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WM – Inseln des Blutes

Traum vom 24. Juni 2010

Diese Flugreise dauert viel länger als erwartet. Sehr viel länger! Ein Ankommen ist ja noch nicht einmal in die Nähe gerückt. Da wohl noch einige Stunden vor uns liegen, habe ich es mir im Flieger gemütlich gemacht: Ich sitze auf einem Holzstuhl mit Blick zu den Fenstern. Meine Füße sind erhöht abgestellt, die Beine angewinkelt. Vielleicht trägt diese Haltung dazu bei; jedenfalls wirken meine Schenkel sehr fest und trainiert. Das schwarze Längsmuster der schwarzen Strumpfhose umspannt angenehm meine Beine. Ich betaste dies ausführlich mit den Augen. Wenn ich schon so lange sitzen muss, soll das / ich wenigstens ein schöner Anblick sein. Dabei spielt eine angespannte Muskulatur auch eine wichtige Rolle. Und das nicht nur wegen des Aussehens, sondern überhaupt wegen der eigenen Haltung zu den Dingen.

Stunden, ungezählte Stunden vergehen; und immer noch keine Ankunft in Aussicht. Ein Stewart kommt und verteilt an den altmodischen Cafétischen Teller mit Eis. Das Eis ist portioniert und in griffig-kräftige PVC-Tütchen verpackt. Die Portionen liegen abgezählt auf den Tischen. Doch ich sehe auf einen Blick, dass auf unserem Tisch ein Beutel mehr zu liegen kommt. Sage aber nichts – die Gier, ist klar. Das Eis ist eine Geste der Entschuldigung seitens des Flugunternehmens. Ja, das Schiff hat sein Ziel noch lange nicht erreicht! Es sieht so aus, als seien wir dem auch noch kein Stück näher gekommen. Unter den Passagieren hat sich inzwischen Unruhe ausgebreitet. Einige sind aufgestanden und an Deck gegangen, sich die Beine vertreten.

An einem kleinen Stehpult, unweit des Cafétisches, steht eine betagte, wasserstoffblonde Mallorca-“Schöne“ mit speckig glänzender, sonnengebräunter Haut. Bei ihr gibt es Getränke. Und vor allem Musik. Und Tanz! Sie animiert; versucht es zumindest. Doch inzwischen werden Schlachtrufe laut: „Wo bleibt der Einsatz, Mann?!“ und „Jetz abba!!“ oder „Attacke!!!“ So langsam will man den aktiven Einsatz der deutschen Fußballer sehen! Die Stimmung wird dichter, schlägt wogende Wellen.

Ich trete hinaus, verlasse das Schiff und trete hinaus ins unheilvolle Zwielicht eines Ufers im Schilf. Stählernes Grau liegt in der Luft. Inmitten des Schilfes stehe ich auf einer kleinen schwimmenden Plattform – ein Wanken unter meinen Füßen. Schon im nächsten Augenblick gleite ich direkt in das Meer und schwimme fort. Völlig selbstverständlich. Das Wasser ist von grauem Grün und völlig undurchschaubar. Kriegsstimmung. Überall. Überall im Wasser entdecke ich Inseln frischen Blutes. Die männlichen Besatzungsmitglieder sind extrem bissig. Kaum lässt man sich ins Meer ein, da stürzen sie sich wie hungrige Haie auf einen und schlagen ihre scharfen Zähne tief ins Fleisch und reißen. Anfangs mag ich kaum glauben, dass diese Entdeckung mehr als nur eine Ausnahme ist. Doch ich entdecke immer mehr Blutinseln, die gerade erst ausströmen. Vor der Mannschaft ist man nirgends sicher. Gemächlich schwimme ich zurück zur Plattform. Zwar habe ich keine Angst, doch sagt mir die Vernunft, es sei besser, wenn man sich schnell in Sicherheit bringen könne.

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