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Aufnahmeprüfung im Frankfurter Einwohnermeldeamt

Traum vom 13. September 2009

- Mustererkennung -
Keine Wartezeit beim Einwohnermeldeamt in Frankfurt. Die Tür zu den Amtsstuben öffnet sich und eine bemerkenswert gut gelaunte Angestellte bittet mich herein. Kaum über die Schwelle getreten, legt die Angestellte einen Arm um meine Schultern und ruft ihren Kollegen zu: „Stellt euch vor, heute haben wir eine Deutsche! Eine Deutsche! In Frankfurt! So etwas gibt es also noch!“
Die Mitarbeiter blicken hoch und es kommt zu einem verhaltenen Gelächter.

Nun aber die erste Untersuchung. Oder genauer gesagt: die erste Prüfung. Die Angestellte reicht mir ein Heft und sagt: „Soo, dann lesen wir jetzt mal. Also… da lesen wir doch… – deutsch!!“ Sie sagt es so, als sei das ganz besonders schwer und deshalb nur selten der Fall, dass es überprüft werden kann.
Wie toll, ich darf vorlesen! Das kann ich. Ich freue mich sehr darauf, stelle aber fest, dass zuvor noch die leicht verschmierten Brillengläser geputzt werden müssen. Als ich meine Brille abnehme, stelle ich verwundert fest, dass diese schon wieder neue Gläser hat, obwohl die Brille ja noch recht neu ist. Na, sonderbar… die Gläser sind viel dicker, aber damit es ästhetischer ausschaut, wurden die Ränder hübsch abgerundet – wie eine tauende Eisscheibe. Am unteren Glasrand wurde das Glas mit einer leicht tropfenförmigen Ausbuchtung versehen. Wirklich schön finde ich das nicht, aber jetzt ist schließlich nicht die Zeit, darüber nachzudenken. Als ich die Brille wieder auf der Nase habe, ist der Text nicht mehr zu finden. Ich blättere hin und her… Es war ein längerer Text, ich finde aber nur noch kurze Texte, die vermutlich Bestandteil des mathematisch-räumlichen Intelligenztests sind. Das gibt es doch nicht! Ich hatte den Text doch schon aufgeschlagen! Meine Sucherei und das ganze Hin und Her kommentiere ich mit einem endlosen Wortschwall.

Die Angestellte beobachtet das nicht lang, springt dann auf und fordert mich auf: „Kommen Sie! Nächster Test! Dass Sie lesen können, dürfte jetzt wohl allen klar sein.“

Amüsiertes Grinsen der anderen hinter ihren Schreibtischen.

„Och nee!“ rufe ich enttäuscht aus. „Das ist ja blöd! Ich hatte mich so sehr auf das Lesen gefreut!“
Ich blättere weiter das Heft durch. Der Text kann schließlich nicht verschwunden sein.

„Kommen Sie!!“ Die Angestellte bleibt dabei.

Die nächste Prüfstelle ist auch ganz angenehm. Ich muss etwas vorsingen. Kann keine weiteren Details erinnern, nur dass es Spaß gemacht hat, aus voller Brust zu trällern.

Daraufhin führt sie mich in eine weiter hinten liegende Amtsstube, wo ich bereits vom Prüfer erwartet werde, der den nächsten Test machen wird. Auf dem Tisch liegt bereits der Zettel mit der Aufgabe:

Vier Spalten. Die Spaltenüberschriften informieren darüber, dass es um vier Sprachräume geht; nämlich um den deutschen, den angelsächsischen, den armenischen und den estnischen. Die Überschriften sind farbig unterlegt: Hellgrün, Dunkelgrün, Orange, Rot.
Die karierten Zeilen gehen über die gesamte Seite und sind zum Teil, wie folgt, mit Großbuchstaben ausgefüllt:
Ein Konsonantenpaar, zwei leere Karos, ein Konsonantenpaar, zwei leere Karos und so fort. Manchmal beginnt die Zeile auch mit einem oder zwei leeren Karos.

Ganz klar, die leeren Felder sollen von mir ausgefüllt werden. Hm, vermutlich so eine Art Lückentext und ich muss die fehlenden Buchstaben einsetzen, damit sich sinnvolle Begriffe ergeben. Das probiere ich zuerst in der Spalte zum deutschen Sprachraum, da ich da am sichersten überprüfen kann, ob ich mit meiner Idee richtig liege. Schnell zeigt sich: so geht es nicht. Das erste Konsonantenpaar in der ersten Zeile ist „HB“ oder „HN“ Ich kenne kein deutsches Wort, das mit diesen Buchstaben beginnt. Auch die beiden Buchstaben nach den Leerkästen ergeben damit keinen Sinn. Vielleicht ist es eine logische Reihe und ich muss die jeweiligen Systematiken erkennen? Mal probieren… Hmm…?? Bis jetzt erkenne ich noch keine Logik dahinter.

Der Prüfer, der noch kurz etwas erledigen musste, kehrt zu mir zurück, reicht mir ein ziemlich wuseliges, fluffiges Bündel ziemlich unsortiert aufgewickelter Wolle in Rauchblau. Dann zeigt er wortlos auf die Vorlage mit den Sprachräumen und erneut zur Wolle.

Ah sooo! Jetzt verstehe ich! Das sind Strickmustervorlagen. Und zwar traditionelle Muster aus den verschiedenen Sprachräumen. Jedes Kästchen steht dann wohl für eine Masche und die Buchstaben gehen an, welcher Art die Masche ist. Sieht ja schwierig aus, denn laut den Konsonantenpaaren ist kein regelmäßiges Muster ersichtlich. Wie soll das gehen? Aber ich mache mich jetzt nicht verrückt, in dem mich auf das mögliche Ergebnis konzentriere, sondern fange einfach an, mit den ersten Buchstaben und mache dann weiter – step by step.

Es ist verblüffend, denn bereits nach einigen Sekunden habe ich es raus. Zudem geht es megaschnell. Ehe ich mich versehe, ist nach wenigen Minuten alles verarbeitet und ich halte einen fertigen Herrenstrickpullover in den Händen. Echt erstaunlich, geradezu unerklärlich.

Ich drehe mich um. Dort, im Halbdunkel, steht ein Holzregal mit vielen Fächern, die mehr oder minder mit ordentlich zusammen gelegten Strickpullovern gefüllt sind. Ich halte mein Strickwerk neben den Pulloverstapel oben links und vergleiche die Muster. Total verblüfft stelle ich fest, dass ich genau das gleiche Muster gestrickt habe, wie es die Pullover in diesem Regal aufweisen. Haargenau gleich. Erst bin ich begeistert und halte diese Übereinstimmung für ein Zeichen dafür, dass ich die Aufgabe richtig gelöst habe. Aber dann fällt mir ein: Halt stopp… die Konsonantenpaare auf der Vorlage waren in allen möglichen Variationen gegeben. Immer wieder andere Paare. Es kann gar nicht sein, dass ein solches Durcheinander an Buchstaben zu einem solch regelmäßigen Strickmuster führt, oder?

Es dauert nicht lang, da kommt der Prüfer, nimmt mir den Strickpullover aus der Hand und zeigt sich bei der Betrachtung sehr zufrieden. Als ich meine Bedenken äußere, erklärt er: „Sie müssen das Ganze betrachten!“
Er hält mir das Vorderteil des Pullovers vor Augen. Tatsächlich! Ein Streifen, der mittig über Brust und Bauch verläuft, zeigt ein Zopfmuster, aber das übrige Teil ist ganz schlicht gestrickt. So ist es. Blicke ich nur auf einen Teilbereich, dann sehe ich dieses Muster. Daraus darf ich aber nicht schließen, dass der ganze Pullover ein solches Muster zeigt. Ich habe es begriffen. Verstehe nun auch das Regal mit den Pullovern: jedes Fach steht für ein Karo auf der Prüfungsvorlage. Jeder dieser Pullover zeigt nur das Muster eines Konsonantenpaares! Das dient der Übersicht der Möglichkeiten.

Nachdem ich diese Prüfung beendet habe, zeigt sich der Prüfer sehr entgegenkommend und respektvoll und bittet mich, ihm weiter zu folgen.

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