäuel hoch — es ist ein Hund — und entschließe mich, es umgehend zu seinem Herrchen zu tragen. Darauf hoffend, dass mir der Hund draußen nicht einfach davon springt und dabei womöglich unter die Räder kommt. Und, dass der Zeitpunkt der richtige ist.

Herr Lindenbaum zeigt sich freundlich und entgegenkommend. Zum Dank dafür, dass ich das Hündchen brachte, möchte er mich zu einem kleinen Imbiss einladen. Wir besteigen einen dunklen Mercedes. Da kommt Frau Lindenbaum angestürmt und sagt herablassend, sie werde mich schon noch überführen. Sie ist ziemlich sicher, dass ich sie hintergehe. Zornig greift sie durch die offene Beifahrertür an meine Kopfstütze, nimmt dort Haare fort, hält sie in die Luft und schaut mit zusammengekniffenen Augen genau hin. Das sind natürlich Haare von meinem Kopf. Drei lange, gold glänzende Haare. Das ist der Beweis! — Ein Beweis? Wie denn? Will sie die Haare womöglich analysieren lassen, um dann anhand identischer Strukturen zu beweisen, dass diese Haare tatsächlich von mir sind? Woher will sie wissen, dass es meine Haare sind? Es könnte ja ebensogut ihre Haare sein; oder die eines ganz anderen Menschen.

Im ersten Augenblick denke ich, damit fällt das eigentliche Vorhaben ins Wasser. Die ganze Sache macht mich eh betroffen und es geht mir ziemlich an die Nieren. Da sagt Herr Lindenbaum: „Kommen Sie, wir gehen jetzt essen!“ Er zeigt sich von seiner Frau völlig unbeirrt. Ich bin dankbar, dass er sich nicht so leicht von seinem Weg abbringen lässt.

Ich lenke den Wagen im Schritttempo durch Worpswede. Fahre in Richtung Zentrum – ein Zentrum, das so gar nicht existiert: eine Lichtung mitten in Worpswede. Ein Zauberort, der nur in Träumen zu erfahren ist. Tatsächlich kam dieser oder ähnlicher Ort schon mehrfach in meinen Träumen vor. Die Wege sind allesamt unbefestigt, unbegradigt, aber mit der Zeit gewöhnt man sich an diese schmalen Fahrspuren. Karen kommt des Weges. Ich befürchte schon, sie könne mitkommen wollen. Doch zum Glück kommt kein entsprechendes Signal ihrerseits und auch Herr Lindenbaum fordert sie nicht auf. Voller Fürsorge nimmt er mich am Arm und wir machen uns zu Fuß weiter auf den Weg. Was mich die ganze Zeit schon nervt und stört: ich trage eine tarn-olivfarbene Cargohose mit einem floralen Retromuster im Bereich der Schienbeine. Das Muster ist in leicht hellerem Oliv und weist mindestens eine „Prilblume“ auf. Es ist nicht die Prilblume, sondern überhaupt die Tatsache eines verwirrenden, doch eigentlich und vor allem dort überflüssigen Musters, das den Blick auf sich lenkt, ohne dass ich wüsste, warum das so ist.

Tags: