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Gemeiner Schnurfüßer

Traum vom 23. August 2010

Eine kleine Veranstaltung in einem kleinen Zelt. Rund zwanzig Menschen – einige von ihnen kenne ich zumindest vom Sehen – sind zusammengekommen. Mir gegenüber steht Anton. Ich erkenne ihn nicht. Auch nicht, nachdem er mir freundlich zugewunken hat. Ich sehe einen unauffällig attraktiven Mann, aber dies auch, ohne dass es mir wirklich bewusst wäre.

Später. Links neben mir steht mein Kumpel. Direkt hinter dem Stuhl auf dem Anton sitzt. Mein Kumpel erzählt meinem Vater lauthals: „Marianne hat Anton nicht erkannt!“ — Peinlich. Anton dreht sich um, schaut meinen Kumpel mit einer hochgezogenen Augenbraue an. — Anton! Natürlich! Das ist Anton! Deutlich sehe ich das Hemd aus violettem Stoff mit rautenförmigem Webmuster, das er zu seiner verwaschenen Jeans trägt. Wie ich Antons stille und zurückhaltende Art immer schätzte! Wie schön, ihn so unerwartet wiederzusehen. Leider gibt es jetzt keine Gelegenheit, ein paar Worte mit ihm zu wechseln, denn gleich wird eine Aufführung beginnen.

Eine Viertelstunde später gibt es Gelegenheit für die Gäste, sich beim Poledance zu erproben. Anton springt an die Stange, umklammert diese mit den Beinen und legt sich seitwärts. Wow! Klar, er ist ungeübt und rutscht gleich zu Boden. Trotzdem bewundere ich den Mut für einen solchen Sprung. Er verliert kein Wort dabei; bescheiden wie immer. Das gefällt mir so, dass ich ihm gerne ein Stück aus der Tüte mit den Madeleines anbieten möchte. Allerdings habe ich die Tüte bereits vor längerer Zeit geöffnet. Soweit möglich, stecke ich mein Gesicht hinein, um mich zu vergewissern, dass das Gebäck nicht von Ungeziefer befallen ist. Hmm… sah ich da nicht eine kleine Bewegung in der Tüte? Eine Madeleine kollert beiseite… von selbst, oder war dort eine Bewegung? Mit einem Mal – ich reiße entsetzt meinen Kopf nach hinten – entrollt sich die Bewegung zu einem fiesen etwa dreißig Zentimeter langen Schnurfüßer! Mit ausholenden zackigen Bewegungen entfleucht er. Igitt! Wäre ich vor Ekel nicht erstarrt, so könnte ich nicht aufhören, mich zu schütteln. Der Schnurfüßer eilt davon – keine Chance, ihn einzufangen.

Ich laufe zu Mike, der hinter einem kleinen Elektrogrill steht und in einer Pfanne würzige Fleischstücke für die Gäste brutzelt. Gerade will ich ihm von dem scheußlichen Ungeziefer erzählen, da taucht der Schnurfüßer schon auf. Inzwischen aufgeblasen zu einer rosigen Kreatur, die an einen kleinen Dinosaurier erinnert und einen Veitstanz vollführt. Mit Zackenflossen auf dem Rücken, die sofort an seine unzähligen spitzen Füße erinnern. Sein kleines Gesicht zu einer hässlichen Grimasse verzogen. Seine Haut ist so dünn und gespannt wie die eines prallen Luftballons, und doch bläst es sich immer weiter auf, hebt fauchend seine Vorderpfoten. Mit einem Male springt ein kleiner Waschbär hinzu und beißt das Ungeziefer in aller Gemütlichkeit in den dicken Rücken. Der aufgeblasene Schnurfüßer platzt und verspritzt dabei eine glasklare Flüssigkeit, die mir giftig und außerordentlich übelriechend erscheint, auch wenn ich das jetzt nicht sicher weiß. Unter Hochdruck spritzt die Flüssigkeit bis in die Pfanne hinein. Ich sehe mit Sicherheit, dass ein nicht unerheblicher Teil auf den Fleischstücken landet. Boah, das ist voll ekelig!! Um kein Aufsehen zu erregen – schließlich entsprang dieses ätzend-gemeine Tier ja meiner Gebäcktüte, und ich bin somit dafür verantwortlich, dass dieses Ungeziefer überhaupt am Leben ist – flüstere ich Mike leise zu: „Du darfst von dem Fleisch niemandem etwas geben! Auf gar keinen Fall!“ Doch erstens hört Mike mir kaum zu und versteht deswegen auch meine Aufregung nicht, und zweitens hat er von der Sache nichts mitbekommen. Auch ist eh nur eine knappe Menge Fleisch vorrätig. „Glaube mir!“ flehe ich ihn an „Bitte, das darf niemand essen!! Wer weiß, welche Substanzen diese Flüssigkeit enthält?“ Der Schnurfüßer hat sein Leben längst versprüht. Seine schlaffe Hülle liegt leblos am Boden. Er ist prompt in sich zusammengefallen. Keiner hat es mitbekommen. Voll ekelig. Brrrrhhh! Allein die Vorstellung, jemand könne von dem Fleisch noch essen, ist mir zutiefst zuwider.

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