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Der Tote auf düsterer Eisinsel

Traum vom 8. Oktober 2010

… Doch dann nehme ich das Foto doch noch in die Hand, um es näher zu betrachten. Bauchdrücken macht es mir und am liebsten schaute ich nicht hin. Was kann man von einer düsteren Aufnahme wie dieser schon erwarten, außer noch mehr Trübsinn. Tiefes Wattegrau eines dunklen Tages. Nanu, was ist denn das? Womöglich hatte die Person nicht einmal bemerkt, dass sie eine Person ablichtete, so dunkel war es dort. Auf dem Bild, da liegt ein Mann! Er strandete an eine der unzähligen Inseln Grönlands und steckte seinen Kopf in die dicken Schneeschichten und ertrank. Mag auch sein, dass das Eis noch nicht dort war, als er sich dem Tode hingab, er aber darauf vertraute, dass die Eisschollen ihn schon bald bedecken würden, damit niemand dahinter käme. Unwahrscheinlich, dass es je entdeckt worden wäre… es sieht ganz danach aus, als dokumentiere allein dieses Foto dieses heimliche Geschehen. Sonderbar auch, dass die Natur ihn, oder auch seinen Tod, nicht bedecken will. Wie sonst lässt sich erklären, dass nur sein Kopf im Eis liegt? Mit dumpfem Druck im Bauch suche ich nach Worten. Die anderen an meiner Seite… sie müssen doch erfahren, was geschehen ist. „Schau… oder sehe nur ich das so? Da liegt doch ein Mann in Grönlands Eisinseln?! Ist er tot? Was denkst du?“ Doch meine Stimme ist zu leise. Ich bekomme keine Antwort. Von niemandem.

Szenenwechsel… Eine rasante Fahrt. Mike lenkt uns hinweg über sanft geschwungene Hügel und Täler. Oh, da! Da!! „Das ist doch der Kahlkopf!“ Bei der Reiseplanung hatte ich diesen Berg in Google Earth so realistisch nachgestellt gesehen, dass ich diese Erhebung sofort wiedererkenne. Ein Glatzkopf mit seiner abgemähten Kuppe. So auffällig zwischen all den Grünlingen, dass er gut als Orientierungspunkt dienen kann. Sein Anblick berührt mich – virtuelle und reale Welten treffen in meinem Hirn zusammen, ohne dass es einen Widerspruch gäbe… „Mike, so fahr doch langsamer! Bereits in Google Earth hatte ich gesehen, dass in der Nähe dieses Kahlkopfes erhöhte Unfallgefahr besteht. Sehr kurvige unbefestigten Strecken in Schräglage, einen Fußbreit vom Abgrund entfernt. Mike mindert sein Tempo nicht. Der Wagen rutscht aus der Kurve. Um mich herum beginnt sich alles zu drehen, es raubt mir den Atem. Langsamer, oh bitte: langsamer! Doch Mike gibt Gas und mir schwinden endgültig die Sinne.

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