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Tiefrote Samtkerzen

Traum vom 8. August 2010

Es geht darum, ein Brautpaar auf eine höhere Ebene zu heben. Dies geschieht mittels zweier Bleistiftskizzen: schnell hingeworfene Figuren im „Crack-Style“ mit leicht „droped eyes“. Grob umrundet ausgeschnittene Figuren, deren Körper mit von Kindern ausgeschnittenen Ovalen, aus hell- und mitteltürkisem Tonpapier, bestückt wurden – in Bauch, Oberarmen, Brust und Gesicht. So gelingt es am Ende tatsächlich, sie in den Zug zu heben.
Ein dreiarmiger Kerzenhalter aus glänzendem Silber trägt tiefrote Kerzen in Rosenblütenform aus zutiefst samtigen Wachs. Diese Kerzen, dieser Leuchter sind ein Symbol für ein sehr besonderes Ereignis.

Den Zug betreten. Moina sitzt bereits auf einer der alten Holzbänke, wie in einem Waggon dritter Klasse, und blickt gedankenverloren aus dem Fenster. Sie wartet darauf, dass ich mich zu ihr setze. Doch die soeben zugestiegene Zugbegleiterin hält mich auf, bittet um unsere Fahrerlaubnisse. Ich reiche ihr meine EC-Karte, die mein Kind und mich zugleich ausweist. Doch sie akzeptiert dies nicht und meint, es seien unzureichende Beweise: „Das beweist doch nicht, dass das wirklich ihr Kind ist!“ — „Ich bin von je her mit dieser Karte gefahren; stets ohne Probleme“ rechtfertige ich mich ein wenig bestürzt. Jeder, der kontrollierte, akzeptierte diesen Beweis ohne Zweifel anzumelden. Doch diese Zugbegleiterin schüttelt den Kopf, studiert weiter meine Karte mit sichtlich gleichem Ergebnis: Die Karte gibt keinen Hinweis darauf, dass es sich tatsächlich um meine Tochter handelt. Ja, womöglich beweist sie noch nicht einmal meine Identität. Unendlich erschöpft bitte ich die Umstehenden um Hilfe. Es sind ja auch einige meiner Verwandten darunter. Doch je nachhaltiger ich um Unterstützung bitte, mich verständlich zu machen suche, desto kläglicher wird meine Stimme. Zu schnell verliere ich auch noch die übrig gebliebene Kraft. So reagiert niemand auf meine Bitte, doch zu bezeugen, dass sie meine Tochter ist. Die stumme Verzweiflung raubt mir die Sinne, meine Beine geben nach, ich sinke langsam zusammen. Da ist mit einem Male die Zugbegleiterin entschwunden und es geht weiter.

Am Zielbahnhof ausgestiegen, ist die Zugbegleiterin jedoch sofort wieder zur Stelle, nimmt Moina selbstverständlich an die Hand, um mit ihr zu gehen und sie ihrer Erziehungsberechtigten zuzuführen. Komisch, so denke ich in erster Verbitterung, da fragt jetzt keiner nach Berechtigungen! Keiner kommt auf den Gedanken, an eine Entführung zu glauben.

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