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Bedrohlicher Dreadlocks-Senegalese

Traum vom 25. Juni 2010

Nach ewig andauernden Diskussionen zu den Farbwerten (sollte man diese verändern oder nicht?) mache ich mich schließlich — ja, ich möchte sagen: endlich! — endlich auf, die U-Bahn zu verlassen. Wir erreichen nämlich den angepeilten Zentralbahnhof, den Knotenpunkt der Stadt. Hier ist es brechend voll wie immer. Auf einem Fließband werden die Fahrgäste durch die U-Bahn bis in den letzten Waggon befördert, wo sich der Ausstieg befindet. Ich schaue aus den Fenstern hinauf zum erhöht liegenden Bahnsteig, behalte die Menschen im Auge. Da sehe ich ihn schon; meine Befürchtungen finden sich bestätigt: der alte Senegalese (über 1,90 groß und sehr schlaksig; des Käpt’ns Habitus schimmert durch) mit den angegrauten, hüftlangen Dreadlocks wartet also schon … Er steht mit dem Rücken zur Bahn, er kann mich nicht gesehen haben — die Chance, doch noch unentdeckt zu entwischen. Seit einiger Zeit ist er hinter mir her; wartet nur darauf, mich zu schnappen. Da er bisher kein Wort zu mir sprach, fand ich noch keine Gelegenheit, die Dinge klarzustellen: nämlich in erster Linie, dass ich nicht an ihm interessiert bin. So beunruhigt oder, wenn er näher rückt, ängstigt mich seine Gegenwart. Ich finde kaum Ruhe.

In der Vorhalle des Bahnhofs bemerke ich den Senegalesen zum zweiten Mal und hoffe auch jetzt, dass er mich übersieht. An einem Tresen lege ich meine Tasche ab, ziehe das rote Portemonnaie hervor, damit sich ein jeder vergewissern kann, dass ich vor der Fahrt eine Berechtigung für diese erworben hatte. Ein Öffnen der roten Börse ist also ein deutlich sichtbares Zeichen meines guten Gewissens. Ein Geschäftsreisender in sandbeigem Trenchcoat eilt herbei. Kurz zuvor hatte er bei mir einen Fünfziger gegen fünf Zehner eingetauscht. Ich schiebe die erhaltenen Zehner in das Geldscheinfach, da wirft er einen weiteren Fünfziger auf den Tresen, grabscht nach den noch verbliebenen Zehnern und steckt sie ein. Kehrt bald zurück um sich kurz zu vergewissern. Ich bin nicht ganz sicher, ob er wirklich den Gegenwert erhalten hat. Es ging so schnell! Doch mit besänftigender Geste erklärt er: „Es ist okay! Es waren ja fünf Scheine vorhanden. Wenn ich alles genommen habe, dann sind es fünf.“ — Tja, das ist die Frage: lagen wirklich noch fünf Zehner auf dem Tresen oder waren es nur vier? Doch er sagt nochmals, es stimme alles und geht dann. Nun bin ich beruhigt. Einerseits wegen des Geldes und gleichzeitig wegen des Dreadlocks-Senegalesen.

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