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Haben und Sein

Traum vom 15. September 2009

Eine kreisrunde Erdöffnung, aus der ein Baum mit üppigem Blattwerk empor strebt. Zwei Wipfel – ein großer alles überragende und ein kleinerer. Der Baum strebt in zwei Richtungen. Ich werde von einer sachlichen Stimme darauf hingewiesen, dass wir den Hauptstrang hegen und pflegen sollen. Er braucht alle Aufmerksamkeit. Der kleinere Abzweig darf natürlich nach Belieben wachsen und gedeihen, aber benötigt dazu weder Aufmerksamkeit noch unsere Unterstützung.

Spaziergang – wunderbar milde Abendluft. Da ich vorhin mit dem Auto nicht weit gekommen war, ohne auf Behinderungen zu stoßen, bin ich zu Fuß los. Offenbar bin ich neu hier in der Stadt, alles ist so fremd, aber doch in seiner Art vertraut. Spazierwege und Radwege durch städtisches Grün, an einem sich leicht schlängelnden Fluß vorbei, unter Brücken hindurch. Stets sind die Wege von unternehmungslustigen Menschen gesäumt. Rasten, Grillen, Lagern, Lesen, Plaudern, Treffen, Lieben. Alle genießen diesen noch warmen Abend vor dem Herbst.

Fein, aber ich bin etwas genervt, etwas unglücklich und angestrengt im Innern. Mich plagt etwas, das sich nicht so einfach abstellen lässt. Ich muss da halt durch.

Ich gelange an einen kleinen Schiffsanleger. Einige Boote und Schiffchen dümpeln am Steg, vor dem Hintergrund eines orange leuchtenden Sonnenuntergangs. Die Schönheit dieses Anblicks überwältigt mich… was auch war, es ist vergessen…. Freude… welch ein Glück, dies sehen zu dürfen. Ich sollte den Fotoapparat holen, eine Aufnahme machen, damit ich mich später noch daran erfreuen kann. Laufe los, überlege sogleich, dass die Sonne bis zu meiner Rückkehr untergegangen sein dürfte. Ich hätte das gleich sein lassen sollen. Aber nun, da ich schon mal unterwegs bin…

Zurück daheim, wo es mir noch so fremd ist, sich jedoch schon marianisch anfühlt. Der Zauberer und die Puppenspielerin sind gekommen. Ich biete ihnen von frisch Gebackenem an. Wäre schön, sie nähmen sich etwas davon mit. Gerade vor wenigen Sekunden entdeckte ich ein Blech mit kleinen Zitronenküchlein, die ich vor einigen Tagen gebacken habe. Es wurde nichts davon gegessen. An jedem Stückchen zeigt sich bereits ein schimmelblauer Stippen. Wäre schade, wenn auch von diesem neu gebackenen Kuchen niemand etwas essen würde.

Der Zauberer packt gleich vom Kuchen in eine Tragetasche. Jedoch nicht nur den Kuchen! Nein, er nimmt sich hier und da, alles was so da ist. Obst und Gemüse, geht hinüber in die Speisekammer und sackt dort gleich drei Päckchen Filterkaffee ein. Dann noch Mehl, Getreideprodukte und ähnliches Haltbare.

Ja, denkt er denn nicht nach?? Ich will ihn aufhalten – er hat ja schon so viel genommen! Es reicht doch! Allerdings möchte ich auch nicht geizig sein; das wäre mir peinlich. So schaue ich weiter schweigend zu, addiere im Geiste die Preise der genommenen Lebensmittel… Die Summe eines größeren Einkaufs ist inzwischen überschritten.

Ich wäre ja aufgefordert, mich zu wehren, meide aber die Konfrontation indem ich mich pseudophilosophischen Betrachtungen hinsichtlich dieser Situation hingebe – Haben und Sein, Anhaftung und Loslassen. Das entspannt mich.

Mike sagt auch nichts. Aber der ist ja auch auf der buddhistischen Spur und würde mir vielleicht sogar raten, großherziger zu sein. Am besten ist, ich verlasse diesen Ort erst einmal. Ich gehe zu Mike, um mich zu verabschieden. Dabei falle ich ganz weich in seine Arme, schmiege mich an seine Brust; das ist sehr schön. Die Puppenspielerin beobachtet das lächelnd und stellt fest: „Mmh, wie gut sie riecht!“

Moschus? Denkt sie vielleicht, ich rieche nach Moschus?

Inzwischen stehe ich vor Mike, ihm den Rücken zugewandt und zugeneigt – also Schrägstand, mit meinen Schulterblättern an seine Brust gestützt. Mike meint, ich solle mich noch dem Zauberer zuneigen, mich verabschieden.

Plötzlich ein Gedanke… der mich belebt. Ich bitte den Zauberer, mir in einen weiteren Raum zu folgen. Offenbar habe ich hier eine weitere Vorratskammer, in der noch allerhand zu holen ist. Ich breite die Arme aus und sage zum Zauberer: „Bitte sehr!“ Er soll sich nach Belieben bedienen. Meinetwegen kann er alles haben. Es ist wie ein Durchbruch in die Freiheit. Ich fühle mich total gut und von Sorgen befreit.

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