Home » Traumtagebuch » Mit Blut geschrieben

Mit Blut geschrieben

Traum vom 19. Juni 2010

Nur wenige Augenblicke zuvor muss ich diese alte Schreibfeder entdeckt haben. Während ich die Wohnung der Gastgeber durchquere, probiere ich den Schreibfluss am Rande einer alten Zeitung aus. Es könnte ja sein, dass eingetrocknete Reste den Fluss verhindern. Doch, oh toll, nach nur wenigen Schwüngen fließt die Tinte reichlich! Was für eine schöne Tinte: von so tiefdunkler Farbe und irgendwie inhaltsschwer. Ich freue mich so sehr darüber und schon jetzt auf die Stunden des Schreibens. Ziehe dabei noch mehr Schleifen auf das Papier. Der Federhalter selbst ist sehr kurz, doch an seinem Ende beginnt ja der lange dünne Schlauch, der die Tinte zur Feder fließen lässt. Ich beachte das gar nicht weiter. Da sagt die Gastgeberin: „Ah ja, das ist noch von der Operation der Kleinen!“ Und: ich könne das ja gleich ins Bad bringen und zum Reinigen in die Wanne legen. Damit überreicht sie mir zusätzlich eine Schale, in der ein graues Stück Mutterkuchen schwimmt und ein Teil des Operationsbestecks. Der Schlauch an meiner Schreibfeder ist ein Infusionsschlauch mit Resten des Blutes, das bei der Operation, bei der Geburt geflossen war und auch jetzt noch fließt. Es war ein schwerer Eingriff: das Kind wurde, während es operiert wurde, quasi überhaupt erst geboren. Es war sein Blut, das durch die Schreibfeder floss … Das erschüttert und erschreckt mich, nie hätte ich beabsichtigt, mit dem alten Blut schwerer Not zu schreiben! Klar, ich kann das alles reinigen, aber ein gewisses Entsetzen wird wohl bleiben.

Tags: