Home » Illustrierte Träume, Traumtagebuch » Der Brunnenkeller unter altem Vogelkäfig

Der Brunnenkeller unter altem Vogelkäfig

Traum vom 21. Oktober 2010

Es ist nicht die erste Nacht, die ich in diesem Gebäude verbringe. Aber zum ersten Mal mache ich mir Gedanken über die Sicherheit während des Schlafes. Es ist ein sehr altes Gebäude. Eine Mischung aus Landhaus, Großelternhaus und einem runden Keller in der Form eines unermesslich tief reichenden Brunnens, über den eine Art runder Käfig – ich muss es so beschreiben, wobei es keinesweigs wie ein Käfig ausschaut; es soll auch keiner sein – aus gusseisernen Stäben errichtet ist. Der Grundriss ähnelt einem Labyrinth, einem Mandala, in dessen Mitte eine tief reichende Treppe den Brunnenkeller mündet. Grau. Wie von ferner Tiefe manchmal das Geräusch eines langsam entstandenen Wassertropfens, der – am oberen Rund der Kellerkuppel sich gesammelt – nach langem Weg endlich unten auftrumpft und weich zergeht. Mit deutlicher Verzögerung ein dunkles Nachhallen, durch das erst eine Vorstellung von der Weite und Tiefe entstehen kann. Der Weg durch den Brunnenkeller steht offen und wird von mir am Tage in aller Selbstverständlichkeit genutzt. Und sei es nur für Botengänge.

Doch nun bekomme ich Bedenken… angenommen, während der Nacht, wenn ich schlafe… ich kann nicht wissen, wer dann auf diesem Wege zu mir ans Bett tritt. Womöglich ginge eine Bedrohung von diesem Wesen aus? Plötzlich entsteht der Drang, mich dorthin abzusichern. Mein Bett steht mehr am Rande des räumlichen Mandalas, und doch kaum mehr als drei Meter von diesem Tiefenzentrum entfernt. Mehrere Gänge umrunden die Öffnung, einige von diesen schön geschmiedeten Gittern umfasst. Es gibt also auch zu dieser Treppe ein kleines Törchen. Es ist sehr alt und doch entdecke ich ein funktionierendes Schloss. All diese Gitterstäbe bieten einen verwirrenden Anblick. Glaubte ich im ersten Augenblick noch, den Treppenzugang verschlossen zu haben, so öffnet sich das kleine Tor, so als habe ich daran noch gar nichts verändert. Aber dann sehe ich, es gibt mehr als ein Tor, es gibt mehrere Möglichkeiten an gleicher Stelle. Ein wirklicher Verschluss ist erst erreicht, wenn alle Tore verriegelt sind. Irgendwie entsteht bei diesen Versuchen mehr und mehr das Gefühl, dass die Zeit davon läuft und ich es nicht mehr rechtzeitig schaffe. Dabei würde ich es eh schaffen, nur der Zeitpunkt des Schlafenlegens könnte sich verzögern. Mein Erleben aber ist ein anderes. Wenn ich nicht schnell genug bin, so würden diese tiefen Kräfte bereits aufsteigen und sich Zutritt verschaffen, ohne dass ich es bemerkte. Es ist ja eine luftige Angelegenheit, da es nur wenig feste Wände gibt. Insgesamt ein Zauberland, ein unbeschreiblich altes Wunderland. Später: am Außenrand der runden Anlage. Ich bin damit beschäftigt, mein Fahrrad mit einem sehr langen Spiralschloss anzubinden. Dazu führe ich die ja doch sehr widerspenstige Metallleitung über viele Treppen und durch viele Räume hindurch, treppauf und treppab, um schließlich wieder am Fahrrad anzukommen und das Schloss zu schließen.

Tags: