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Unausweichliches

Traum vom 31. Oktober 2010

Für ein paar Vormittagsstunden folgte ich dem Schienenstrang und erreiche nun das Zentrum einer kleinen Stadt, nähere mich also einem Bahnhof. Weniger Meter vom Bahnsteig entfernt, liegt eine Frau auf den Gleisen. Sie wirkt recht groß und gerade, hat die Augen geschlossen und trägt Nachkriegskleidung. Ihre Waden sind bleich und schmal, die Schuhe von klobiger Eleganz. Direkt vor ihren Füßen bleibe ich stehen, warte einen nachdenklichen Augenblick… lasse den Blick voller Absicht wie verloren in die Ferne schweifen und sage dann nüchtern, fast tonlos: „Ich warte hier seit über vierzig Jahren auf den Zug.“ Und nach einer kleinen Pause füge ich mit einem kaum wahrnehmbar bedeutungsvollem Unterton hinzu: „Er ist nie gekommen.“
Bedächtig setze ich meinen Weg fort. Die Frau reißt die Augen auf und steht im nächsten Augenblick auf den Beinen und schaut mir nach… fragt verblüfft: „Bitte was?“ Ich spüre, im nächsten Moment würde sie verhalten loslachen, sollte sie mich richtig verstanden haben und den Schluss ziehen, es könnte hier der falsche Ort sein, um auf etwas Unausweichliches zu warten. Mit ernster Miene schaue ich mich zu ihr um und lasse offen, ob ich nur scherze oder nicht. Inzwischen habe ich fast den Bahnsteig erreicht, da fragt sie noch einmal: „Wirklich?“
Ich drehe den Kopf zur Seite, nehme sie nur noch aus den Augenwinkeln wahr und sage ruhig: „Ja, es stimmt… seit mehr als vierzig Jahren warte ich schon auf Mike.“

Dann springe ich aus dem Gleisbett heraus auf den Bahnsteig und quere das Getümmel auf dem kleinen Marktplatz. Kaum eine Minute später treffe ich auf Mike und sage: „Wie schön, wir können zusammen gehen.“ Er antwortet barsch: „Nein! Du hast mich viel zu lange warten lassen.“ Das stimmt. Er setzt seinen Weg in Richtung Bahnsteig fort, ich strebe auf den Biergrund zu.

Dort im Keller dann mein Zahnarzt. Ein sehr freundlicher Samtbrauner, der mich mit seinen kräftigen weißen Zähnen anstrahlt. Egal, was geschieht, er ist immer freundlich zu mir. Inzwischen hat er einen Teil meiner Zähne gereinigt. Das heißt, die Fingernägel meiner linken Hand sind alle säuberlich gefeilt und poliert. Nun wären die Nägel der rechten Hand an der Reihe und er verschafft sich einen Überblick und meint: „Uih, Sie haben sehr große Mittelfingernägel – die sind nicht so schnell behandelt. Das braucht Zeit…“ Oh, womöglich wird es ihm heute zu viel? „Ich könnte meine Nägel zuhause vorbereiten, so dass die grobe Arbeit erledigt ist, wenn ich beim nächsten Mal komme!“ Ich will unbedingt, dass er die Behandlung zu Ende führt – dafür würde ich einiges tun! Doch er meint: „Nein, das machte keinen Sinn. Aber… haben Sie vielleicht Lust, uns einen Kaffee zu machen?“ „Oh ja, das ist eine gute Idee!“ sage ich begeistert und springe auf. Ich verstehe: während ich den Kaffee koche, wird er eine Patientin behandeln, um dann anschließend mit mir weiterzumachen.

Im Waschraum laufe ich zu einem der Waschbecken, um die Glaskanne mit Wasser zu füllen. Na, wer ist das denn? Dort steht die Frau, die ich vorhin auf den Gleisen sah, vor dem Spiegel und schaut mit betrübtem Blick hinein. Ihren Rock trägt sie nicht mehr. Der Slip ist von der linken Pobacke in die Ritze gerutscht und ich erkenne betroffen, dass die Pobacke violettblau unterlaufen ist. An der Tür räumt ihre Freundin herum und ich kombiniere: vielleicht ist die Frau lesbisch und sie und ihre Freundin lieben Spanking? Das würde den Bluterguss erklären. Nochmals schaue ich auf ihren Po… – Moment mal… vielleicht habe ich mich geirrt… kann sein, das das Gewebe gar nicht blau verfärbt ist, denn ebenso gut könnte der Schatten des Waschtisches zu einer optischen Täuschung führen, die genau diesen Anblick entstehen lässt. Ja, je mehr ich nachdenke…. sicherlich nur eine optische Täuschung.

2 Antworten zu Unausweichliches

  1. Unausweichlich war auch, daß du von mir einen Blogaward erhalten hast. Herzlichen Glückwunsch! :-)

  2. Vielen Dank auch an dieser Stelle! Du machst ja Sachen… :-)