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Grelles Klirren

Traum vom 6. Juli 2010

Kaum ist die Vorschule zu Ende, da kommt die Aufnahmeprüfung, unerwartet. Meiner kleinen Tochter werden Aufgaben oder Fragen gestellt, die sie sehr leise beantwortet. Dem praktischen Teil ist sie wohl gewachsen, aber sie wirkt sehr scheu und unsicher. Wir hatten ja auch mit solchen Anforderungen gar nicht gerechnet. Der Prüfer sitzt in der Ecke und immer, wenn meine Tochter zu ihm geht und die Lösung präsentiert, gibt er ihr eine neue Aufgabe – unermüdlich. Es nimmt kein Ende. Irgendwann geht meine Tochter einfach nicht zu ihm zurück. — Nach einigen Minuten gehe ich zum Prüfer. Der liegt inzwischen murrend unter einem französischen Bett. Ich lege mich auf den Bauch, robbe zu ihm, hole mir tadelnde, zornige Worte, die meinem Kind gelten. Mit ruhigen freundlichen Worten suche ich ihn zu besänftigen, hauche diese wie Küsse auf seine nackten Unterarme. Bald schaut er mit großen Augen, so als glätte sich etwas in ihm gesund. Wir küssen uns mit Freude – haben ineinander einen Freund gefunden. Dann robben wir beide unter dem Bett hervor, um gemeinsam an die kommenden Aufgaben zu gehen.

Mitten in der Stadt wird ein großer Festumzug erwartet. Bis zu diesem Zeitpunkt, dem Eintreffen an einem Haltepunkt, lenkte ich das Fahrzeug auf ziemlich verpennte Weise – weder war mir bewusst, dass meine weibliche Herkunftsfamilie mitfährt, noch dass ich überhaupt ein Auto lenke! Wo ist bloß Vater? Hält ihn ein Skatspiel an anderem Ort? Okay, wenn die Frauen alle nach Hause gefahren werden wollen, so bietet mir das gute Gelegenheit, ebenfalls heimzukommen, ohne mich umständlich nach einer anderen Reisemöglichkeit umzusehen.

Dann geht alles schnell.Weit in der Fremde sammeln sich Fremde und ich in einem Haus in weitem Land. Ein großes Naturereignis steht kurz bevor. Bis zu diesen Sekunden ahnte ich davon nichts. Da! Ein unvorstellbar lauter Knall, mit einem extrem grellen Klirren einhergehend, so als träfe ein harter Blitz den Erdkern und damit auf unerbittliche Härte. Die darauf folgende Stille ist unfassbar … weitet den Raum in einer Art, die spürbare Unsicherheit aufkommen lässt. Wo ist mein Kind? Suchend schließe ich die Augen. Da sehe ich sie schon vor meinem inneren Auge: um die Ecke im angrenzenden Raum auf einer langen Bank, ganz links. Ich eile zu ihr, nehme sie bei der Hand. Wohin nun? Das Zentrum des Unwetters hat uns noch gar nicht erreicht – wer weiß, was uns noch erwartet. Mit der Kleinen an der Hand gehe ich einen Raum weiter. Dort sitzen unbekannte Mitmenschen. Die meisten von ihnen halten einen großen Umschlag in den Händen, der ihre wichtigsten Lebenspapiere enthält. Es ist ein Umschlag in dunkel- und hellgrau. Ein weißer Ring verrät, dass diese Arbeit eine Versicherung aus Solothurn verrichtet hat. Oh, sie sind alle so gut vorbereitet. Schüchtern erkläre ich einigen: „Ich hatte das Geld nicht, mir diese Unterlagen zusammenstellen zu lassen.“ Naja, eine wirkliche Entschuldigung ist das nicht. Ich frage mich, ob man mit den wichtigsten Papieren in der Hand weniger Angst vor Naturkatastrophen hat? Nein, ich kann es mir kaum vorstellen. Einzig vielleicht, dass man sich damit sicherer fühlt, sollte man das alles überleben. So stehen einem wenigstens die wichtigsten Basisinformationen zur Verfügung, die einen Neuanfang ermöglichen. Mir bliebe in einem solchen Falle nichts. Ich spüre, wie dieser Aspekt ein wenig zu meiner Verunsicherung beiträgt und setze den Weg mit meiner Tochter fort. Einen Raum weiter setzen wir uns – einigen Männern gegenüber – auf einen sonnenwarmen Steinblock. Anfangs überlege ich, ob diese Annäherung an die mir unbekannten Männer nicht etwas dreist ist, aber sie reagieren so freundlich und mit wohlwollenden Blicken auf unser Hinzukommen, dass ich gleich meine Vorbehalte aufgeben kann.

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