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Nicht witzig, gar nicht!

Traum vom 3. August 2010

Gerade in der neuen Künstlerwohnung Fuß gefasst, meine Habseligkeiten noch gar nicht alle eingeräumt, erreicht mich ein Anruf von Alex. Ich stehe vor dem langen Arbeitstresen mit Blick in den noch unbekannten Raum. Anfangs lasse ich mich auf seinen schnoddrig-pseudowitzigen Ton ein, mache mit und genieße den kraftvollen Schlagabtausch. Gerade will ich auf seine letzte Anmerkung reagieren und erklären, dass ich mir natürlich nicht das Wort verbieten ließe. Doch ich komme nicht dazu, denn Alex lässt einen recht lauten Kehlton entstehen. Anfangs denke ich noch, er will mich damit necken. Doch er hört nicht auf. Nach einer halben Minute Dauerton ärgert es mich, da ich doch eine so schlagfertige Antwort auf Lager habe, die ich jetzt endlich mal loswerden will. Es ist nicht so, dass ich ihn nicht unterbrechen wollte, allerdings müsste ich dazu lauter werden. Und ich habe keine Lust, gegen seinen Dauerton zu lärmen, nur damit er mich hört. Nach einer Minute legt sich mein Ärger, ich entspanne mich und denke: ‘Okay, dann warte ich einfach schweigend ab, bis er endlich genug davon hat. Die Genugtuung, dass ich laut werde, gönne ich ihm nicht. Ich verhalte mich völlig lautlos. Minutenlang… es ist nicht mehr witzig. Ich werde nicht auflegen. Irgendwann wird sein Ton leiser, verklingt… Da der Ton nicht abrupt endet – was für mich gleich einem Zeichen wäre, dass der Raum für mich nun frei ist – sondern fließend in Tonlosigkeit übergeht, ist meinem Empfinden nach der Raum immer noch von ihm belegt. Ich weiß, dass das Blödsinn ist, kann da jetzt aber nicht aus meiner Haut. Lege den Hörer ganz vorsichtig, ohne ein Geräusch zu verursachen, auf die Ablage und werde mich nun abwenden. Soll er doch glauben, ich harre da immer noch der Dinge. Blödmann!

Später sitze ich im Font einer Limousine. Neben mir sitzt Meike in ihrem „Brautkleid“. Wir werden zu einer nicht näher benennbaren Angelegenheit chauffiert. Sie fragt, ob ich mal wieder was von Alex gehört hätte. — „Allerdings! Was ich Dir jetzt erzähle, behalte aber bitte für Dich. Ich möchte nicht, dass Wilma davon hört, denn sie würde ihn ja gleich anrufen und zur Rede stellen.“ Ich möchte allerdings, dass er im Glauben bleibt, mit seinem Schwachsinn keinerlei Eindruck erweckt zu haben, der auch nur die leiseste Erwähnung wert wäre.

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