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Der von Pferden träumt

Traum vom 20. September 2009

Die kleine Aula einer Grundschule. Eine Lehrveranstaltung findet statt. Ich halte mich eher am Rande der Menschenmasse auf, um mich vor einem Input-Overkill zu schützen. Leider geht das auch auf Kosten der erwünschten Informationsaufnahme – ich bekomme nur einen Teil der Erklärungen mit. Also, da muss ich mich wohl doch unter „das Volk“ mischen… Genau in dem Augenblick meiner ersten Schritte in diese Richtung, löst sich die Ansammlung auf. Vielleicht ist jetzt Pause?!

Ich warte…

Nach gut zwanzig Minuten passiert immer noch nichts. Niemand kehrt zurück. Das kommt mir langsam merkwürdig vor. So gehe ich hinüber in eines der Klassenzimmer. Ach herjee!!! Der Unterricht hat längst begonnen! Ich hatte davon nichts mitbekommen. Ich muss schnell meine Klasse suchen, mir wurde ja noch keine zugewiesen. Auf diesem Weg durchquere ich einen Raum, der einen Lebensmittel- und Haushaltswarenmarkt beherbergt. Die Kids laufen zwischen den Regalen und Wühltischen umher, schauen sich alles an. Es gibt so viel Küchengeräte! Trichter, Raspeln, Hobel, Kellen, Schaber, Wender, Ringe, Tüllen, … Ein Teil dieser Dinge steckt noch in den Verkaufspappen – Firma Fackelmann. Finde ich toll. Die Kinder dürfen hier umherlaufen, alles anfassen und alles entdecken.

An diese Abteilung grenzt ein Seminarraum. Ah, hier ist endlich eine Lehrerin! Genauer gesagt, eine – so vermute ich – Psychologin vom Sigmund-Freud-Institut. Ich gehe erfreut auf sie zu, reiche ihr die Hand, entschuldige mich für meine Verspätung. Sie unterbricht mich ärgerlich, es hagelt Vorwürfe. Ich lasse mich nicht unterbrechen, erkläre in ruhiger Tonlage was geschah, bekunde mein ehrliches Bedauern und sage, wie schade ich es finde, so viel versäumt zu haben. Daraufhin ist sie milder gestimmt, schwingt in meine Tonlage an und meint freundlich: „Ja, das ist wirklich schade, wir haben schon einiges erarbeitet.“

Ich lege meine Schreibunterlagen auf dem Tisch ab. In der Plastiktüte ist Moinas Federmäppchen. Ihr Füller hat noch keinen Platz gefunden, so lasse ich ihn lose in die Tasche gleiten, hänge sie an den Stuhl.

Die Lehrerin kommt erneut auf mich zu und sagt sehr erfreut: „Sie machen Traumarbeit, ja? Wir haben hier einen Jungen…“
Sie weist durch die offene breite Tür nach draußen. Dort steht ein kleiner blonder Junge auf einem kleinen runden Reitplatz, der kreuz und quer mit Hürden – rot-weißes Gestänge – verbaut ist. Ganz scheu wirkt das Kerlchen, schaut mit großen Augen umher, wohl ohne zu wissen, was von ihm erwartet wird. Sein Verhalten wird mit Video aufgezeichnet. Er scheint dort bereits seit geraumer Zeit zu sein.

Die Lehrerin erklärt: „Sehen sie, und er träumt immer von Pferden… Haben sie eine Erklärung dafür? Wie deuten sie das?“

Bis eben hatte ich mich noch auf eine interessante Zusammen- und Forschungsarbeit gefreut. Die Enttäuschung trifft mich wie ein Schwall ernüchterndes Wasser. Wieder wird also eine fertige Traumdeutung erwartet: Schonkost mundgerecht auf einem Silbertablett serviert. Wenn ich dann sage, dass ich so nicht arbeite, wird mir Unwillen, Geiz oder Inkompetenz unterstellt. Frustrierend. Gleichzeitig spüre ich die an mich gerichtete Erwartung…. Mein Atem stockt, die Hirnwindungen krampfen, ich erlahme innerlich… Wieder bin ich gezwungen, meine Vorgehensweise zu erläutern und kann nur hoffen, dass mir diese Zeit gegeben wird.

Die Lehrerin hat sich inzwischen hinter ein Pult gesetzt und weist mit ausgestrecktem Arm auf die Sitzgelegenheit davor. Dieser Stuhl ist eigens für dieses Thema hergerichtet. Es ist ein Reiterstuhl: Ein extrabreiter Sattel ist auf der Sitzfläche montiert: aus rostigen Metallstäben geformt, an der rückwärtigen Seite leicht erhöht, ebenso vorn zwischen den Beinen eine Erhöhung, so dass man gezwungen ist, die Beine zu spreizen; weit zu spreizen. Hatte ich im ersten Augenblick noch geglaubt, ich müsse mich rittlings setzen, so erkenne ich nun, dass es gar nicht möglich wäre. Außerdem sitzt zwei Schritte weiter ein etwa zwölfjähriges Mädchen auf einem ähnlichen Stuhl, damit ich weiß, wie es gemeint ist.

Ich setze mich, von der Hoffnung getragen, dass es doch noch zu einer konstruktiven Zusammenarbeit kommt. Doch kaum sitze ich, dreht sich meine Position wie von allein um 180°, ich sitze nun tiefer im Raum, wo auch weniger Licht hin gelangt. Rechts von mir steht eine Maskenbildnerin mit ihrer Assistentin. Man wird mich für den Unterricht herrichten. Die Maskenbildnerin drückt einen feucht-kühlen Wattepad auf mein rechtes Auge, um die Haut vorzubereiten. Sie hat eine handfeste Art, drückt die Watte fest auf das Auge und reibt. Ich fürchte um mein Augenlicht, erkläre erschrocken: „Nicht so stark drücken!! In dem Auge wurde mir eine Kunstlinse implantiert!“ Okay, die müsste inzwischen gut angewachsen sein, aber da ich das nicht überprüfen kann, bin ich noch etwas ängstlich.
Die Maskenbildnerin winkt ab und meint, ich solle mich nicht so empfindlich anstellen. Erneut geht sie mit festem Druck über das Auge. Na, das kann ja heiter werden, wenn sie mir nachher die Lidstriche ziehen will…
„Nun drücken sie doch nicht so rum. Ich wurde dort operiert!“ fahre ich sie an.

Sie, schnippisch: „Ach… und die Fäden wurden wohl auch noch nicht gezogen?!“

Mit diesen Worten nimmt sie ein etwa zehn Zentimeter langes Stück weißen Faden von meinem Scheitelpunkt und hält es mir vor die Nase.

So ein Blödsinn, denke ich ärgerlich, da wurde doch nichts genäht! Mich ärgert, dass sie etwas an mir entdeckt hat, von dem ich nichts wusste – ich hatte es noch nicht gesehen. Ihre blöde Besserwisserei nervt mich tierisch. So.

Traumpfad:
Gestern beim Bücherflohmarkt in der Josephskirche das Buch „Der Pferdeschamane“ in Händen gehalten, aber doch nicht gekauft.

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