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Sportliches

Traum vom 29. August 2010

Gerade füllte ich zwei Gläser mit Sekt, um mit Mike auf ein erfreuliches Ereignis anzustoßen. Da fährt die U-Bahn ein, auf die wir bereits den ganzen Vormittag gewartet haben. Auf dem Bahnsteig drängen sich die Menschen. Offenbar sind eine Reihe von Bahnen ausgefallen. Da, eine zweite und dritte Bahn reihen sich an die zuerst eingefahrene. Mike und Moina sind in der Menschentraube verschwunden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie in eine der Bahnen eingestiegen sind und wir uns dann am Ausstiegspunkt wieder finden werden. Ich steige ein, die Fahrt beginnt – meine Familie ist tatsächlich nicht dabei, was mich nun doch unerwartet traurig stimmt – Verlustängste. Im Abteil sitzt ein etwa vierzigjähriger Asiate auf der Holzbank und bietet mir freundlich einen Platz auf seinem Schoss an. Nach kurzem Zögern nehme ich sein Angebot an und bereue es nicht. Es ist ein guter, warmer Platz, von seinen starken und doch sanften Armen weich umfangen und gehalten, kann ich mich tief entspannen, wie ein gehaltenes Kind. Keiner von uns spricht.

Wir erreichen die Ausstiegshaltestelle und es kommt Bewegung in die Menschen. Während der Asiate und ich uns voneinander lösen, singe ich ein Fußballfanlied. Dabei zähle ich Namen einiger Fußballspieler auf, unter anderem ‘Hostmann’, dessen Name im Refrain mehrfach fällt. Daraufhin beginnt der Asiate amüsiert in sich hineinzukichern und erklärt: „Aber der Hostmann, das bin ja ich!“ — Peinlich, wie dumm ich nun dastehe! Eigentlich kannte ich ja seinen Namen, doch war mir dieses Wissen nicht präsent. Ich lache unsicher auf und sage: „Naja, dann singe ich eben ‘Hoeneß’.“ Oje… „Zu dumm, ich kenne nur die Namen der alten Spieler! Es ist zu lange her, dass ich mich dafür interessiert habe.“ Schwach, echt schwache Leistung. Vor allem wenn ich bedenke, dass ich dessen ungeachtet laut losgegrölt habe, was ja gar nicht nötig gewesen wäre. Wie kam ich überhaupt dazu?

Endlich ausgestiegen stelle ich mit dumpfem Gefühl im Magen fest, dass weder Mike noch Moina zu sehen sind. Ein gedankenloser Griff in die Tasche meines Trenchcoats, ein beiläufiger Blick auf mein Handy. Oh, es kam ein Anruf von Mike. Das hatte ich bei all dem Lärm nicht gehört. Sicherlich hatte er absprechen wollen, wo wir uns treffen wollen.

Ein Aufenthaltsraum im Keller. Die Kaffeetafel für die Turner ist gerade beendet; in einigen Minuten beginnt die Sportstunde. Oje, das hatte ich völlig vergessen. Bin darauf gar nicht vorbereitet. So stehe ich noch nachdenklich zwischen den Kaffeetischen, als die anderen bereits in die Umkleide gegangen sind. Ich habe keine Sportkleidung dabei, nur mein Handtuch mit dem Kieser-Schriftzug. Den aufkommenden Gedanken, einfach in Straßenhose zu turnen, verwerfe ich gleich wieder. Bei Kieser ist es auch nicht erwünscht, sich mit hartnähtigen Jeans in die Maschinen zu setzen, weil die Polster dadurch zu schnell abnutzen. Doch mein Blick geht an mir herunter und: hey, ich trage ja eine Sporthose. Bisschen ausgewaschen und labberig das Teil, aber geeignet. Schnell laufe ich hinüber in die Turnhalle. Beim Blick hinein durch die Tür, kommt es mir vor, als lohne sich der Einstieg gar nicht mehr. Aber nein, mir fällt ein, dass die Stunde immer mit einer Aufwärmphase beginnt, die gut eine Viertelstunde in Anspruch nimmt. Die eigentliche Turnstunde dürfte also gerade erst begonnen haben. Fast alle stehen noch Schlange vor dem Sprungbrett. Okay, ich ziehe den Trenchcoat aus, lege ihn klein und ordentlich zusammengefaltet auf einen Tisch in der Ecke, mache mir Sorgen um das darin enthaltene Portemonnaie und dass ich einen Gegenstand auf diesen Packen legen sollte, um es zu verbergen. Doch mein Hin und Her zieht mehr Aufmerksamkeit auf sich, als wenn ich den Trenchcoat einfach abgelegt hätte. Egel, ich will endlich turnen, meine Kraft und Beweglichkeit spüren. Welche Übung steht eigentlich an? Mal sehen… Die Übungen dienen der Kontrolle, ob man in der Lage ist, einen Schritt zu machen, der ausholend und von der Reaktionszeit her schnell genug ausgeführt wird, um einen Ampel-Zebrastreifen bei plötzlichem Grün im Stechschritt der Beatles so rasch zu überqueren, dass man weder sich noch andere in Gefahr bringt. Für jeden Turner werden die persönlichen Einstellungen ermittelt: Unter Berücksichtigung der ermittelten durchschnittlichen Schrittlänge, wird der Abstand des Sprungbrettes ausgerichtet. Dann sollte der Turner — so er in der Lage ist, seine Kraft optimal einzusetzen — bis hin zu der Kunststoffleiste springen können, die wenige Zentimeter über dem Boden in die Wand eingelassen ist. Das ist das Ziel. Bin schon sehr gespannt!

Traumpfad:
Fußball und Sprache (pdf)

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