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Eindimensionalität

Traum vom 29.01.2005:

Räume, die mit einer gewissen kerzenlichtenen Feierlichkeit gefüllt sind. Einer der Räume nebenan, kleiner… hier hat dieses warme Licht seinen Ursprung. Hier sitzen an einem langen naturbelassenen Tisch all die Träumer nah beisammen und sind lebhaft in eine Unterhaltung vertieft… und ich höre freundschaftliche Stimmen in behaglicher Tonlage, die einander offenbar immer neue Anregungen geben, so dass die Unterhaltung wohl mal ein wenig anschwillt oder abnimmt, aber niemals verstummt, niemals zu laut wird. Die Träumer, sie sitzen nah beieinander, die Köpfe vorgebeugt, einander freundlich zugewandt – interessiert, wohlwollend, sich geborgen fühlend… wie eine große Familie.

Hier… ein großer Raum… leer. Die Stimmen der Träumer dringen zu mir, berühren mich, wecken eine ruhende Sehnsucht in meinem Herzen… schmerzliche Traurigkeit, oder trauriger Schmerz? Ich wünschte, ich wäre dabei! Ich wünschte… ach ich wünschte, ich wäre eine von ihnen! Ach, ich wünschte… einer würde bemerken, dass ich nicht dabei bin. Mit traurigem Gefühl überlege ich, dass es keinen Unterschied machte, wenn es jemand bemerkte, denn… es änderte ja nichts! Denn ich müsste mich trotzdem um Moina kümmern und hätte jetzt keine Zeit, mich dazu zu setzen. Inzwischen bin ich schon so lange nicht mehr dabei, dass ich mich wohl auch fremd unter ihnen fühlen würde… Und vielleicht könnte ich gar nicht mehr mitreden…

Ja, Moina ist wach und braucht noch längere Zeit meine Zuwendung und Aufmerksamkeit. Während die Träumer längst beisammen sitzen, bin ich bis jetzt noch nicht einmal dazu gekommen, mich umzuziehen, trage immer noch meine Alltagshausklamotten, auf denen Moinas Händchen ihre Breispuren hinterlassen haben. Und, was mich noch betretener macht, meine ollen abgetretenen, abgewetzten Filzlatschen, die ich nun schon trage, seit Moina zu mir kam. Ich fühle mich ungepflegt, von mir übersehen und zurückgelassen. So, wie ich jetzt aussehe und mich fühle, gibt es gar keinen Weg in den Raum der Träumer!!

Oh, Klausbernd sitzt ja mitten in diesem großen leeren Raum…! Wohl auch schon ein wenig länger, wie ich erst jetzt bemerke. Er sitzt auf dem Fußboden, seine Beine lang vor sich ausgestreckt und hat Moina vor sich auf seinen Knien sitzen, hält sie bei den Händen – sie spielen. Moina lächelt, und lacht mit blitzenden Augen, kreischt manchmal vor Vergnügen. Klausbernd lacht sie so lieb an, dass es mich etwas wundert… Sie ist doch die Tochter einer langweiligen, grauen Hausfrau und Mutter, die noch nicht einmal mehr zu den Träumern gehören kann. Es wird wohl so sein, dass auch er sich gleich erheben und von uns abwenden wird, denn… Ich hänge noch meinen Gedanken und Gefühlen nach, bin ratlos, was ich tun könnte. Solange Moina mich so sehr braucht, sehe ich keinen Weg in den Raum der Träumer. Ich weiß gar nicht, was ich denke, und worüber ich nachdenke, bin nur in Gedanken versunken… tauche nun wieder aus ihnen auf. Inzwischen haben sich Klausbernds und mein Standort verlagert – er sitzt mehr am Rande des Raumes, spielt noch mit Moina und ich gehe bei ihnen ein wenig hin und her – ständig bereit, Moina sofort zu übernehmen, wenn Klausbernd zu den Träumern gehen will. Nun betrachte ich Klausbernd näher, weil mich etwas wundert: Seine Haare sind länger als zu dem Zeitpunkt, da ich ihn zuletzt sah… längeres, und volleres Haar und so weich gewellt… hmmm, er schaut ein wenig verändert aus, und die Augen leuchten besonders bemerkenswert. Er schaut mich freundlich an… und ich lese in seinen Augen, dass mit mir etwas ist, was womöglich besser, fortschrittlicher oder entwickelter sein könnte… aber was ist es? Ich weiß es nicht! Oh, ich weiß es doch nicht!!! Am liebsten möchte ich weinen, aber warum weinen, wenn ich nicht weiß warum ich weine?
Klausbernd nickt bestätigend – so als habe er meine Gedanken erkennen können, die mir bis jetzt verborgen blieben: „Deine Eindimensionalität (Anm.: im Sinne von Fantasielosigkeit verstanden) hat auch mich ein wenig überrascht.“ Er wirkt sachlich, ehrlich und wohlwollend. Seine Aussage… sie kommt einer inneren Vernichtung gleich. Ich weiß, er lässt es mich nur deshalb wissen, weil er es gut mit mir meint, sonst würde er mich mit diesem traurigen Umstand nicht konfrontieren. Hilflos, mutlos, kraftlos und resigniert… so fühle ich mich nun. Keine Chance mehr, meine Illusion zu halten… und ich schäme mich meiner Eindimensionalität… Klausbernd wendet sich mir lächelnd zu, streckt einen Arm aus und legt ihn um meine Schulter, drückt mich kurz und sagt: „Aber das ist doch gar nicht so schlimm.“ Es tut gut, dass er das auch wirklich so meint.

Seit einem Weilchen schon bemerke ich eine Katze, die immer wieder dazu ansetzt, mir in die rechte Ferse zu beißen. Ich versuche ihr auszuweichen, denn ihr verspieltes Gezerre nervt mich, behindert mich beim Gehen, macht mich gereizt. Da ich aber nicht ganz bei der Sache bin, weil mich doch diese Angelegenheit mit den Träumern so beschäftigt, kann ich sie nicht konsequent abschütteln, und so bleibt sie mir natürlich auf den Fersen. Nebenbei wundere ich mich, dass Klausbernd immer noch in diesem leeren Raum bei mir ist. Bei den Träumern ist es doch interessanter?! Hier ist doch nichts los?!

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