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Hochzeitsbondage

Traum vom 25. Oktober 2010

Ich sitze ganz vorn in der Karre. Deshalb lande ich voll bekleidet im Wasser, noch ehe ich realisiere, dass der Fahrer quer auf den breiten Wasserlauf zusteuert. Diesen Weg nimmt er immer. Er weiß inzwischen, dass der Schwung nicht ausreicht, das Fahrzeug spätestens nach zwei Drittel Durchquerung untergeht. Da schwimmt man halt die restliche Strecke. Der Wasserlauf zu breit, das Auto zu wenig Schwung. Macht ja nichts. Nun, beim nächsten Mal wäre ich dann auch darauf vorbereitet.

Der Fahrer, seine Frau und ich erklimmen das Ufer, gehen die Wasserzufahrt hinauf. Dabei lässt sich die in schwarzen Schwimmanzug gekleidete Frau gekonnt einknicken, um dann mit einem aalglatten Hechtsprung in die ein Milimeter hohe Wasserschicht einzutauchen. Natürlich, zu wenig Wasser, um wirklich weit zu tauchen. Nach einem Meter steht sie schon wieder auf den Beinen, um erneut Schwung zum Tauchen zu holen. Eine andere Frau auf dem Weg beobachtet dies und ruft begeistert aus: „Schaut, wie sie den Schwimmzug macht!“ — Eigentlich Quatsch bei so einem dünnen Wasserfilm. Aber elegant schaut es schon aus, das muss man ihr lassen. Vermutlich nimmt sie diesen Weg immer auf diese Weise.

Auf dem weiteren Weg an Land holen wir bald eine kleine Hochzeitsgesellschaft ein, die zu Fuß auf dem Weg zur Feier ist. Das nackte Brautpaar wurde mit schwarzen Gurten auf die Bodenfläche eines Gepäckwagens der DB gezurrt, der nun einer Kutsche gleich von einigen Gästen den Feldweg entlang gezogen wird. Es sieht nach einer Zierbondage aus. Na, das ist ja mal eine ungewöhnliche Hochzeitskutsche. Und welch tolle symbolische Aussagekraft. Klasse. Unter den Hochzeitsgästen entdecke ich eine Frau, deren Brust mit einem sehr schmalen, gestreiften Band bekleidet ist. Ihre Brüste müssen extrem klein sein, denn selbst das schmale Band liegt noch in Falten. Wirklich sehr apart.

Später. Ich bin im Abenddunkel mit dem Fahrrad unterwegs. Wenige Meter vor der Wörpedorfer Kreuzung – ortsauswärts – werde ich wegen einer noch rot geschalteten Ampel langsamer. Da holt mich eine rennende, ältere Frau von hinten ein. Ich schaue mich um, entdecke meine auf die Fahrbahn gerutschte Gepäcktasche. Blöd, ausgerechnet wo es Grün wird muss ich das richten – ansonsten hätte ich die Frau gut ignorieren und weiterradeln können. „Bitte wie?“ rufe ich der Frau unfreundlich zu. Was will sie von mir? Ich bin eine Fremde. Etwas außer Atem bringt sie ihre Bitte hervor: „Können Sie bitte den Behördenkram für mich erledigen?“ In dem kleinen, bisher stillgelegten Laden am Straßenrand stehen wir dann vor dem Tresen und sie erklärt: „Ich komme nicht dazu. Aber Sie fahren ja auf die andere Seite! Dort ist das Haus des Pfarrers. Geben Sie dort einfach meine Anmeldung zur Konfirmation meiner beiden Kinder ab.“ Sie legt zwei Formulare zum Ausfüllen auf den Tresen. Verstehe. Ehe sie außer Reichweite ist, fordere ich sie schnell auf: „Bitte, unterschreiben Sie!!“ Ohne ihre Unterschrift wären alle Mühen vergebens. Anfangs sperrt sie sich dagegen – sie will, dass ich mich jetzt darum kümmere. Erst auf dem weiteren Weg – wir haben inzwischen „Schindel“ in Worpswede erreicht – kann ich sie von der Notwendigkeit überzeugen. Sie legt die Formulare auf einem Stehpult am Straßenrand – nahe den Altglascontainern – ab und beginnt fein säuberlich ihr Passwort in einen leeren Bereich zu zeichnen. Was für ein langes Fantasiewort! Nicht nur das, es wird noch um zwei, mit vielen Sonderzeichen sehr detailliert dargestellte, japanische Smileys ergänzt. Ach du grüne Neune! „Gehört das noch zu ihrem Passwort?“ frage ich und sie nickt. Da werde ich später was zu tun haben, um das korrekt einzugeben.

Stunden später in einem Zimmer ohne Aussicht. Rio sitzt an einem Küchentisch und verschafft sich einen raschen Überblick über das Formular. Es war seine Mutter, die mir die Konfirmationsanträge übergab – soll er, als Sohn, sich darum kümmern. Schließlich geht es um seine Kinder. Doch auch ihn muss ich erst überzeugen. Anfangs sieht er nicht ein, warum er sich die Arbeit machen soll.

In einem kleinen Unterstand steht ein Geldautomat. Ich war bereits von wenigen Stunden hier am Automaten gewesen. Eigentlich um Geld von meinem Konto zu holen. Doch bei dem Anlass hatte ich wieder entdeckt, was ich eigentlich schon längst wusste und ich wundere mich, warum ich diese Gelegenheit nicht regelmäßig wahrnehme. Wenn man nämlich rechtzeitig kommt, so bietet einem der Automat drei Freiauszahlungen pro Tag an. Das bedeutet, es wird ein Beitrag ausgezahlt, der nicht vom Konto abgebucht wird. Der erste Betrag, den ich einstreichen konnte, belief sich auf etwa ein Euro. Jetzt zeigt der Automat 88 Cent an – ist halt schon etwas später, und der Euro hat inzwischen an Wert verloren. Immerhin achtundachtzig Cent. Da werde ich gleich im Anschluss daran versuchen, den dritten Betrag auch noch rauszuholen. Da höre ich etwas draußen… Sofort fällt mir meine schwarze Handtasche ein, die an der gegenüberliegenden Seite auf dem Tisch liegt. Zu weit fort, um sie mir unauffällig zu schnappen. Ich werde von großer Furcht übermannt, so als trete in der nächsten Sekunde ein Ganove ein, der mich überwältigen würde. Kaum vorgestellt, tritt ein schwarzer Maskierter ein, schnappt mich von hinten im Tarik-Griff und hat sicherlich schon ein Auge auf meine Tasche geworfen, in der er zu recht mein Portemonnaie vermutet. Ich überlege noch, dass ich so tun könnte, als sähe ich draußen Mike gehen und ich würde ihn einfach rufen: „Mike, komm her.“ Aber ich müsste es selbst glauben, dass er dort ist, damit der Maskierte drauf reinfällt. Immer wieder stelle ich es mir vor, bis es realer wird, bis sogar die Vorstellung real wird, dass der Maskierte mich loslässt und flüchtet. Nur noch einen Moment, dann kann ich es in die Wirklichkeit umsetzen… Die Zeit wird knapp – wenn auch wie in Zeitlupe erlebt, so strebt der Ganove doch immer mehr auf mein Geld zu. So ein Ärger, dass ich nicht früher an meine Sicherheit gedacht habe.