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Nach dem Vortrag

Traum vom 26. März 2006

Sie sitzen noch zusammen: zwei Männer – beide im angeregten Gespräch vertieft – und eine Frau. Fast hätte ich ihn übersehen, den schweigenden dritten Mann am Tisch. Einzig sein Interesse – das still jeden ausgesprochenen Gedanken wertschätzt – verrät den Sinn seiner Präsenz. Die Frau folgt seinem Schweigen, ohne dass es ihr bewusst wäre. Im Hintergrund spielt Musik von einer CD – die Auswahl der Titel obliegt der Frau. Ihre Wahl erzählt für alle hörbar davon, wes Geistes Kind sie ist. Vielleicht erzählt dies sogar mehr, als sie mit Worten ausdrücken könnte – und womöglich mehr als ihr lieb wäre? Dem gesprochenen Wort gilt die Aufmerksamkeit beider Männer, so dass die musikalische Untermalung nicht wirklich in deren Bewusstsein dringen dürfte. Sie registriert diesen vorüberziehenden Gedanken, ohne dass sie dieser beruhigen würde.

Einer der Männer steht auf und geht. In wenigen Minuten wird er zurückkehren. Die nun eintretende Stille rückt die musikalischen Klänge in den Vordergrund. Zum Glück verklingen gerade jetzt die letzten Melodien – entziehen sich im letzten Augenblick der Aufmerksamkeit. Es erleichtert sie – einerseits. Gleichzeitig löst es ein Gefühl des Bedauerns aus. Sollte damit alles zu Ende sein?

Nebensächlich gleitet ihre Hand zum Schalter eines Radios. Zu später Abendstunde wird oft Leichtverdauliches gespielt. Seicht genug, um im Hintergrund zu bleiben – und vielleicht stimmungsvoll genug, um den nun möglichen Aufbruch hinauszuzögern. Der Mann gegenüber merkt auf, betrachtet zum ersten Mal an diesem Abend die Frau am Tisch. Sie bemerkt seinen Blick, sein erfreutes Lächeln und spürt einen warmen Hauch über ihr Gesicht ziehen. Ihr Mund verlangt danach zu lächeln – gegen ihren Willen. Doch das Lächeln im Innern ist stärker, formt bereits ihre Lippen. Verlegen zieht sie ihren Kopf tiefer – in den breiten Kragen ihres leichten Mantels, um so den verräterischen Teil ihres Gesichts zu verbergen. Sie spürt nun deutlich, dass sich ihr Lächeln weit über ihre Lippen hinaus zeigt. Auch die Wangen und Augen sind inzwischen davon befallen – leichte Röte überzieht die Haut, die Augen sprühen vergnügte Funken. Das Bemühen, sich unbeteiligt zu zeigen, ist bereits jetzt gescheitert. Der Mann lächelt… anfangs überrascht, bald voller Wohlwollen und liebevollem Interesse.

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