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Nottötung

Traum vom 22. September 2009

Teile des Traumes vergessen.
Eine Veranstaltung, teils in einem Gebäude, teils in dessen Innenhof. Ein milder Spätsommerabend, angenehmes Stimmengewirr der Gäste unter den lichten Sonnenschirmen. Anspruchsvolle Atmosphäre. Ein junges Touristenpaar – der große Erdhügelpapa und seine neue edelschöne und sanfte Freundin – begegnet mir mehrfach, so dass ich bald Kontakt mit ihnen aufnehme, sie frage, ob ich ihnen etwas zeigen kann. Sie nehmen das Angebot gerne an und ich laufe voraus, freudig diesen Ort meiner alten Heimat zeigend. Einmal weise ich nach links… Neben den Gartentischen führt ein langer Weg – der bemerkenswert ruhig und lang unbegangen wirkt – auf ein Bauernhaus zu. Nein, es ist kein einfaches Bauernhaus, eher ein kleines Gutshaus. Ich kenne das natürlich, von früher, und biete an, zu einer kleinen Besichtigung hinüber zu gehen. Doch die edelschöne Sanfte möchte nicht; der Erdhügelpapa wirkt bei diesem Vorschlag geradezu abweisend. Es ist ja auch nicht nötig.

Wir gehen weiter, betreten ein Nebengebäude. Sehr viel dunkler ist es hier und nach nur wenigen Schritten geht es in das Dunkel eines freien Nachthimmels über. Moina ist bei mir. Sie spielt mit meinem ‘Impulse-Deo – Vanilla Kisses’ herum. Sie drückt den Zerstäuber, der sich daraufhin verkantet. Eine nicht enden wollende Deospraywolke füllt die Luft mit derart intensiven Duftstoffen, dass man nicht mehr zu atmen wagt. Das Zeug ist auch feucht. Ich möchte nicht, dass es meine Hände benetzt, die ja mit Lebensmitteln in Berührung kommen. Das ‘Impulse’ landet auf der Erde, kreiselt wild, sprüht und sprüht. Erst als ich fest entschlossen und vor allem bereit bin, eine Überdosis von diesem Deo an mich heranzulassen, gelingt es, das Deo unter Kontrolle zu bekommen und den Sprühvorgang zu stoppen.
[…]Gemeinsam mit dem Touristenpaar suche ich einen Parkplatz in einer dreistöckigen Hochgarage. [...]
Mike und ich nächtigen in einem Bauernhaus. Nein, eher ist es ein kleines Gutshaus. Mir kommt alles so vertraut vor. Ich fühle mich in die Kindheit zurückversetzt, erinnere, dass es Zeiten auf dem Lande gab. So vertraut, und zugleich völlig fremd. Weder sah ich je zuvor diese Räume, noch sehe ich ein bekanntes Gesicht. Wir liegen auf einem Lager in der Küche. Das Licht brennt. Kurz war ich weggedöst, aber der Hund nebenan lässt mich die Augen öffnen. Dort, wo eigentlich die in der Wand verborgene Räucherkammer zu erwarten wäre, öffnet sich eine bisher nur angelehnte Tür zur Viehdiele. Klar, die Tür darf nicht geschlossen werden, aber anlehnen sollten wir sie schon, wenn wir Wert auf Nachtruhe legen. Sonst erkennt der Hofhund die Grenzen nicht und bedrängt uns im Schlaf. Mike lehnt die Tür mit zu viel Schwung an, so dass sie um so weiter wieder aufschlägt. Dabei erhasche ich unerwartet einen Blick auf den Hausherrn, der völlig nackt – vielleicht bei einem Toiletten- oder nächtlichen Kontrollgang vorbei kommend – zu uns herschaut. Das ist mir unangenehm und ich senke rasch den Blick, um ihm nicht zu nahe zu treten.. Ich lehne die Tür an… finde aber kaum Ruhe.

Bereits vorhin hörte ich von einer ziemlich wilden Stute, die dem Besitzer einige Probleme bereitete. Als ich nun in die Nähe des Gestüts – es ist das Gutshaus – komme, bietet sich ein unwirkliches Bild: Die Stute – ihr Fell ist dunkelbraun und tief leuchtend – liegt am Boden. Bewegungslos. Daneben hockt ein Vater mit seiner Tochter. Das Mädchen ähnelt Moina, sie trägt das blaue Shirt von gestern; lange, seidige blonde Haare. Ihr Gesicht zeugt von einer ungewöhnlichen Reife für ihr Alter. Dieses Mädchen sitzt also auf einem Oberschenkel des Vaters, das regungslose Pferd vor sich. Ihr Gesicht ist von der Aufregung, vielleicht von vielen, womöglich noch ungeweinten Tränen gerötet. Manchmal wird es wie von einem Schmerz durchzuckt. Ich beginne langsam zu begreifen… Offenbar wurde die Stute getötet, nachdem sie wieder einmal wild durch die Gegend gesprungen war. War den Menschen offenbar gefährlich geworden und wurde daraufhin niedergeschossen. Vor den Augen des Mädchens, das dieses Pferd geritten hat und über alles liebt. Ich bin zutiefst erschüttert, in meiner Brust bahnt sich ein unerträglicher Schmerz an, dem ich auszuweichen suche. Der Pferdebesitzer steht vor seinem Gestüt, erzählt den erschütterten Anwesenden, wie es dazu gekommen ist. Die edle Stute bereitete bereits seit einiger Zeit Probleme, wegen ihrer Wildheit und ihres ungezügelten Bewegungsdrangs. Eine Tötung war unumgänglich geworden, teilt er bedauernd mit. Das kleine Mädchen sagt nichts, streichelt vorsichtig die Flanken ihres geliebten Pferdes. Dabei wirkt sie so verständig und vernünftig. Der Vater muss es ihr sehr gut erklärt haben, anders kann ich mir nicht, warum sie es so vernünftig und ruhig ertragen kann. Welch ein Schlag für dieses kleine Mädchen.

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