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Durchlässig

Traum vom 18. September 2010

Es geht um meine Wohnung, die komplett umarrangiert und mit Fremden belegt ist. Jetzt erinnere ich mich: das geschieht nicht zum ersten Mal! Ja, vielleicht ist es sogar ein sich wiederholendes jährliches Ereignis. Bis zu diesem Augenblick konnte ich mich nicht daran erinnern, dass mein Haus zum großen Teil aus Zeltelementen besteht. Zwei Mauern, die sich mittig kreuzen, sind die einzig statischen Teile. Heute ist mein Haus also in mehrere Mannschaftszelte aufgeteilt, in denen einige Familien untergekommen sind. Für mich bleibt kein ruhiger Platz; was mich nun doch etwas traurig stimmt. Vielleicht gibt es ja doch irgendwo ein Plätzchen…

Ich durchquere eines der großen Zelte.Viele Jungen, etwa acht Jahre alt, kommen mir entgegen. Alle tragen helle Pyjamas. Ihre blonden Haare sind frisch gewaschen. Sie blicken mich fragend mit offenen Augen und Mündern an. Es ist dieser Geruch frisch gewaschener Kinderhaare, der ein immer weiter werdende Öffnung in der greifbaren Realität entstehen lässt. Ich spüre, dass es leicht wäre – ja eigentlich nur Hingabe an diese Möglichkeit – durch dieses Schlupfloch hinüber in Grenzenlosigkeit zu gehen. Dieser Duft… welche Durchlässigkeit….aber ich könnte den Halt verlieren, den Boden unter meinen Füßen… Gleichzeitig beginne ich zu verstehen: Die Eltern sorgen dafür, dass sich ihre Söhne die Haare an jedem Abend waschen, weil sie im Glauben sind, nur dann für eine weitere Nacht hier Obdach zu finden, wenn die Haare frisch gewaschen sind. Ich kann das gar nicht so recht glauben… welch ein Duft… Leicht irritiert verlasse ich das Zelt an anderer Stelle…

Im vorderen Zelt. Den „Hühnergott“ sah ich bereits vorhin schon. Doch da war er so in eine Unterhaltung vertieft, dass eine Begrüßung nur störend gewesen wäre. Jetzt sehe ich ihn also ohne Begleitung. Irgendwie klar, dass er an dieser Con teilnimmt. Dafür hat er sich in Schale geschmissen: enge Lederhose, ein weites helles Oberhemd, Lederjacke und -hut. Erfreut gehe ich auf ihn zu. Dennoch fällt unsere Begrüßung zögerlicher als üblich aus. Keine herzliche Umarmung – vielleicht wegen all der Menschen um uns her – stattdessen führen wir unsere Fingerspitzen und Ränder unserer Handteller vorsichtig aneinander. Eine langsame Bewegung, die eine gewisse Zielstrebigkeit verlangt – ungewohnt für mich, ich fühle mich ungeschickt. „Ich habe Dich vorhin schon gesehen, doch ergab sich keine Gelegenheit…“ erkläre ich. — „Du wohnst hier, oder?“ fragt er. — „Ja, es ist kaum noch zu erkennen“ bestätige ich, fast erleichtert, darüber sprechen zu dürfen. „Im Flur zeugt noch ein Mauerkreuz davon, dass es wirklich meine Wohnung ist – dort ist der Bereich mit meiner Wohnungstür.“

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