Home » Traumtagebuch » Gestalten

Gestalten

Traum vom 25. September 2010

Während einiger Nachtstunden zeichnete ich Bilder menschlich anmutender Gestalten. Meist von eher kleinerer Statur mit bemerkenswert großen Füßen in viel zu großen Lumpenschuhen. Mit den letzten Strichen nahmen die Zeichnungen lebendige Gestalt an und füllten sich mit ineinanderfließenden Aquarellfarben.

In den Stunden vor Sonnenaufgang bemalte ich ein Stück sehr weiches, grob gewebtes, fast fadenscheiniges Tuch. Das Portrait eines Mannes (Erlebnisgastronomie?), das ich bereits vor Wochen gekritzelt hatte, nahm nun weichere Züge und fließende Farben an. Gerade betrachte ich mein fast fertiges Werk mit einer gewissen Zufriedenheit, tupfe noch einen Rest überschüssiger Nässe vom Gewebe, da tritt Mike hinzu, kritisiert, es sei zu viel Farbe in einem Bereich und gibt etwas Wasser darauf, woraufhin die Farbe sich auflöst und fast verschwindet. Schnell tupfe ich mit Küchenkrepp das Wasser ab, doch das ist längst durch das Gewebe hindurch und bildet nun von unten her eine Blase, die ich auszudrücken versuche, wobei ich viel der Farbe fortnehme. Oh Schreck, dadurch gerät noch mehr Wasser auf das Bild! Und ehe ich mich versehe, sind alle Farben fort! Es bleibt ein Stück weißes Tuch. Ich muss ganz von vorne beginnen.

Eine weite Ausstellungshalle. Einige Künstler und ich nehmen an einem wichtigen Lehrgang teil. Jeden von uns wurde ein Teil der Ausstellungshalle zur Verfügung gestellt. So steht es mir frei, einige der mobilen Wände zu gestalten, wie es mir beliebt. Ich malte mit Wasserfarben in Schwarz und in Grautönen viele Fotografien, die ziemlich realistisch wirken, gleichzeitig aber doch gemalt aussehen. Ich trete einen Schritt zurück, betrachte… Nein, das gefällt mir alles gar nicht! Ich beginne alle Motive mit Wasser abzuwischen. Doch warum nur an der Oberfläche arbeiten? Wenn schon, denn schon: Ich werde also auch die zugrunde liegenden Tapeten abnehmen und direkt auf dem Putz neu beginnen. So verstreiche ich mit einem großen Pinsel eine dicke Schicht Kleister auf die Oberflächen, bis sich die Tapetenschicht löst und ziehe diese dann in großen Stücken ab. Gut, die Arbeit vieler Stunden ist damit entfernt, aber nun kann ich von Grund auf neu beginnen, was mir gefällt. Dummerweise kommt ausgerechnet jetzt meine Lehrmeisterin – die Weberin von Louis Pasteur – um zu schauen, was ich gestaltet habe. Ich erkläre, alles verworfen zu haben, um nach stundenlangen Schaffen doch noch neu zu beginnen. Sie deutet auf zwei Gegenstände in meinem Bereich der Stellwände: zwei luftige, unbestückte Gestelle – eines in hängender Form, wie für Magazine; eines ein kleines Karussell, wie für Postkarten. Ja, das will ich gar nicht entfernen! Ich will das bereits Vorhandene in mein Gesamtkunstwerk integrieren! Es geht mir nicht um Veränderung im Sinne von Verschiebung, sondern um Neugestaltung. Die Lehrmeisterin deutet auf das Drehgestell und schlägt vor: „Das könnten Sie vielleicht in eine Hand umgestalten – mit offener, nach oben gerichteter Handfläche und sternenförmig gespreizten Fingern. Und das“ – sie weist auf das Hängedings – „könnten Sie zu einem Gebiss ausgestalten.“ — Ach nee! Das ist mir viel zu langweilig. Ich möchte etwas Unerwartetes. Grusel- und Geisterbahnmotive sind doch voll langweilig.

Tags: