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Leuchtendes Himmelgrau

Traum vom 17. Juli 2010

Zusammen mit zwei Frauen sitze ich an einem kleinen Tisch. Die Idee wird spontan umgesetzt: wir zeichnen ein Objekt ab, ohne dabei auf das Papier zu schauen. Hey ja, das gefällt mir; diese Sache hat mich erst kürzlich beschäftigt. Ich betrachte das Profil der Frau an meiner rechten Seite. Hmm… sie scheint mir nicht so gut geeignet zu sein; irgendwie etwas zu schwierig zu zeichnen. Vielleicht die Frau an meiner linken Seite… Sofort erkenne ich, dass sie mich zeichnet. Doch wie sehe ich aus? Wie ein blonder Wikinger mit Helm. Im dämlich offenen Mund vier schiefe, kreuz und quer stehende hässliche Zähne. Die Zeichnung amüsiert mich, macht mich gleichzeitig unangenehm betroffen. Naja, dann will ich mal weitermachen, etwas unternehmen.

Es bleibt nicht mehr viel Zeit; es sollte aber noch für eine kleine Erkundung reichen. Auf dem Weg hinaus zur Terrasse, bemerke ich den von Feuchtigkeit durchdrungenen rohen Boden. Das Hotel ist zum Teil zerfallen, auch die Terrasse besteht nur noch aus den Resten eines römischen Geländers. Der nächste Schritt führt direkt zum Strand. Der Sand ist körnig, feucht. Eine kleine, sanft geschwungene Bucht liegt vor mir. Der Himmel hängt tief über uns; verschiedene Grautöne, teils zartrosa angehaucht, wie von hinten durchleuchtet und aquarellartig ineinander zerfließend. Die späte Stunde…. – ein Dämmerzustand: feucht und dicht, von Ungewissem durchdrungen. Mann und Kind sind weit voraus; schwarze Schattenrisse vor dem Horizont.

Da entdecke ich in einer Ecke am Geländer ein Stück graue Strickware. Halb im Sand vergraben, von Meerwasser durchtränkt. Ich ziehe es hervor, halte es anfangs für einen Putzlappen, herausgetrennt aus einer alten Strickjacke. Erkenne dann, dass es eine vollständige Strickjacke ist und dass noch eine zweite Strickjacke in dunklerem Grau dabei liegt. Alles klatschnass und sandig. Die Jacken gehören den beiden Männern, die in dem ehemaligen Arbeitsgebäude, das knapp fünfzig Meter hinter meinem Rücken steht, lagern. Nachdem sie ihre Jacken im Meer durchtränkten, quetschten sie sie zusammen und verbuddelten sie. Allein der Gedanke, dass es in wenigen Stunden muffig riechen würde, lässt einen solchen Geruch in meine Nase steigen.

Die Jacken, die beiden Männer dort hinten… ein Gefühl großer Bedrohung geht damit einher, obwohl die Männer jetzt schlafen. Die Männer sind Wachhunde, die – sollte ich sie wecken – sich auf mich stürzen und zerfleischen werden. Möglich, dass die Männer zwei schlafende Hunde dieser Art haben, aber wahrscheinlicher ist, dass die Männer selbst Hunde sind. Rasch, ich will sehen, dass ich die Gefahrenzone verlasse.

So geschehen. Ich stehen mitten in der Bucht. Das leuchtende Grau des Himmels, diese Feuchte in der Luft, diese weiche weiße Gischt auf dem wild heranspülenden Meer… es hat etwas Unwirkliches, so als sei alles beseelt und lebendig. Jeder Felsen, das was unsichtbar in der Luft hängt, einfach alles… Das Licht ist fantastisch, ich möchte mich daran betrinken. Schade, meine DigiCam liegt im Hotel. Ich eile also zurück. Als ich dort eintrete, bin ich mein eigener Mann und sehe meine Frau (ein anderes mich) und mein Kind dort am Frühstückstisch sitzen.

Auf dem Weg zurück zum Strand. Meine Frau sitzt gedankenverloren. Sie wirkt überhaupt etwas verloren, in unbewusste Traurigkeit gehüllt. Wie fern ihr Blick… Sie kaut langsam, immer wieder innehaltend. Ich schleiche mich hinter ihrem Rücken vorbei, damit sie mich nicht bemerkt, während das Gefühl, ihr Mann zu sein, sehr präsent und wichtig ist. Ja, ich will ungestört mein Vorhaben umsetzen und ungestört ein paar Aufnahmen in der Bucht machen.

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