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Mc Michigans Leichen im Tropenhaus

Traum vom 13. Juli 2010

Ich könnte nicht sagen, was mich in Mc Michigans Haus getrieben hat. Klüger wäre gewesen, es ganz zu meiden. Doch nun bin ich hier, in diesem abgelegenen Haus im tropischen Urwald.

Erst kürzlich hatte ich in meinem anderen Blog einen langen Beitrag über Mc Michigan geschrieben, den man endlich wegen seiner Schandtaten überführt hatte. Die Kripo entdeckte in seinem Hinterhaus eine große Gefriertruhe voller Leichenteile. Mc Michigan hatte in der Vergangenheit eine Reihe von Menschen ermordet und verschwinden lassen. Nie war ihm jemand auf die Schliche gekommen. Deshalb berichten nun auch alle großen Zeitungen von den neuen Entdeckungen. Ich hatte einen solchen Zeitungsartikel zitiert und mit einigen weiterführenden Links angereichert.

Das kleine Haupthaus Mc Michigans habe ich in Windeseile durchquert. Gerade noch, dass ich Mc Michigan wie seinen eigenen Geist durch das Haus „wehen“ sah. In seinem etwas zu engem staubigen Anzug, mit dem ollen Zylinder mit dem sternenbannernem Hutband ähnelt er verblüffend Abraham Lincoln. Natürlich ist er es nicht, ist ja klar. Da er und ich uns auf verschiedenen Bewusstseinsebenen bewegten, bemerkte er mich trotz direkter Begegnung nicht. So konnte ich diesen schwierigen Punkt meistern und ungehindert in das Hinterhaus gelangen.

Das Hinterhaus liegt inmitten des feuchten Urwaldes, mit einer Reihe von Fenstern über den Labortischen. Hier steht auch ein Rechner, an dem ich gerade tätig bin. Hektisch – da ich ständig denke, im nächsten Augenblick bei meinem Tun ertappt zu werden – checke ich meine Blogbeiträge; die Reihenfolge der Einträge. Um zu sehen, was Mc Michigan über mich herausfinden könnte. Mir ist bewusst, dass zeitgleich Mc Michigan am Rechner sitzt und mir vielleicht schon auf der Spur ist. Der aktuelle Beitrag zu dieser Sache prangt auf der Startseite. Oje, das fällt ins Auge. Ich habe mehrfach seinen Namen genannt, ein Bild von ihm eingestellt, die Taten beschrieben – ihn also quasi in aller Öffentlichkeit schuldig gesprochen. Angenommen, er wäre nicht schuldig, so bliebe er dennoch schuldig. Wenn er herausfindet, was ich getan habe, dann wird er mich womöglich abmurksen. Ich sollte so schnell wie möglich hier verschwinden. Blöd ist, dass es nur diesen einen Weg hinaus gibt, und der führt direkt an Mc Michigan vorbei. Aber vielleicht weiß er ja auch noch nichts? Ich drücke mehrfach den Back-Button des Browsers, um zu schauen, welche Blogseiten in der Chronik stehen. Angenommen, er checkt seine Logfiles, dann könnte er unter Umständen sehen, was ich gerade am Rechner mache … Vorsorglich mache ich keine Klicks mehr mit der Maus. Keine Aktivitäten innerhalb des Systems! Stattdessen steuere ich den Browser mithilfe eines silbernen Pen mit Laserlicht. Ich muss halt sehr nachdrücklich das Licht auf den Back-Button halten, damit die „Mattscheibe“ durchdrungen wird. Aber hey, es funktioniert! Ich bin ziemlich zuversichtlich, denn ich glaube, lichtgesteuerte Signale hinterlassen keine Spuren. Es wäre ja ziemlich blöde, wenn meine Kontrollbesuche auf meinem eigenen Blog erst den Weg zu diesem offenbar werden lassen.

Inzwischen spüre ich Mc Michigans Zorn, höre ein zischendes Knurren zwischen seinen zusammengepressten Zähnen. Das macht mir Angst – womöglich wird er sich gleich auf mich stürzen!

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