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Sexen

Traum vom 12. September 2010

Mit der Frage, welchen der beiden Badeanzüge ich tragen sollte – ja, ob ich überhaupt einen unterziehen sollte – lande ich im Haus der Großeltern. Es sieht ganz anders aus, anderer Grundriss der Räume und so fort, aber das bemerke ich nicht. Auch die Stimmung ist heiterer und lebendiger, als jene, an die ich mich erinnere.

Inzwischen habe ich eine geringelte Strickstrumpfhose angezogen. Sie ist in wunderschönen Herbstfarben gehalten: Goldgelb, Waldgrün, Rostrot, Hellbraun, Nussbraun, Cremeweiß. Vor einem großen Spiegel hebe ich den kurzen Rock, kontrolliere den Sitz an Schenkeln und im Schritt, und bin angenehm überrascht: sie sitzt wunderbar, das Material riecht gut und die Maschen sind gleichmäßig und fest, und geben den Beinen hübsche Konturen. Ich gehe zwei, drei Schritte zurück, vermutlich um alles in voller Pracht zu bewundern… Wie enttäuschend! Mit etwas Abstand gesehen: das sieht ja total bescheuert aus. Die Beine wirken so gestaucht, als seien sie keinen halben Meter lang. Das geht gar nicht! Etwas unentschlossen gehe ich hinüber zur der dem Spiegel gegenüber liegenden Raumhälfte und ziehe die zum Korridor führende Tür ran. Der Versuch, sie geräuschlos einrasten zu lassen, scheitert. Das alte Türblatt – mit grauer Farbe bestrichen sieht sie aus wie jene im Elternhaus, die von der Waschküche zur Abstellkammer führt – sitzt unter leichter Spannung, weshalb sie dazu neigt, aus ihrem Rahmen zu hüpfen. Das ist blöd, denn ich will mich auf die Toilette setzen, was Großvater nicht bemerken soll – keinen schlafenden Löwen wecken! Ein weiterer Versuch… Ah, gelungen. Die Tür ist zu dieser Seite mit einigen Tütchen Fruchtgummi – Tuttifrutti und Colorado – bestückt. Sicherlich hat Großmutter dies hier bevorratet, damit man etwas zwischen den Zähnen hat, wenn die Sitzung auf der Toilette mal länger dauert. Ich halte nicht viel davon. Während ich mich auf die Toilette setze, changieren Szenerie und Geschehen…

Völlig unerwartet bin ich in einem Künstlerhäuschen untergebracht. So wie ich das einordne, kam ich wohl hierher, weil ich mich spontan zu einem Kurs angemeldet hatte – keine Ahnung, ob das so ist, welcher Kurs und sowieso und überhaupt… Es sind einige Teilnehmer eingetroffen, die ich zum Teil kenne; darunter ehemalige Klassenkameraden. Am späten Nachmittag wird dann wohl der Kurs beginnen.

Im Nebenraum. Hier liegt unser Gastgeber, der Kursleiter und Künstler – er ist Zauberer, Stand-up-Comedian und Tierarzt aus der Provinz zugleich – am Boden. Liegt da mit angezogenen Beinen wie ein Embryo mit geschlossenen Augen, einem dunklen Lederhut auf dem Kopf, und spielt Violine. Anfangs klingt es noch nicht gut, doch dann hat er schnell den Bogen raus. Herzzerreißende Klänge erfüllen den Raum. Mein Körper wiegt sich sachte dazu. Mehr gegen meinen Willen, denn ich möchte um keinen Preis auffallen, verlagert sich bald mein Körper von einem auf das andere Bein, wodurch der schwingende Stoff an meinen nackten Waden zu spüren ist und mich gewahr werden lässt, dass ich heute meinen schwarzen Rock mit Rosenblütenmuster trage. Darüber bin ich an sich richtig froh. Nur dieser Rock passt zu dieser Situation – ich kann mir nichts anderes vorstellen. Eine der Teilnehmerinnen, eine Mittfünfzigerin, sitzt am Tisch, wiegt ihren kräftigen Oberkörper, die Augen geschlossen. Ich glaube, unser Künstler-Kursleiter erwähnte mal, er suche Erfahrungen mit üppigen Frauen – …vielleicht wäre sie sein Typ? Kurz verspüre ich Erleichterung, verspräche das doch, dass sich die Aufmerksamkeit nicht auf mich richten würde, was mir unangenehm wäre, eben weil ich diesen Rock trage und er nun denken könnte, ich habe diesen angezogen, um ihm zu gefallen. Inzwischen umschwingen mich Rockstoff und Klänge so intensiv, dass ich das starke Bedürfnis verspüre, mich im Tanz zu drehen, mich davon bewegen zu lassen wie eine Blume im Wind. Aber damit setzte ich mich in Szene. Ich versage es mir, und bedauere es – denn: wie schön das jetzt wäre!

Dann auf der Toilette unseres Künstlers. Die Benutzung seiner Toilette ist nicht selbsterklärend. Vielleicht um sie auch für Behinderte nutzbar zu machen, wurde eine zusätzliche Konstruktion eingebaut, die man erst einmal vom normalen Toilettenbecken fortschieben muss, um da heranzukommen. So schiebe ich diesen Kasten mitsamt seinen Haltegriffen und -stangen Richtung Wand und Waschbecken. Dabei droht ein Teil des dekorativen Inventars herunterzufallen. Ganz vorsichtig und langsam schiebe ich das Teil und stehe dann schließlich vor dem Spiegel, um all die hübschen Kleinteile so auf dem kleinen Vorsprung zurechtzurücken, dass sie nicht mehr fallen können. Dabei glaube ich mich vor einem Spiegel und erst als ich eine Bewegung sehe – der Künstler kommt nach Hause, und ich blicke aus dem ersten Stockwerk hinab in den Hof – wird mir klar, dass es ein Fenster ist. Der Künstler hat mich bemerkt und wird vermutlich den Eindruck gewonnen haben, ich schnüffele in seinen Badartikeln herum.

Dann im Erdgeschoss. Unser Künstler kniet neben der Dachbodenleiter, sichtet und ordnet gerade die auf dem Dachboden lagernden Papiere. Rund um ihm her Unmengen Dokumentenstapel und Hefter. Bald im angrenzenden Raum: Die ersten Teilnehmer, der Künstler und ich treffen zusammen. Zum Glück ist der Künstler nicht böse, selbst wenn er mich nach wie vor der Schnüffelei verdächtigte. Er kündigt den baldigen Beginn des Kurses an und fragt, ob wir es für gut halten, wenn wir uns nachher alle duzen würden. „Ach!“ antworte ich neckend „heutzutage ist doch Siezen das neue Duzen?!“ Der Kursleiter schaut mich überrascht und einen Moment lang sprachlos an, fragt dann aber zuvorkommend: „Wir wollen nun Sexen?“ — Ich muss lachen, und stimme spontan zu: „Jaaa, meinetwegen lassen Sie uns Sexen!“ Damit lege ich einen Arm um seine Taille und ziehe ihn kurz und herzlich an mich. Gerade als ich mich wieder lösen will, legt er seinen Arm um meine Taille und drückt mich an sich. Mehrfach greift er nach und stellt innigen Kontakt sicher. Oh, das fühlt sich aber verdammt gut an.

Später stehe ich allein und nachdenklich in meinem Zimmer. Dem Ortsempfinden nach die Küche im Haus der Großeltern, aber offensichtlich mein Hotelzimmer mit einem Bett, wo früher der Spülstein war. Ja, ich kann mir gut vorstellen, gleich Sex mit ihm zu haben. Das ist sicher schön. Nur… da war doch was? Ich kann mich im Moment nicht genau erinnern, aber mir ist so, dass – wenn man einen Partner hat – man nicht fremdgehen sollte. Nur kann ich mir nicht erklären, warum das so ist. Es muss doch einen Grund dafür geben, wenn es sich verbietet!? Also: es wäre ein Genuss, es täte mir gut und steigerte mein Wohlbefinden sehr. Warum sollte das ein anderer nicht gutheißen? Hmm… egal, mir fällt es nicht ein. Aber mir fällt etwas anderes ein: Dieser Künstler, der hat viele Frauen. Womöglich hole ich mir bei inniger Vereinigung eine Krankheit an den Leib? Nee, das wäre mir der Spaß nicht wert. Ach… und überhaupt… erst einmal abwarten, ob es überhaupt so weit kommt.

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