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Lebenslänglich für heimtückische Attentäterin

Traum vom 11. September 2009

Im Krankenhaus. Ich liege zusammen mit einer fremden Frau in einem Zimmer. Genauer gesagt, befindet sich diese in meinem Bett, direkt vor mir sitzt sie, mit dem Rücken in meine Richtung. Sie hat Besuch von einer Frau, von der sie in diesem Augenblick erschüttert die Frage gestellt bekommt, was ich habe. Daraufhin schlägt die Kranke die Hände vor das Gesicht und stammelt entsetzt: „Ich kann es nicht aussprechen, es ist so schrecklich!“

Ich bin zwar noch etwas matt nach dem Eingriff, fühle mich aber gut. In meiner linken Hand steckt noch die Braunüle, aber ich habe sogar schon eine Kleinigkeit gegessen. Ich überlege, da es eh um mich geht, ob ich es auch aussprechen soll: Brustkrebs. Das kann ich sagen, das Wort lässt sich formen, über die Lippen bringen. Es ist ja auch alles gut nun. Andererseits möchte ich der Frau in meinem Bett nicht mit einem offenen Wort in den Rücken fallen. Also schweige ich weiterhin.

Mit etwas weichen Knien trete ich an den Gemeinschaftsesstisch, der hinter den Krankenbetten steht. Dort sitzt eine dritte Kranke mit bleichem Gesicht. Sie wirkt harmlos und passiv. Dennoch habe ich ein ungutes Gefühl bei ihrem Anblick, das ich mir nicht erklären kann. Es hält mich davon ab, mit ihr zu sprechen. Nach einer kurzen Betrachtung ihres Gesichts gehe ich anderen Weges.

Später. Wilma besucht mich auf der Insel. Vor einiger Zeit habe ich meinen Wohn- und Arbeitsort auf diese wunderschöne skandinavische Insel im Mittelmeer verlegt. Bei einem ausgedehnten Spaziergang zeige ich die Schönheit des Landes. Sie ist begeistert. Nach einigen Stunden muss sie zum Anleger zurück, denn das Schiff wird sie zurück zum Festland bringen.

Nur wenige Minuten nachdem sich unsere Wege getrennt haben, fällt mir ein, dass ich sie ja zum Anleger begleiten könnte. So kehre ich rasch um… knapp 75m bevor ich die Weggabelung erreiche, wo ich nach rechts weiter müsste, erhalte ich eine wichtige Nachricht in Form eines Zeitungsausschnitts, der von oben kommend vor Augen geführt wird:

Die harmlos wirkende Kranke, mit der ich von Beginn an kein gutes Gefühl hatte, wurde inhaftiert. Lebenslänglich! Am frühen Morgen hatte sie zwei Gasleitungen – so dick wie Feuerwehrschläuche – mit mehrfachen Endstücken durch zwei Kellerfenster im Kaffee Verrückt eingeführt, um alles in die Luft zu sprengen. Die Tatsache, dass sie dafür eine völlig unnötige Überdosis in die Keller leitete und zudem ein höchst explosives Gemisch unterschiedlicher Gase einsetzte, zeugt von ihrer Heimtücke. Deshalb auch die Höchststrafe mit Sicherheitsverwahrung.
Während des Lesens sehe ich mich in die Vogelperspektive versetzt, mit Blick auf die Worpsweder Haltestelle „Insel“. Links davon, jenseits der Kuppe, steht das Kaffee Verrückt. Tatsächlich, die Schläuche führen durch die Kellerfenster.

Lebenslänglich, so hoffe ich! Ist aber lebenslänglich wirklich ein Leben lang? War es nicht eher so, dass es sich auf fünfzehn Jahre beschränkte? Leider kann ich keinen klaren Gedanken fassen, sobald ich meine Erinnerung in diese Richtung abtaste. Es bleibt unsicher. Wenn sie wieder rauskommen sollte, traute ich mich nicht mehr raus. Ich könnte mein Kind nie mehr allein lassen. Meine angstvollen Gedanken steigern sich zu einem fast paranoiden Anfall, der mich ziemlich aufregt. Ich zwinge mich zu zuversichtlicheren Gedanken, die mich wieder auf den Boden bringen.

Ich mache mich also auf den Weg zum Haus meiner Gastgeber. Ich liebe diese Winkel und Gassen der kleinen Stadt. Hier ahnt man das Meer, zwischen den Hauswänden liegt auch jetzt noch – der Abend dämmert bereits – die Sonnenwärme des Tages. Ich fühle mich geborgen zwischen den nahen Fassaden, während ich die steile Gasse hinaufsteige. Mir wird erst jetzt bewusst, dass ich den Straßennamen gar nicht genau weiß. Diese Straße – „Öberer Steig“ – müsste aber stimmen. Ja, jetzt sehe ich auch schon das Finnenhaus, das mit seinen lichten Fenstern so einladend wirkt. Ich freue mich.

Ich betrete das Haus, bemerke am unteren Treppenabsatz einen Haufen Lebensmittel. Das ist sicherlich der Essensvorrat der inhaftierten Kranken. Ich gehe daran vorbei, steige eine schmale und steile Holzstiege hinauf, dann gleich noch eine weitere – meine Schritte werden von der Enge und dem Holz angenehm gedämpft – und gelange in die Wohnräume meiner Gastgeber. Die Frau meint, es sei langsam angeraten, die unten liegenden Lebensmittel zuzubereiten oder kühl zu lagern, damit sie nicht verderben.

Oh nein! „Davon möchte ich nichts essen!“ sage ich mit Nachdruck aber auch mit der gebotenen Höflichkeit und erkläre auch warum: „Wer weiß, was die Kranke damit angerichtet hat? Womöglich hat sie es mit Gift bestrichen und es schädlichen Giftstoffen ausgesetzt, die alles nachhaltig verseucht haben.“ Vielleicht ein letzter Schlag der Kranken, um sich an uns dafür zu rächen, dass sie inhaftiert wurde?! Zum Glück hat der Gastgeber ähnliche Bedenken wie ich und wir beschließen gemeinsam: Besser, wir entsorgen alles!

Ich steige die Stiegen wieder hinab, bis nach unten zu den Lebensmitteln. Während ich mit einem großen Schritt darüber hinweg gehe, bleibt mein Blick an einem Stück Fleisch hängen: ein Kalbsschnitzel, das zur Hälfte mit einem scharfen Messer zerteilt wurde. Ich betrachte es einige Augenblicke und verlasse das Haus.

An anderem Ort auf der Insel gelange ich in ein kleines Waldgebiet, das in seiner Eigenart so anders als die restliche Umgebung, fast wie eine grüne Insel wirkt. Ich trage Sportkleidung und als ich den Parcours erkenne, der in abwechslungsreichen Bögen und Schwüngen, hinauf und hinab, über Stock und über Stein durch den Wald sich schlängelt, bekomme ich große Lust zum Laufen. Ich laufe los. Anfangs langsam, denn ich fürchte, den blitzartig stechenden Schmerz in den Bandscheiben oder Knien, der mich zu Boden und zum Abbruch zwingen würde. Aber je mehr ich laufe und meine Leichtigkeit spüre, meine Kondition und Kraft, umso leichtfertiger werde ich. Ich laufe schneller, springe spielerisch über Baumwurzeln, werde noch schneller… Kein Schmerz, gar nichts. So wunderbar! Der Wald duftet, der Boden federt, schwungvoll nehme ich einen kleinen Anstieg. Die gesamte Strecke durch den Wald ist etwa zehn Kilometer lang. Doch am Ende spüre ich keine Erschöpfung. Im Gegenteil, ich habe jetzt erst recht Lust auf noch mehr Laufen. Erstaunt registriere ich, dass da noch locker Kraft für eine zweite Runde ist. Ich wage es ja kaum zu glauben, aber es sieht so aus, als seien meine Knie- und Rückénprobleme behoben! Vielleicht kann ich wieder mit dem Laufen beginnen… Die Gastgeberin steht am Waldrand und schaut mir lächelnd zu. Sie läuft regelmäßig die Runde im Wald. Toll, da könnten wir doch mal um die Wette laufen!
Befreit und glücklich.

Später erfahre ich, dass die Gaszufuhr der Kranken nicht nur das Verrückt-Gebäude hätte zerstören können, sondern dass diese schon längere Zeit einen negativen Einfluss auf das Obertonsingen hatte. Denn die Töne wurden durch das Gas derart gedrosselt, dass sie gar nicht über 134 Hertz kommen konnten; was eben auch bedeutet: zu wenig Power, um hörbare Obertöne zu erzeugen.

Mir wird eine Frequenz-Analyse gezeigt, damit ich mir ein Bild davon machen kann. Tatsächlich, das Spektrogramm zeigt: der Obertonbereich ist leer. Nach der Inhaftierung der Kranken aber ist ein steiler Anstieg in den Obertonbereich zu erkennen, der sich im weiteren Verlauf stabil zeigt. Und es gab außer der Inhaftierung keine weiteren Veränderungen. Ich bin echt beeindruckt, welchen Einfluss allein das hat. Sehr, sehr interessant!

Traumpfade:
Interessant ist, dass Worpswede auch so etwas wie eine Insel ist. Zumindest geologisch betrachtet, denn eine Sanddüne im Moor bildet den Weyerberg und die nähere Umgebung.

Stimmlippenbekenntnisse – was beim Sprechen passiert

Explosion im folgenden Video – gestern gesehen:

Kürzlich gelauscht:

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