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In der wüsten Stadt

Traum vom 10. Juli 2010

Noch immer Aufenthalt in einer Wüstenstadt am Meer. Sandfarben, alles. Es ist heiß, die Luft trocken und doch schwer. Ich würde gerne noch weiter gehen, die Erkundung der Stadt ausdehnen, träge die Gegebenheiten erkunden. Rechts Meer. Es zieht mich geradeaus nach links – dort würde ich gerne schauen, ob ich alte Schreibfedern finde! Ich habe welche unterschiedlichster Art vor Augen. Doch bin ich in Begleitung und es gibt andere Ziele, die auch für andere interessant sind.

Ein letztes Mal, ein letzter Blick den breiten Fahrweg entlang zu den herrschaftlichen Häusern der stillen Stadt. Vielleicht noch einmal zum Meer? Als ich in den kleinen Querweg zum Strand einbiege, treffe ich auf eine Mitreisende und auf einen Elch. Na, ich hatte völlig vergessen, dass es in der Wüste Elche gibt. Was für ein goldiges Tier! Ich will gleich ein Foto davon machen. Neugierig kommt der Elch auf mich zu, mit großen Augen. Was für ein schönes Tier; sein Fell hat die Farbe von weißem Sand. Und sein Geweih so weich wie aus schwarzem Filz; so auch seine drollige Stupsnase. Ich kann den ganzen Elch kaum fassen, so nahe kommt er. Immer nur ein Teil von ihm ist auf dem Bild. Ja, an diesem Ort gäbe es noch viel zu sehen. Leises Bedauern.

Ich lenke das Auto mit den „Mädels“ in die Stadt, die der Wüstenstadt entgegen liegt. Wir kommen an und verbringen gut gelaunt schöne Stunden im Hotel. Allerdings geht es einer von uns, nämlich Kristin, ziemlich schlecht. Sie muss heftig kotzen. Wir übrigen Mädels unterhalten uns über die Tatsache, dass uns drei Toiletten zur Verfügung stehen. Ahnungsvoll springe ich auf, um mir einen Eindruck vom gegenwärtigen Zustand dieser zu verschaffen. Ach du liebe Zeit! Die mittlere Toilette ist völlig blockiert. Kristin hat ihre rosaroten Federbetten zum Aufwischen des Erbrochenen genommen und dieses anschließend ins Klo gestopft. Dazu noch einen Berg zusammengeknüllter Papiertücher. Da geht gar nichts mehr! Auch die anderen beiden Toiletten sind in Mitleidenschaft gezogen, funktionieren aber noch. Na, das soll Kristin mal allein in Ordnung bringen! Es ist ja klar, dass bei dieser Hitze so viel Alkohol … naaaja! Zurück zu den anderen Mädels. Inzwischen sind einige Jungs hinzu gekommen. Einer von ihnen lässt mich kaum aus den Augen, nutzt jede Gelegenheit, mir zuzulächeln. Die anderen Mädels wundert das. Er erklärt: „Ja, mein Freund hat echtes Interesse an ihr. Ganz im Ernst: sie gefällt ihm total gut!“ — Oh, das freut mich; zumal mit zunehmendem Alter solche Situationen seltener werden.

Später, am Abend, im Foyer. Sabine läuft hier schon länger rum. Eine dicke Säule steht mitten im Raum, behindert ein wenig die Sicht. Ich erkenne aber, dass Sabine sich zu Rainer setzte – dass er auch hier ist, hatte ich überhaupt nicht erwartet – und sich für den heutigen Abend mit ihm verabredet. Trägt er Weiß? Ich habe so sehr schwarze Kleidung erwartet, dass ich das Weiß nicht erkennen kann oder dass es eh eine optische Täuschung ist, weil ich nicht richtig hinsehe. Das irritiert mich etwas. Während ich in einer dunklen Nische irgendwelche Sachen ordne, höre ich Rainer erzählen, dass er zur Veranstaltung am Abend eine liebe Freundin in Begleitung habe: Black Suzie. Ja, dass ihm die feurigen Spanierinnen eh am meisten zusagen. Gleich darauf erklingt eine kurze Gesangseinlage von Black Suzie. Eine kraftvolle dunkle Stimme, soulig. Wow, wirlich toll, so gebe ich neidisch vor mir zu. Ich fühle mich bleicher als je zuvor.

Rainer ist fort und ich trete zu Sabine. Lockerflockig berichtet sie, Rainer habe erzählt, er habe uns bereits bei unserer Ankunft gesehen. Ach du liebe Zeit! Nach der langen Reise sah ich ziemlich zerknautscht aus. Außerdem hatte ich schlechte Laune, als ich die Koffer durch die Hitze des Tages zum Fahrstuhl trug. Mürrischer Gesichtsausdruck – na, tolle Wurst, so ein erster Eindruck. Schrecklich, am liebsten würde ich unsichtbar werden. Da kann ich ihm heute Abend nur aus dem Weg gehen, damit ich nicht in die unangenehme Situation komme, von ihm abgewiesen zu werden. Oje. Sabine erzählt vergnügt weiter, er habe sie gefragt, ob sie im gleichen Alter wie ich sei. „Stell dir vor, da habe ich zugestimmt! Ich habe nicht gesagt, dass ich zehn Jahre älter bin“ ergänzt Sabine lachend. Und: „Du bist mir deswegen doch nicht böse?!“ – Nö, bin ich nicht. Ist ja eh schon alles egal.

In einem abgelegenen Nebenkorridor finde ich mich wieder. Komme gerade zu Bewusstsein und stelle bestürzt fest, dass ich Moina während der unbewussten Zeit die Haare geschnitten habe. Ja, ich habe fast ihren ganzen Kopf kahl geschoren. Oje, die schönen langen Haare! Das ist ja furchtbar! Meine zur Schale geformte Hand gleitet über den samtig glatten Kopf. Nur ein schmaler Haarstreifen am Hinterkopf – der sehr an eine Schamhaarfrisur erinnert – und eine ausgedünnte Strähne sind geblieben. Allen Mut zusammennehmend erkläre ich Moina, was ich getan habe. „Macht nix, schneide doch den Rest auch noch ab!“ meint sie locker. — „Alles abschneiden?“ — „Na klar!“ — Erstaunlich, mit welchem Gleichmut sie solch drastische Veränderungen hinnimmt…

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