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Haiiz beim Sternwarten

Traum vom 24. Oktober 2010

Vor gar nicht langer Zeit veränderte sich mein Leben. Von außen betrachtet nur geringfügig, doch erlebe ich diese Veränderungen als sehr belastend und bedrückend.

Konrad kommt zu Besuch. Er will einige Spaziergänge mit mir machen, um Gespräche zu führen. Doch noch ist er nicht so weit. Einige Schritte entfernt zupft er an seiner weiten Jeans herum, richtet mehrfach den sehr schmalen Gürtelstreifen in den Schlaufen und fragt mich: „Bin ich noch zu dünn?“ — Hm? Dünn? Ich finde ihn nicht dick, meine aber, ihn nie fülliger als heute gesehen zu haben. Was also soll seine Frage? Allerdings irritiert der schmale Gürtel sehr – ein Frauengürtel, der nun als Maßstab dienen muss – und ich entschuldige mich bei ihm: „Tut mir leid, Konrad, Du trägst da diesen zierlichen Gürtel, der irritiert mich so sehr, dass ich Deine gar Frage nicht beantworten kann.“ Konrad reagiert kaum auf meine Antwort, so sehr ist er mit sich beschäftigt. Aufseufzend breche ich zu einem meiner therapeutisch angezeigten Spaziergänge auf.

So vertraut und so fremd die ländliche Umgebung. Huxfelder Straße, gold-orange der herbstliche Sonnenuntergang. Allein die Vorstellung nun täglich einen solchen Spaziergang von ein bis besser zwei Stunden Dauer zu machen, um während dieser Zeitspanne mit mir ins Gespräch zu kommen… – welch ein Zeitaufwand! Heute will Konrad noch einen Spaziergang mit mir machen, um darüber zu sprechen, welche Gespräche ich dann später mit mir selbst führen soll.

Nach Stunden zurück in meinem neuen Heim. Dort treffe ich auf einige Frauen, die mit mir in einer WG leben. Auch sie beginnen ein neues Leben – die meisten mehr oder weniger notgedrungen. Auch sie suchen Arbeit. Es ist alles sehr schwierig. Die Frauen helfen und unterstützen einander, so gut es geht. Eine hat ein Vorstellungsgespräch bei McD. Amy, meine Chefin, und ich begleiten sie. Im Betrieb ein Höllenlärm von all den riesigen Spülmaschinen. Amy fragt, ob ich mich hier auch bewerben wolle. „Hörst Du den Lärm der Maschinen? Mir ist es unmöglich unter diesen Bedingungen zu arbeiten Also: nein.“ Amy nickt beruhigt. Inzwischen sitzen die neuen Arbeitgeber mit meiner Mitbewohnerin am runden Tisch und besprechen alles. Ich höre gar nicht genau hin. Bekomme aber mit, dass die Bewerberin aufgeregt mit roten Wangen am Tisch sitzt und fast etwas vermasselt hätte. Doch bin ich mit meinen Gedanken woanders…

Zum Beispiel bei Mike, der sich entschlossen hat, getrennt von mir zu leben. Ab und an ein Treffen… okay, aber er möchte keine Gemeinsamkeiten. Das trifft mich um so mehr, da ich extra wegen ihm nach Frankfurt gekommen bin. Und nun bin ich da und er will mich gar nicht.

Ich stehe auf der Terrasse meines neuen Domizils. Eine riesige Überdachung erstreckt sich, als befände ich mich im Innern einer luftigen Sternwarte. Eine kuppelförmige Konstruktion aus weißen Metallgitter, gefüllt mit kleinen Fensterchen, die überwiegend auf Kipp stehen, um für ausreichend Luftzirkulation zu sorgen – so vermute ich. Das ist sehr praktisch, denn sollte es regnen, so gelänge nur ein Bruchteil des Niederschlags auf die Terrasse. Bei kräftigem Regen könnte trotzdem der Untergrund volllaufen, so überlege ich… Vielleicht gibt es Ablaufrinnen in den Ecken, damit es keine Überschwemmung gibt. Ich vertraue darauf, dass die Konstruktion gut durchdacht ist, schließlich macht alles einen hochwertigen Eindruck. Die Hauseigentümer haben sich nicht lumpen lassen. Trotzdem… ein sonderbares Gefühl unter dieser Weite zu stehen…

Ich gehe wieder hinein in das Nebenzimmer. Dort steht ein Gegenstand auf einem der hintereinander gereihten Tische. Ich erkenne nur das Etikett: HAIIZ

Einen Raum weiter treffe ich auf Mike, der wie meine Jugendliebe aussieht. Ich teile ihm mein Bedauern mit. Von tiefer Traurigkeit erfasst, kommen mir nur wenig Worte: „Du holtest mich nach Frankfurt. Ich kam nur wegen Dir mit. Und nun lässt Du mich schon allein zurück. Darüber bin ich sehr unglücklich, sehe aber nicht, dass es zu ändern wäre.“ An Mikes stummer Reaktion ist abzulesen, dass er mir kaum entgegen kommen wird.

Ich trage einige meiner mit persönlichen Dingen gefüllten Kartons hinter den Tresen. Einige Frauen sortieren sämtliche Eingänge. Hier werde ich später beisammen finden, was mir gehört und in mein Zimmer soll. Die Frauen sind freundlich und hilfsbereit. Als sie meine Sorge bemerken, schlagen sie vor, ich solle noch einmal mit Mike reden. Heute sei drüben – auf der anderen Seite, im Eingangsbereich der Uni – ein Treffen der AA. Vielleicht würde ich ihn dort treffen? So ist es. Schon bin ich mit ihm verabredet und mit Moina an der Hand laufe ich hinüber und schaue mich in der weiten Halle um. Kein Mike. „Er ist nicht gekommen“ teile ich Moina mit schwerem Herzen mit. Kaum gesagt, sehe ich ihn doch: Rick! Er sitzt am Tisch und liest Zeitung. Er trägt einen Zopfmusterpulli aus weißem Seemannsgarn. Seine Haare sind frisch gewaschen und mit den Fingern zurechtgetufft. Er hat sich also extra hergerichtet. Das gibt mir Hoffnung, etwas Aufwind und Antrieb. Von Freude beschwingt gehe ich auf ihn zu, beuge mich, um ihn zu küssen. Ganz leicht nur dreht er seinen Kopf, und hält mir doch nur die Wange hin. Er zeigt sich distanziert und kühl. Damit ist alles klar. No Chance!

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