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Faustdickes Heilkundebuch von Goethe

Traum vom 14.08.2005
Im Bioladen als Aushilfe tätig. Ich bediene gerade eine nette Kultur-Kundin, die ich – vor allem wegen ihrer frischen, unkomplizierten und lebendigen Art – gerne bediene. Sie hat ihre bisherigen Einkäufe auf die zwei vorhandenen Verkaufsflächen des Tresens abgelegt. Ich bin dabei, ihr Obst und Gemüse abzuwiegen und den in die Wege zu leiten. Nebenbei packe ich die bereits registrierten Artikel in eine Stofftragetasche, die die Kundin auf dem Tresen abgelegt hat. Die Frau hat einige Sorten Früchte in kleinen Mengen gekauft. Und wie ich bemerke, hat sie sie schon geputzt und gewaschen – das klare, kühle Wasser perlt herrlich angenehm von den knackigen Weintrauben, Heidelbeeren und Himbeeren, die sie in kleine Frischhaltebeutelchen füllte. Sie will es auf ihrer Heimreise, die sie mit der Bahn antreten wird, verzehren.

Zum Wiegen muss ich die Früchte aus den Frischhaltebeuteln herausnehmen. Da ich vor dem Tresen stehe, komme ich schlecht an die Tastaturen von Waage und Kasse ran. Na, ich stehe hier ja auch am falschen Platz, wenn ich arbeiten will! Macht nix, lässt sich ändern. So trete ich dann hinter den Tresen und setze meine Arbeit fort, packe die Früchte ein. Aber oje, was habe ich denn da die ganze Zeit gemacht? Da habe ich die Früchte lose in die Tragetasche gefüllt. So geht’s doch nicht! Und in dieser Stofftasche befinden sich auch die alten Bücher, die die Kundin hier im Laden auswählte. Die feuchten Himbeeren wurden inzwischen hier und da gedrückt und der Stoß des oberen Buches hat nun Flecken vom ausgetretenen roten Saft. Der himbeerrote Saft ist noch ganz frisch und glänzend auf dem Buch zu sehen. Warum war ich so unaufmerksam und ungeschickt? Ich fische die Früchte vorsichtig aus der Stofftasche heraus, um diese dann in ein Papiertütchen zu verpacken, was sie vor dem Zerdrücken schützen soll. Aber bei dem Heraussuchen dieser empfindlichen Köstlichkeiten zerdrücke ich unabsichtlich einen weiteren Teil, weil dabei auch einige zwischen die Bücher rutschen.

Ich packe also alles wieder aus, um es neu zu sortieren und anschließend vernünftig einzupacken. Dabei sehe ich auch mehr von den Büchern. Es sind alte Bücher zur Naturheilkunde und zum Heilzauber. Ein faustdickes Buch von Goethe ist auch dabei! Der breite Buchrücken ist schwarz und die einst mattgoldenen schmalen Lettern sind fast abgerieben. Ein Wort des Buchtitels fällt mir besonders ins Auge: Apotropa. ich weiß, dass es irgendwas mit Heilkunst zu tun hat, da ich diesen Begriff kürzlich las. Die Buchdeckel waren einst von zartem Vanillegelb, das heute von einer orangebraunen Gilbschicht überzogen ist; was vielleicht auch vom häufigen Gebrauch herrühren mag. In dem umfangreichen Buch sind kolorierte Zeichnungen der Heilkräuter und -pflanzen, die sehr detailliert Blatt, Blüte und Frucht zeigen. Dazu ausführliche Texte mit Beschreibungen. Toll! Die anderen Bücher sind ebenso alt, aber kleiner oder flacher. Da die Chefin den Buchbestand im Laden auflösen will, konnte die Kundin diese Bücher zu einem ermäßigten Preis bekommen. Da hat sie aber echt ein Schnäppchen gemacht! Und klug, gleich alle Bücher zu nehmen – die sind bestimmt eine Rarität und man bekommt sie kaum noch. Wie schade, dass ich davon nichts wusste!! In diesen Büchern würde ich auch gerne lesen! Ich kann mir richtig vorstellen, wie die Kundin nachher im Zug sitzt, ganz versunken in den Büchern stöbert und dabei die Früchte genießt.

Während ich weiter die Waren abwiege, registriere und einpacke, unterhält sich meine Chefin mit der Kundin über die Zusammenarbeit des Personals untereinander. Heute arbeite ich mit Angelique zusammen. Meine Chefin berichtet der Kundin, dass mein Zusammenwirken mit einer neuen Kollegin nicht so reibungslos verlaufe. “Das muss man einfach mal so sagen!”, fügt sie hinzu. Dabei schaut sie mich offen und wohlgesonnen an. “Jaja, das kann schon sein.”, sage ich bestätigend, wobei ich gleichzeitig nachfühle und nachdenke, ob das wirklich stimmt. Ja, ich denke auch, dass sie Recht hat.

Inzwischen – es ist um die Mittagszeit – ist der Obst- und Gemüselieferant gekommen. Er bringt eine Zwischenlieferung, um unser Angebot zu ergänzen. Prima, dass es heute mit dieser Zusatzlieferung geklappt hat! Der Fahrer bringt gerade zwei flache Pappkartons in den Laden, die Inlays mit Mulden haben. Darin liegen geordnet hellbraune, geschuppte Zapfen, die sehr frisch und saftig wirken – so wie ganz frisches Holz aus dem Innern eines Baumes. Ich gehe näher ran und erkenne, dass es sich dabei nicht um natürlich gewachsene Baumfrüchte wie beispielsweise Tannenzapfen handelt, sondern dass diese hier aus weichem, faserigen Holz hergestellt wurden. Entweder wurden sie so geschnitzt, oder – wie ich eher vermute – einzeln hergestellte Schuppen wurden so zusammengestellt, dass diese hübschen rundlichen Zapfen entstanden.

Meine Chefin befindet sich bereits auf dem Weg zum Lieferanten oder zum Telefon, um diese Ware zu reklamieren. “Das sind, so würde ich sagen, keine Zapfen!!”, sagt sie entschieden und entschlossen. Sie wollte vermutlich Ess-Tannenzapfen haben, überlege ich beiläufig. Die nun gelieferten Zapfen will sie zurückgeben. Hmm, nun stehen sie aber schon in der Gemüseabteilung. Der hilfsbereite Lieferant stellte die Kartons bereits hochkant an Kisten gelehnt, und für die Kunden gut sichtbar, auf den Boden. Das wirkt doch ganz interessant und einladend! Wir könnten sie ebenso gut behalten und den Kunden anbieten, so überlege ich. Es ist gut möglich, dass wir sie verkaufen, auch wenn es gar nicht so geplant war. Irgendwie doch schade, sie gleich wieder loswerden zu wollen, ohne abzuwarten ob die Kunden vielleicht Interesse daran haben.

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