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Filigrane Eispyramide und Quaderwolke

Traum vom 21. Juni 2010

Mein kleines Kind und ich haben uns in die Dachwohnung im siebten Stock zurückgezogen. Sie liegt in einer fremden Stadt — vermutlich an der Peripherie Kairos. Nach links der Blick zum Erkerfenster des alten Kinderzimmers. Nach rechts einige große Fenster, die einen guten Ausblick auf die still und unbelebt liegenden Straßen und Häuser gewähren. Über uns das Eckenheimer Dach. Es ist warm und trocken. Die Fassaden der zu Füßen liegenden Stadt wie in warmem Staub, in einen sandigen Farbton getaucht. In der Ferne ahnt man die Pyramiden. Doch all das nehme ich nur am Rande wahr, denn ich telefoniere mit den Älteren, erzähle vom heutigen Tage. Es ist Sonntag. Ein Sonnentag. Da bemerke ich, anfangs nur aus dem Augenwinkel, einen großen Schatten, der offenbar gerade über unser Haus hinweg zieht. Der Schatten eines riesigen Würfels! Tatsächlich: es ist eine große Wolke in Würfelform. Langsam, wie in Zeitlupe, segelt sie zu Boden und zerstiebt dort in glitzernde Wassertröpfchen, die bis zu uns hinauf hüpfen und je nach Lichteinfall in allen Farben schillern, ehe sie endgültig zu Boden sinken. Nie zuvor sah ich eine eckige Wolke mit solch eindeutigen Konturen! Dieses Ereignis flößt mir Ehrfurcht ein; ich finde kaum Worte dafür und erkläre den Älteren — damit sie einordnen können, warum ich so abgelenkt bin — ganz lapidar: „Es geht gerade eine Wolke runter.“ Ich wende mich wieder dem Gespräch zu, spüre aber gleichzeitig etwas Ungreifbares. Irgend etwas ist in Bewegung geraten … hm, keine Ahnung. Ein schabendes Geräusch über uns, wie wenn Dachpfannen zu rutschen beginnen. Das Ereignis wirft ebenso einen Schatten voraus, den ich noch vor seinem Erscheinen sehr deutlich nahen spüre. Das schabende Geräusch wird lauter und durchdringender, schon rutscht es vom Dach vor die Fenster und fällt in Zeitlupe zu Boden: eine etwa drei Meter hohe Pyramide aus einem filigranen Flechtwerk von klaren Eisröhren. Beim Aufprall zerbricht sie in unzählige Stücke wie von Eiszapfen, die bis zu uns hinauf geschleudert werden und dann in Zeitlupe zu Boden fallen, während viele der Bruchstücke vom Licht durchdrungen funkelnd aufleuchten. Als die Pyramide fällt, bemerke ich, dass ihre Spitze schon wenig zuvor abgebrochen sein muss, denn diese fehlt. Es ist ein Ereignis von geradezu bedrohlich anmutender Schönheit. So überwältigend, dass mir der Telefonhörer langsam entgleitet, während ich mit offenen Mund stehe und schaue. Ich weiß nicht, ob meine zu einem Hauch versagende Stimme noch bei den Älteren ankommt, als ich tonlos sage: „Es fällt gerade eine Pyramide von unserem Dach …“ Es ist wie ein Wunder, wie ein Traum; erschütternd. Welch ein Wahnsinn, was sich da angesammelt hatte, ohne dass wir es bemerkt hatten! Wir können froh sein, dass dabei nichts und niemand zu Schaden kommt!

Traumpfad: Der Groschen fiel langsam, als ich überlegte, wie die Traumkraft auf Kairo kommt. Aber dann fiel es mir ein: Diese Aufnahme einer Pyramide hatte ich kürzlich gesehen und war davon unerklärlich tief berührt gewesen.

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