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Apfelblütenland

Traum vom 24.05.2004 – ca. 9:15 h (Worpswede):
Ich wurde durch etwas Unbenennbares in einen luftähnlichen Nichts-Zustand versetzt und dann in einen Krug gegeben. Dieser Krug ist ein bauchiger, lasierter Steingutkrug in verwaschenem Kiesgraubeige, von etwa 45 cm Höhe, mit einem tintenblauen rundum laufenden Streifen im unteren und oberen Bereich des Kruges. Auf dem Bauch des Kruges sind gelb-rotbackige Äpfel mit grünen Blättern gemalt. Nun besteht Gefahr, dass eine Schwiegermutter-Frau den Krug an die Wand schmettert – dabei würde auch ich unweigerlich zerschmettert werden, da ich wie in dem Krug enthalten bin, auch wenn ich materiell nicht vorhanden. Es ist ein dunkelhaariger Mann um die vierzig Jahre, der mich davor bewahrt, indem er das Tun der Frau verhindert.

Nun liege ich in einer weiten wunderschönen Wiesenlandschaft – Frühsommerstimmung – mit hohen Gräsern und Wiesenblumen, die sich wie Musik und Gesang wiegen – Frieden… Einheit… Fülle… Ich liege auf dem Rücken am Straßenrand im hohen Gras und es sind ein paar benachbarte Einwohner um mich herum, die einfach nur schauen was hier vorgefallen ist – es ist ja irgendwas geschehen, denn wie sonst komme ich hierher? Der dunkelhaarige Mann ist bei mir und streichelt meinen Körper. Ich liege mit angezogenen Beinen wie ein Neugeborenes – fühle mich wie ein Baby und wie in einem Babykörper – und genieße das zärtliche Streicheln. Der Mann möchte, dass ich seine Freundin bin. Das bin ich auch, ohne dass ich etwas sagen würde. Ich nehme Rolfs Stimme wahr die Zweifel daran äußert, dass ich die Freundin des Mannes bleiben werde. Rolf hat eine Landkarte dabei, auf der er zeigt, warum er Zweifel daran hat: Er hatte auch einmal eine Freundin, die lebte in Bevedingen. Auf der Karte zeigt Rolf die Distanz zwischen Bevedingen und seinem damaligen Wohnort. Ich überlege… ich kenne keinen Ort namens Bevedingen – nur Beverdingen, aber das meint er nicht. Dann kenne ich den Maßstab der Karte nicht, so dass ich nicht beurteilen kann, wie weit die Orte auseinander liegen – ob es nun 10 oder 100 km sind. Deshalb kann ich auch nicht beurteilen, ob seine Zweifel gerechtfertigt sind. Ich möchte jedenfalls die Freundin des dunkelhaarigen Mannes bleiben. Dann sehe ich den dunkelhaarigen Mann vor lauter Glück darüber mit einem vierrädrigen dunkelroten, alten Dreirad über die Wiese durch das hohe Gras radeln – er wirkt so, als würde er vor Glück stille jubeln.

Etwas Unbenennbares erinnert uns daran, dass der Sommer in den Herbst hinübergehen und alles golden färben wird. Ich liege im hohen Gras, sehe grüne Grashalme und die grünen Blätter an einem leise im Wind wippenden Zweig… ich spüre die beseelte Natur. Wie im Zeitraffer wird das Grün zu Gold… es ist ein atemberaubender Vorgang – so wundersam und so schön. Der strahlend blaue Himmel scheint wie ein schweigender Hintergrund, der dennoch eins mit dem Grün und Gold ist. So eins mit allem, wie ich mich eins mit der Natur fühle. Ich betrachte alles wie mit Augen, die zum ersten Mal die Welt sehen…

Ich liege nun an einem anderen Platz auf der Wiese – etwas von der kleinen Straße entfernt und mehr mittendrin im Grün. Über mir – weit oben – ein Blätterdach mit üppig wachsenden weißrosa Apfelblüten zwischen dem ersten Grün. Dazwischen kleine Lücken die das strahlende Blau des Himmels sehen lassen. Mein Blick gleitet die Stämme entlang nach oben, endet am Grün mit den vielen Blüten, der Himmel so blau… ich denke nichts… schaue nur… fühle mich gehalten und geborgen… warm und wohl… und bin selig… Sein…

Wilma kommt hinzu… Wir reden schweigend darüber, ob diese Landschaft schon im nächsten Jahr rotes Land – roter Sand, rotes Stein – sein wird. Ich glaube, dass es noch mindestens ein Jahr oder ein Menschenleben dauern wird, ehe die Natur sich hier so weit wandelt. Ich denke, es wird vermutlich noch viele Menschenleben dauern, bis hier alles rotes Land ist. Und ich spüre leise Wehmut… weil dieses Glück jetzt so schön ist… weil es vergehen wird… weil das rote Land auf andere Weise schön sein wird und ich das nicht mehr erleben werde… ich spüre süßen Schmerz…

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