Home » Traumtagebuch » Frustrationen

Frustrationen

Traum vom 10. Oktober 2010

Was ich bis jetzt gar nicht mitbekommen hatte: Nicht nur die Einschulung meiner Tochter wird heute im kleinen Kreis gefeiert, sondern auch die der Tochter meiner iranischen Namensvetterin. Sie feiern draußen, vor dem Haus, mit iranischen Freunden und Familienmitgliedern. Gutgelaunt gehe ich hinaus zu ihnen, um zu schauen, ob ich vielleicht noch etwas helfen kann; vielleicht beim Abräumen des Geschirrs. Die iranische Freundin begegnet mir zuerst. Zwar bringt sie mir sichtlich Respekt entgegen, und doch spüre ich in ihrem Blick die Verachtung. Alle begegnen mir mit vordergründiger Offenheit, bleiben aber doch reserviert. Meine herzlichen Gefühle empfinde ich wie ein weit aufgerissenes Tor, das ich besser schnell schließen sollte, um mich vor Verwundungen zu schützen. Doch so schnell funktioniert das nicht. Nur ein Vorhang aus Traurigkeit legt vor meine Offenheit. Eine wirkliche Annäherung, so wie ich sie mir gewünscht hätte, erscheint mir immer unwahrscheinlicher. Das alles frustriert mich und ich gebe die Sache bald darauf resigniert auf.

Nebenan ist der blanke Bürgermeister gekommen. Oh toll, wie der sich entwickelt hat. Geradezu verjüngt wirkt er. Und gewandt und flexibel. Früher ein dummer Bauer, wirkt er jetzt souverän und weltmännisch. Richtig sympathisch im Gegensatz zu früher. So freue ich mich sehr, als er kurze Zeit später auf mich zu kommt, seine Hand auf meinen rechten Arm legt und mich bittet, mitzukommen, da er gerne bei einer Tasse Kaffee mit mir reden möchte. Doch auf dem Weg zu dem von ihm anvisierten Tisch kommen uns aus allen Richtungen Menschen in die Quere, so dass der Bürgermeister und ich uns rasch aus den Augen verlieren. Als ich ihn wenige Minuten später erneut treffe, hat er vergessen, dass er mich eingeladen hatte.

Später begegnen wir uns wieder und er sagt freudig: „Kommen Sie mit! Ich möchte mich gerne mit Ihnen unterhalten!“ — Wieder nimmt er mich am Arm und geht los. Na gut. Doch auf dem Weg zum Tisch werden wir wieder von uns querenden Menschen getrennt. Als ich eine Minute später am Tisch des Bürgermeisters ankomme, sitzt er dort mit zwei Gemeinderatsmitgliedern und diskutiert heiter. Zwar bemerkt er mich, hat aber offenbar vergessen, dass er mit mir reden wollte. Ich hatte mich auf das Gespräch gefreut und bin frustriert. Es hat etwas Anstrengendes. Ich habe die Lust verloren, mich für einen Menschen anzustrengen, dessen Interesse ja doch nur für einen Augenblick währt. So beschließe ich, all dem den Rücken zu kehren und mit dem Fahrrad heimzufahren.

Inzwischen bin ich aus dem Ort hinaus geradelt. Der Radweg ist schmal, rechts von mir eine unüberschaubar hohe Hecke so kurz geschoren wie eine abgewetzte Schrubberbürste. Dadurch wird das der Hecke innewohnende Muster offensichtlich: hell- und dunkelbraun kleinkariert. Die borstige Hecke bietet eine scharfe Oberfläche. Doch als ich mich davon distanzieren will, verliere ich das Gleichgewicht, der Lenker verhakt sich im Gestrüpp und bringt mich zu Fall. Der rechte Griff des Lenkers bricht dabei ab. Anfangs denke ich, ihn einfach wieder aufstecken zu können. Doch leider hatte ich erst kürzlich einen ähnlichen Unfall und somit existieren jetzt zwei Bruchstellen. Mike und Moina sind inzwischen mit ihren Fahrrädern angekommen. Mike wird sehr ärgerlich und schimpft, weil mein Fahrrad nun fahruntüchtig ist.

In einem Raum zwei junge Männer. Einer der beiden ist sehr freundlich, zeigt sich aufgeschlossen und herzlich; hört mir immer interessiert zu, sobald ich etwas sage. Der andere ist mürrisch und verschlossen. Zwar ist er mir stets zugewandt, aber ohne jede Freundlichkeit. Kein Wort spricht er mit mir. Er hält einen Strang aufgwickelten Stromkabels wie ein Fernrohr vor sein Auge und blickt hindurch. Unfreundlich fragt er mich nun, ob ich auch einmal einen Blick hindurch probieren wolle. Ob mich seine Sichtweise interessiere. Ja, ob mich seine Tätigkeit aus seiner Sicht interessiere. Ja, das fände ich sehr interessant! Zwar weiß ich kein bisschen, worum es überhaupt geht, aber vielleicht ist es ja gerade deswegen interessant. Kann er denn überhaupt etwas durch den ganzen Kabelsalat erkennen? Ah ja… doch… nun sehe ich sein Auge durch eine Kabelschlaufe hindurch. Da fragt er mich: „Denken Sie auch, ich würde den ganzen Tag nur wichsen?“ — Öh… nee… darauf wäre ich jetzt gar nicht gekommen. Aber nun kann ich mir denken, welchen Beruf er ausübt: bestimmt ist er ein Pornoproduzent.

Tags:

2 Antworten zu Frustrationen

  1. Ui, das war schon deutlich. Und hoffentlich kommt das mit dem Lenker wieder in Ordnung, oder Du bekommst ein neues Fahrrad.
    Der mürrische Mann mit dem Kabelsalat – die andee Seite der Medaille, wie bei den anderen Figuren; so kommt es mir vor.
    Nett beobachtet ;-)

  2. Hallo Klaus-Peter! :-)
    Ah ja, das war ein guter Hinweis mit dem mürrischen Kabel-Mann. So hatte ich das noch gar nicht gesehen.
    Ansonsten bin ich guter Dinge. Traumgegenstände reparieren sich manchmal wie von selbst. ;-)