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Dicke Klüsen beim Klassentreffen

Traum vom 24. Juli 2010

Ein mehrtägiges Klassentreffen in bergigem Land. Ich würde mich sehr gerne zu meinen ehemaligen Mitschülern gesellen, aber es gibt ein Problem:

Vor einigen Stunden hatte ich auf eine Sache ziemlich kindlich reagiert, war zu allem Überfluss dann noch in Tränen ausgebrochen und hatte daraufhin stundenlang heftig geweint. Nun sind meine Augen so geschwollen, dass ich die Lider – sie sind wie Lippen so dick – nur mit Mühe offenhalten kann. Ich kann also kaum sehen. Mal ganz abgesehen davon, dass ich so total hässlich aussehe. Da aber alle mitbekamen, dass meine Reaktion wirklich unreif war, die geschwollenen Augen deshalb auch kein Mitgefühl auslösen, sondern im Gegenteil daran erinnern, dass ich mich total daneben benommen habe, wird dann auch niemand etwas mit mir zu tun haben wollen, der beim Anblick meiner Augen daran erinnert wird. Blöd, ausgerechnet jetzt, wo ich sie alle mal wiedersehen könnte.

Nach einer Weile entscheide ich mich, trotz Bauchgrimmen, dafür, Ablehnung und Abweisung zu riskieren und zu den Mitschülern zu gehen. Eine Mitschülerin, die meine Gedanken mitbekommt, rät allerdings besorgt davon ab. Egal, ich will sie alle wiedersehen.

Die alte Klasse ist eh gespalten. Zur linken Seite, vor dem Hintergrund einer nichtssagenden hellen Wand eine Handvoll der langweiligen und eher ruhigen Vertreter meiner Klasse. Das wirkt so öde… da zieht mich nichts hin. Die stellen eh nichts auf die Beine. Gut fünfzig Meter entfernt an der rechten Seite die übrigen Mitschüler an einem schnell fließenden Bach am Rande eines Urwalds. Der Bach ist von Brennnesseln gesäumt. Alle arbeiten an einem Vorhaben. Die wissen was sie wollen, können auch gemein, hinterhältig und schadenfroh sein. Und doch ist genau dort Action angesagt; Spannung und Lebensfreude. Natürlich zieht es mich auf diese Seite! Auch mein alter Klassenfeind Lothar ist dort. Noch ein Grund mehr, mal näher zu gehen. Seine wasserhellen Augen blitzen abwartend.

Doch wenige Meter, bevor ich das Grüppchen am Urwaldbach erreiche, mache ich – ohne dass ich den Grund benennen könnte – einen kleinen Bogen, der also an ihnen vorbei führt, noch ehe ich direkt dort war. Kann sein, ich weiche wegen meiner dicken Klüsen aus. Die Mitschüler winken, rufen mir zu, ich solle doch kommen – und sei es, damit sie jemanden haben, den sie ärgern können. „Ich will nur schnell noch Brennnesseln pflücken!“ rufe ich zurück. Mit den Fingernägeln knipse ich die einzelnen Brennnesseln knapp über dem Erdboden ab und stelle sie in den roten Plastikeimer, so als ernte ich frische Pfefferminze. Es ist auch so, dass die Brennnesseln eine erfreuliche und wichtige Ernte darstellen.

Dann der Weg zurück zur Herberge. Die Gruppe am Bach hat mein Interesse völlig verloren. Außer Sichtweite von dort angelangt, beginne ich den roten Plastikeimer kräftig zu schwenken. Links von mir eine Steilwand. Dort geht es gut tausend Meter in die Tiefe. Das hübsch hügelige, vor allem grüne Tal liegt vom Dunst blassgezeichnet. Mein Plastikeimer ist randvoll mit nassem Kompost gefüllt: Eierschalen, vergehende Gemüsereste, Pisse und Matschtomaten. Mit einem Schwung schütte ich die stinkende Plörre ins Tal. Erst als es geschehen ist, fällt mir ein, dass ein Wanderer oder Bauer davon getroffen werden könnte – die Idee, wie jemandem die Matschtomaten auf den Kopf flatschen. Zu spät, daran hätte ich früher denken sollen! Das ist mir sehr unangenehm. Ich versuche mich damit zu beruhigen, dass sich der Inhalt auf dem Weg zum Tal in eine sprühende Wolke ausgedehnt haben dürfte und deshalb niemand konkret mitbekommt, dass ich meinen Mist über die Menschheit ergossen habe. Mag sein, dass der strenge Geruch kurz aufmerken lässt, aber die Menge dürfte so gering sein, dass… Naja, hoffen wir mal, dass es niemanden trifft!

Zurück auf dem Gelände der Herberge. Vor dem Gebäude ein Zollwärterhäuschen. Einige Mitschüler stehen davor, einige darinnen. Sie winken mich gutgelaunt herbei und fragen, ob ich bei einer lustigen Sache mitmachen wolle. Ja! Ich soll zu meinem Ex gehen, Haltung einnehmen, militärisch grüßen, ihn dann auffordern, strammzustehen und ihn fragen, ob er gewillt ist, in Zukunft besser zu spuren. Natürlich ist das eine ernste Frage, auch wenn es uns ein Spaß ist. – Interessante Sache, aber… „Hey, wie sieht die gewünschte Haltung aus? Wie ein militärischer Gruß? Wie steht man stramm?? Klar, ihr seid beim Bund, für euch ist das keine Frage, aber ich kenne mich damit gar nicht aus!“ – Die Jungs demonstrieren also ausführlich, wie das alles auszusehen hat. Toll, nun weiß ich Bescheid.

Leider ist mein Ex nicht mehr dort, wo ich ihn vermutete. Nun, dann muss ich ihn suchen. Allerdings überlege ich unter diesen Umständen, die Sache gleich aufzugeben, da es ja nur um einen Spaß geht. Doch da entdecke ich ihn und frage, ob er meinen Anweisungen mal kurz Folge leisten wolle. Neugierig geworden schaut er mich an und stimmt erfreut lächelnd zu. Er steht allerdings hinter dem Tresen in dem eh schon engen Zollwärterhäuschen. Zuwenig Bewegungsspielraum. „Das ist zum Strammstehen zu eng.“ erkläre ich. „Ach, es ist zu umständlich, wegen dieser Sache extra über den Tresen zu klettern.“ überlege ich laut. — „Nö“ meint er „das ist okay!“ — So gebe ich also die Kommandos und er folgt brav. Das ist eine sehr lustige Sache, die mich mehrfach ein wenig zum Lachen bringt. Gleichzeitig und eher unterschwellig spüre ich, dass in mir ein Gefühl der Sicherheit und Entschlossenheit heranwächst. Dennoch ist es doch ziemlich blöde, meinen Ex herumzukommandieren – ein Sache, die ich nun doch in Frage stelle. Mir vergeht rasch die Lust an einem solchen Theater.

Ich werde von einer Mitschülerin ermuntert, die von mir gewünschten Kontakte entstehen zu lassen. Sie hat ja recht, wenn ich etwas erreichen will, dann muss ich aktiv werden. Doch, nach wie vor, klappen mir die megaschweren dicken Augenlider immer wieder zu. Es bereitet große Anstrengung sie offen zu halten. Kurz sehe ich meine leuchtend grünen Augen.

Traumpfad:
So sahen die Augenlider aus. Dieses Video sah ich am Tag vor dem Traum.

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2 Antworten zu Dicke Klüsen beim Klassentreffen

  1. Ich glaube, nach dem Video träume ich nächste Nacht auch schlecht. Kuriose Idee, die Münder dort hineinzumontieren.

  2. Als ich das Video sah, dachte ich auch, dass ich bestimmt davon träumen würde. Das denke ich allerdings öfter, ohne dass es tatsächlich so wäre. Das hier war allerdings wirklich beeindruckend.
    Ja, eine kuriose Idee, aber ich dachte dann so bei mir, dass es eigentlich auch wieder naheliegend ist, wegen der Mund- und Augenformen. Naja, lieber Haare auf den Zähnen, als Zähne in den Augen. ;-)