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Sticheleien am Auge

Traum vom 3. April 2009

Es ist soweit, ich setze mich auf den Behandlungsstuhl im OP. Die Oberärztin und ein paar Assistenten beginnen sogleich mit der Arbeit. Es geht ziemlich hektisch zur Sache, was ich als wenig vertrauenserweckend erlebe. Zuerst soll die Betäubungsspritze am Auge gesetzt werden. Die Ärztin sagt, dies sei die einzige wirklich schmerzhafte Angelegenheit bei diesem Eingriff. Sie will die Injektionsnadel ansetzen – am rechten Auge, am äußeren Augenwinkel, genau am Übergang von Augenhöhle zu Gesichtsknochen. Wider besseren Wissens versuche ich zwei oder drei Mal meine Hand schützend an diese Stelle zu legen. Ungeduldig fordert die Ärztin mich auf, dies sein zu lassen. Mir ist auch klar, dass ich damit den Ablauf nur behindere, aber der Impuls war so stark, dass ich ihn erst einmal nicht unterbinden konnte.

Einstiche am AugeDann ist es schon vorbei. Die Ärztin beginnt mit dem Einspritzen der Lösung. Dies geschieht an zwölf Punkten, die gleichmäßig verteilt in Form eines Halbmondes am äußeren Augenwinkel liegen. Das ist rasch erledigt. Schon bekomme ich die Betäubungsspritze für das linke Auge. Doch die Behandlung findet ein jähes und unerwartetes Ende. Ich bleibe allein im OP zurück.

Was tun? Einerseits möchte ich diese unangenehme Sache heute endlich hinter mich bringen. Andererseits bin ich gar nicht so sicher, denn ich weiß nicht, welche Lösung mir am rechten Auge gespritzt wurde. Vermutlich Botox! Wenn das so ist, wäre das wirklich äußerst beunruhigend. Denn wer weiß, welche Wirkung es unter der Oberfläche zeigt? Womöglich zerfrisst es Gewebe und Knochen? Alles, was unter der Oberfläche wirksam ist, ohne dass man einen Blick darauf werfen könnte, finde ich beunruhigend. Okay, wenn es wirklich Botox ist, dann müsste sich jetzt aber auch erst einmal der positive Effekt an der Hautoberfläche zeigen. Für einige Augenblicke wird mir ein runder Taschenspiegel vorgehalten, so dass ich mein behandeltes Auge kurz betrachten kann. Ja, das Gewebe rund um das Auge ist geschwollen, wodurch die Fältchen natürlich verschwunden sind. Das ist ja auch das, was mit Botox bezweckt wird, wenn ich das richtig weiß. Es ist richtig zu sehen, wie mir diese Lösung das Auge geöffnet hat. Nur, um welchen Preis?

Ich möchte diese Sache zu Ende bringen. Es kann ja wohl nicht sein, dass man mir die Betäubungsspritze setzt, ohne die Behandlung folgen zu lassen?! Ich steige vom Behandlungsstuhl und gehe in den angrenzenden Raum zum Tresen der Anmeldung. Dort arbeitet ein etwa vierzigjähriger Mann mit geziertem Verhalten, sehr freundlich und sich offen zuwendend. Ihn frage ich: „Wird das linke Auge heute noch behandelt?“ Meine Stimme zittert, droht zu brechen, Tränen brennen in den Augen, meine Nase ist verschnupft, ein Kloß im Hals. Erst durch diese Empfindungen wird mir bewusst: ‘Ich bin ja völlig mit den Nerven runter!’
„Nein, heute nicht mehr“ antwortet der Mann.
Ungläubig erkläre ich: „Aber ich habe bereits die Betäubungsspritze an dem Auge bekommen!“
Der Mann verschwindet in einem der Praxisräume.

Kurz darauf taucht die Ärztin wieder auf, tritt an den Tresen und sagt: „Dies bekommen sie erst beim nächsten Mal, wenn sie bezahlt haben.“ Mit diesen Worten schraubt sie einen Glastiegel auf, der mit eigens von ihr angerührter Heilcreme gefüllt ist. Eine Creme, die mit reichlich Goldflitter angereichert ist. Diese soll vor allem auf den Hautbereich mit den 12 Einstichen aufgebracht werden, weil dies die Heilung begünstigt. Wie die Ärztin da so mit der Creme steht, hat sie etwas Hexenhaftes… – ihre knochigen Gesichtszüge, die spitze Nase, ihre furchige Haut, ihr lauernder Blick.

Ich krame in meiner Handtasche, kündige sofort an: „Ich habe was dabei!“ Daraufhin setzt sich die Ärztin am Ende des Tresens auf einen Stuhl, so als sei dort ein Kassenbereich. Ich stelle die aus der Handtasche entnommenen Klarsichtbox mit bunten Heftzwecken vor mir auf den Tresen, fummele den Deckel auf, während die Ärztin den Zippverschluss eines Plastiktütchens öffnet, um die Heftzwecken darin aufzunehmen. Bei meinem Versuch, alle Heftzwecken auf einmal in die Hand zu nehmen, um sie mit einer Bewegung in den Beutel der Ärztin rutschen zu lassen, fallen ein paar davon zu Boden. Mindestens eine davon bleibt mit der Spitze nach oben liegen; die übrigen entziehen sich meinem Blick. Nun bereue ich meine Gedankenlosigkeit. Etwas so Spitzes und Scharfkantiges ist einfach ungeeignet für den Handel und Austausch. Da fühlt sich der andere ganz schnell angegriffen und von einer Verletzung bedroht. Ich hätte besser Büroklammern nehmen sollen. Die hätten sich besser in der Hand angefühlt und ich hätte sie mit einem guten Gefühl weiterreichen können. Doch die Hexenärztin schaut ungerührt – ihr sind auch Heftzwecken lieb, so stelle ich ungläubig fest.

Notiz:
War gestern ziemlich unzufrieden mit dem Ergebnis der OP und meiner neuen Brille.

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