Home » Traumtagebuch » Selbstzünder mit brenzliger Ausdauer

Selbstzünder mit brenzliger Ausdauer

Traum vom 27. Juni 2010

Sehr spät am Abend, zu taghellen Stunden des Rückzugs allerorten, mache ich Rast im Hause Unbekannter. Eine Lehrerfamilie, die mich freundlich aufnimmt. Ich fühle mich gleich gut aufgehoben und willkommen. Doch Gastfreundschaft sollte man nicht überspannen und nach kurzer Zeit breche ich wieder auf. Im Treppenhaus der Älteren, auf dem Weg nach unten zur Haustür, begegnet mir der erwachsene Sohn des Hauses, den ich erst kürzlich als lässig improvisierenden Musiker erlebte. Sympathischer Typ.Vom Geländer, das den Flur vom Treppenschacht abgrenzt, hängt ein Holzbogen herab, der mit einem flachen Haushaltsgummiband gespannt ist. Hey cool, ein selbstgemachtes Instrument; eine Luftgitarre. Ich zupfe daran – der Klang ist gar nicht so schlecht! Oh, es gibt noch eine weitere Gitarre: Ein altes weißes Herrenoberhemd; aufgeknöpft und ebenfalls mit einem flachen Gummiband ausgestattet, das sich quer vor der Brust vom unteren Teil der Knopfleiste bis zur Kragenecke spannt. Das ist ja praktisch! Eine Gitarre zum Anziehen. Da hat man immer beide Hände frei, aber gleichzeitig doch die Möglichkeit, sofort Musik zu machen. Ich erfahre, es gibt auch selbstgemachte Tröten im Haus – sie lagern bis jetzt ungenutzt in der umfunktionierten Anna-Küche.

Schließlich trete ich durch die Terrassentür hinaus in den Hintergarten. Kaum über die Schwelle, bemerke ich eine große Konstruktion, die an der Grundstücksgrenze an der Straßenseite errichtet wurde. Welche Funktion das Teil hat, kann ich auf die ersten Blicke nicht einordnen. Nur so viel: der Hausherr ist ein Handwerksmeister (Heizungsbau), dessen Werkstatt an der Lehrerwohnung angrenzt. Die Konstruktion ist ein Vorführobjekt für seine interessierten Kunden. So können sie sich einen Eindruck verschaffen, ehe diese Funktion in ihre Häuser eingebaut wird. Offenbar wird es so integriert, dass man unter normalen Umständen gar keinen Blick darauf haben kann.
Interessant:
An der linken Seite stakst ein flach gewalztes Metallband etwa zwei Meter hoch, windet sich am oberen Ende zwei Mal spiralförmig und erinnert somit an einen alten Gasanzünder. Am oberen Punkt läuft von dort aus ein Drahtseil etwa drei Meter weit nach rechts und mündet in ein Terrassenbeet mit drei Etagen. Keine Ahnung wie, aber auf jeden Fall bin ich es, die das Ding in Gang setzt. Möglich, dass es eine Bewegung ist, die den Vorgang auslöst. Jedenfalls gibt es einen leisen Knall, woraufhin ein blauer Blitz das Metallband hinauffährt, sich am oberen Punkt mit leisem Fauchen entzündet, woraufhin sich die so entstandene Flamme auf dem Drahtseil ausbreitet und mit einem weichen Wummern eine stürmische Feuerwolke ausspuckt, die alle Pflanzen im Terrassenbeet kräftig durchschüttelt und dann erlischt. Da, jetzt – es sollte gar nicht sein! – aber erneut löste ich einen Funken aus, der nun als blauer Blitz hinauffährt, die Flammen auflodern lässt und darauf durch die Bepflanzung stiebt. Kaum geschehen, ein erneut einsetzender Vorgang. Die Pflanzen sind dadurch stark ausgedörrt und ich sehe die Gefahr, dass sie bei einem weiteren Feuerdurchlauf wie Zunder brennen könnten. Dafür war das ja auch nicht vorgesehen! Nur habe ich keine Kontrolle darüber, da ich ja nicht erkennen kann, wodurch es ausgelöst wird. Ich will hier nichts kaputt machen, bin sehr in Sorge. Doch der Handwerksmeister gesellt sich in aller Seelenruhe an meine Seite, raucht ein Pfeifchen und schaut dem Treiben schmunzelnd zu. Okay, dann ist es jetzt wohl Zeit, sich zu verabschieden. Auf Wiedersehen!

Tags: