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Reise – geschenkt

Traum vom 15. Oktober 2010

Am Rande einer kleineren Stadt. Es ist Herbst, aber die Temperaturen so mild wie an einem Spätsommerabend. Orange leuchtend geht die Sonne zwischen den Hochhäusern unter. Auf zwei alten Küchenstühlen sitzt, unter freiem Himmel, ein nettes Rentnerehepaar, die aus einem Tal bei Kassel kommen. Die Frau schwärmt davon, wie schön es in den Staaten war. Sie sind gerade erst zurückgekehrt. Voll Freude plant sie: „Das müssen wir wiederholen. Vielleicht schon im Frühjahr? Was meinst Du?“ Doch der Mann schüttelt gelassen den Kopf, signalisiert ein entschlossenes Nein. Ich beobachte das aus drei Schritten Entfernung, habe mit dem Ehepaar nichts zu tun, stelle mir aber vor, wie schön es wäre, wenn ich… Da ruft mir die Frau ganz herzlich zu: „Wenn er nicht will, machen Sie die Reise! Wir bezahlen alles.“ Ich bleibe in Gedanken versunken, spüre dabei, wie ein stilles Lächeln über mein Gesicht huscht, so als reflektiere meine Gesichtshaut mit einem Male den Lichtschein des Sonnenuntergangs. Ganz leise antworte ich: „Ja, das wäre natürlich traumhaft… wenn es so etwas gäbe.“ Ich halte das Angebot der Frau für einen kleinen Scherz, den die Frau macht, um ihre Enttäuschung dahinter zu verbergen. Doch der Mann stimmt wie selbstverständlich zu: „Ja, Sie fahren. Wie bezahlen alles.“

Dann gehen wir zusammen ein paar Schritte, bis hin zu meinem alten VW-Bus, der auf dem staubigen Seitenstreifen der Straße parkt. Der Mann weist auf ein zerknülltes Plastiktütchen, das direkt unter der Lade liegt. Der Fensterladen, die im Stillstand die Windschutzscheibe schützt, ist nun heruntergeklappt. Deshalb bemerkte ich den Müll nicht. Doch als ich das Tütchen aufhebe, sehe ich erst das ganze Dilemma: dort verborgen liegt noch mehr Müll herum. Nicht nur Verpackungsmüll, sondern auch ein geleerter Joghurtbecher und einige Brotrinden, die Moina von ihren Erdnussbutterbroten übrig ließ, weil ihre oberen Wackelzähne beim Reinbeißen Probleme haben. Peinlich, dass da sogar Essensreste liegen. „Ich will alles reinigen.“ sage ich ganz schnell zu dem Mann. Ich fürchte, er könne es sich mit der Bezahlung der Reise anders überlegen, wenn er mich als unordentlich erlebt. Nanu, was ist das? Direkt unter der Lade befindet sich eine Chromverzierung unter dem Fenster. Diese ist mit einem schützenden Streifen Klebeband überklebt. Vielleicht ist das noch von der letzten Autowäsche? Ich spüre Vorfreude. Es ist einfach ein herrliches Gefühl, einen solchen Klebestreifen von seinem Untergrund zu lösen. Dieser leichte Widerstand beim Ablösen… wunderbar.

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